Вселенная Травницы
Глава 1-4
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 4
DER RAT
Pünktlich um zehn Uhr morgens versammelten sich alle in dem kleinen Konferenzraum des Hotels.
Auf dem Tisch standen Kaffee, Tee und ein leichtes Frühstück, doch niemand beeilte sich zu essen.
Vlad betrat den Raum, begrüßte alle und nahm seinen Platz ein.
Ruhig sah er die Anwesenden an.
– Guten Morgen.
Alle erwiderten den Gruß.
– Heute sprechen wir über vier wichtige Themen. Wir müssen sie gleich klären, damit wir später nicht immer wieder darauf zurückkommen müssen. Nur wenn Sie die Grundlagen verstehen, können Sie begreifen, warum unser Projekt existiert.
Er machte eine kurze Pause.
– Das erste Thema ist die Herkunft des Menschen.
Alle sahen ihn aufmerksam an.
Vlad nahm einen Marker und ging zur Tafel.
In einer Zeile schrieb er:
Vlad – Celestials – Anunnaki – Menschen
– Genau so sieht die Abstammungskette der Menschheit aus.
Ich erschuf die Rasse der Celestials. Sie war die erste Zivilisation, der ich die Entwicklung des Lebens anvertraute. Später erschufen die Celestials die Anunnaki.
Und die Anunnaki erschufen nach zahlreichen Versuchen und Fehlern schließlich die Menschen.
Er sah jeden Einzelnen an.
– Alles, was die Menschheit über ihre Herkunft weiß, ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Die wirkliche Geschichte ist viel älter und wesentlich komplizierter.
Im Raum wurde es still.
Für Anna, Lilith und Konstantin eröffnete dieses Gespräch eine völlig neue Sicht auf die Geschichte der Welt.
Vlad fuhr ruhig fort:
– Heute werden Sie nur die Wahrheit hören. Auch wenn es anfangs schwer sein wird, daran zu glauben.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Das zweite Thema: Glaube und Religion sind nicht dasselbe.
Er sah jeden Einzelnen an.
– Man kann an alles Mögliche glauben. An das Gute. An Gerechtigkeit. An den Menschen. An die Zukunft. Daran, dass sich etwas verändern lässt. Wichtig ist nur, dass diese Entscheidung Ihre eigene ist.
Vlad hielt inne.
– Jeder von Ihnen hatte genau einen solchen Glauben. Trotz aller Prüfungen haben Sie nicht aufgehört zu hoffen, dass das Leben anders werden kann. Genau deshalb sind Sie jetzt hier.
Er machte erneut eine Pause.
– In der Welt unseres Projekts sind religiöse Organisationen längst zu einem Instrument der Macht geworden.
Sie versuchen, Menschen zu kontrollieren, ihre Entscheidungsfreiheit zu unterdrücken und den Glauben für den eigenen Einfluss und die eigene Bereicherung zu nutzen.
Im Raum herrschte Stille.
– Merken Sie sich das Wichtigste, – sagte Vlad ruhig. – Unser Feind ist alles, was einem Menschen das Recht nimmt, selbst zu denken, zu wählen und frei zu sein.
Lilith lächelte kaum merklich.
Vlad sah das Team an.
– Solange ein Mensch die Freiheit der Wahl besitzt, hat er eine Zukunft. Für genau diese Freiheit werden wir kämpfen.
Vlad machte noch eine Pause.
– Das dritte Thema sind die Zugriffsberechtigungen für Informationen und die Ordnung der Entscheidungsfindung.
Er schrieb mehrere Zahlen an die Tafel.
7. Vlad.
6. Anna, Lilith, Konstantin.
5. Leiter der Hauptbereiche.
4. Spezialisten.
3. Mitarbeiter der Abteilungen.
2. Hilfspersonal.
1. Temporäres Personal und eingeladene Spezialisten.
Vlad wandte sich dem Team zu.
– Jeder erhält seine eigene Zugriffsstufe auf Informationen. Je höher die Stufe, desto größer die Verantwortung. Sie werden nur das wissen, was Sie für Ihre Arbeit benötigen.
Er sah Anna an.
– Die höchste Stufe ist die siebte. Sie gehört ausschließlich mir.
Dann blickte er die drei an.
– Sie haben die sechste Zugriffsstufe. Sie bilden den Kleinen Rat des Projekts.
Konstantin hörte aufmerksam zu.
– Der Kleine Rat bespricht alle Schlüsselfragen, bewertet Risiken und schlägt Lösungen vor, – fuhr Vlad fort.
– Aber die endgültige Entscheidung trifft Anna.
Anna sah ihn überrascht an.
– Warum ich?
– Weil du das Projekt leiten wirst. Du bestimmst Richtung und Strategie.
Er sah die anderen an.
– Eure Aufgabe ist es, diese Entscheidungen umzusetzen.
Lilith lächelte.
– Dann werden wir viel streiten.
Vlad schmunzelte.
Er ließ den Blick über die Anwesenden schweifen.
– Merken Sie sich noch eine Regel. Je höher die Zugriffsstufe, desto weniger Menschen wissen, was Ihnen bekannt ist. Das dient nicht der Macht, sondern der Sicherheit des Projekts und der Menschen, die darin arbeiten.
Vlad sah alle Anwesenden an.
– Das vierte und letzte Thema für heute.
Er machte eine kurze Pause.
– Von diesem Augenblick an müssen Sie die Begriffe Schöpfer, Auserwählter, Retter und alles vergessen, was einen Menschen über einen anderen stellen könnte.
Im Raum wurde es still.
– Für die Außenwelt existiert kein Schöpfer.
Er sah Anna an.
– Es gibt keine Heilerin als mythisches Wesen.
Dann fuhr er ruhig fort:
– Es gibt Vlad – den Kurator des Projekts.
– Es gibt Anna Kern – die Leiterin des Projekts und praktizierende Intensivmedizinerin.
Er sah Lilith und Konstantin an.
– Und es gibt ein Team von Fachleuten, von denen jeder für seinen Bereich verantwortlich ist.
– Die Menschen sollen nicht Legenden vertrauen, sondern Ihrem Wissen, Ihrer Arbeit und Ihren Ergebnissen. Wir werden Leben retten, Technologien entwickeln und die Welt verändern – nicht durch Wunder, sondern durch Arbeit, Disziplin und Verantwortung.
Anna nickte.
Konstantin sagte:
– Also kein Personenkult.
Lilith lächelte.
– So arbeite ich wesentlich lieber.
Vlad sah das Team an.
Die neuen Teammitglieder begannen einzutreffen.
Als Erste kam Kassandra, die Immobilienmaklerin.
Sie war Spezialistin für die Suche und Bewertung von Immobilien und wusste, wie man geeignete Standorte für zukünftige Zentren und geheime Objekte des Projekts fand.
Als Nächste traf Jeanne ein, die Juristin.
Ihre Erfahrung sollte dabei helfen, komplizierte Fragen im Zusammenhang mit verschiedenen Ländern und Rechtssystemen zu lösen.
Danach kam Sonja, die Personalfachfrau.
Sie sollte Menschen suchen, ihre Fähigkeiten beurteilen und die zukünftigen Arbeitsteams zusammenstellen.
Als Letzter traf Daniel ein, der Finanzfachmann.
Sein Wissen wurde für den Aufbau des Finanzsystems des neuen Projekts benötigt.
Lilith beobachtete jeden Einzelnen, Konstantin bewertete ihre Zuverlässigkeit, und Anna sah zum ersten Mal, wie sich rund um das Projekt Menschen versammelten, die schwierigste Aufgaben lösen konnten.
18:00 Uhr.
Vlad sah alle Anwesenden an und sagte:
– Danke, dass Sie gekommen sind. Heute lernen wir uns zunächst kennen. Vor Ihnen liegt ein neues Projekt, das nicht nur Ihr Wissen, sondern auch Ihre Fähigkeiten verlangen wird.
Im Raum wurde es still.
Lilith beobachtete jeden aufmerksam. Konstantin bewertete ihre Reaktionen und ihr Verhalten. Anna hörte zu und versuchte, die Menschen zu verstehen, die Teil der Zukunft werden konnten.
– Heute gibt es keine langen Vorträge. Unsere Aufgabe ist es jetzt, uns kennenzulernen und zu verstehen, mit wem jeder von Ihnen künftig zusammenarbeiten wird.
Vlad sah die neuen Teilnehmer an.
– Vor Ihnen sitzt Anna Kern – Leiterin des Projekts und praktizierende Intensivmedizinerin.
Anna nickte leicht.
– Lilith ist die administrative Leiterin des Projekts. Sie ist für die Organisation der Arbeit, die Informationssysteme und die interne Sicherheit verantwortlich.
Lilith lächelte ruhig.
– Konstantin ist Leiter des Sicherheitsdienstes des Projekts. Seine Aufgabe ist es, das Team, die Einrichtungen und die Informationen zu schützen.
Konstantin begrüßte die neuen Kollegen kurz.
– Und nun möchte ich Ihnen diejenigen vorstellen, die heute zu uns gekommen sind.
Er sah Kassandra an.
– Sie sind für die Suche und den Erwerb von Immobilien auf der ganzen Welt verantwortlich. Jedes Objekt des Projekts wird über Sie laufen.
Dann wandte er sich Jeanne zu.
– Jeanne. Leiterin des juristischen Bereichs. Alle Rechtsfragen, internationales Recht, Unternehmensregistrierungen und der Schutz der Interessen des Projekts liegen in Ihrer Verantwortung.
Als Nächste war Sonja an der Reihe.
– Sonja. Leiterin der Personalabteilung. Sie werden die besten Spezialisten suchen, die Auswahl durchführen und die Teams des Projekts zusammenstellen.
Schließlich sah Vlad Daniel an.
– Daniel. Leiter des Finanzbereichs.
Finanzierung, Ausgabenkontrolle, Investitionen und die Entwicklung des Projekts liegen in Ihren Händen.
Im Raum herrschte erneut Stille.
– Heute befindet sich hier niemand zufällig.
Jeder von Ihnen hat seinen eigenen Weg zurückgelegt und ist nicht zufällig hier gelandet.
Er machte eine kurze Pause.
– Morgen beginnt die Arbeit. Eine Arbeit, die mit der Zeit das Leben von Millionen Menschen verändern wird.
Niemand sagte ein Wort.
Jeder verstand, dass es keinen Weg zurück gab.
Vlad sah auf die Uhr.
– Für heute ist der offizielle Teil beendet.
Alle erwarteten, dass die Besprechung damit vorbei wäre, doch plötzlich lächelte er.
– Es gibt noch eine Pflichtveranstaltung.
Im Saal wurde es still.
– In fünfzehn Minuten erwartet uns ein gemeinsamer Abend. Heute ohne Arbeit, ohne Berichte und ohne Diskussionen über das Projekt.
Lilith brach als Erste das Schweigen.
– Bekommen wir tatsächlich ein ganz gewöhnliches menschliches Abendessen?
– Genau, – antwortete Vlad. – Ein Team sollte einander nicht nur über die jeweiligen Funktionen kennen.
Wenige Minuten später versammelten sich alle im kleinen Restaurant des Hotels.
Für sie war bereits ein großer runder Tisch gedeckt.
Vlad hatte bewusst einen runden Tisch gewählt.
– Hier gibt es keine Wichtigen und Unwichtigen, – sagte er. – An diesem Tisch kann jeder frei sprechen, Fragen stellen und die anderen kennenlernen.
Nach und nach verschwand die Anspannung.
Kassandra erzählte einige lustige Geschichten aus ihrer Arbeit mit Immobilien.
Jeanne erinnerte sich an einen ungewöhnlichen Gerichtsfall, den sie entgegen allen Prognosen gewonnen hatte.
Sonja gestand lächelnd, dass sie meist schon nach den ersten fünf Minuten eines Gesprächs wusste, ob jemand für eine Stelle geeignet war oder nicht.
Daniel bemerkte ruhig:
– Und ich weiß nach den ersten fünf Minuten, ob man jemandem Geld anvertrauen sollte.
Alle lachten.
Sogar Konstantin erlaubte sich ein leichtes Lächeln.
Anna fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit ruhig.
Sie sah die Menschen an, die neben ihr saßen.
Noch vor wenigen Tagen war sie völlig allein gewesen.
Jetzt waren Menschen an ihrer Seite, die zu einem Team werden sollten.
Vlad beobachtete sie schweigend.
Genau auf diesen Augenblick hatte er gewartet.
Nicht auf das Kennenlernen.
Nicht auf die Unterzeichnung von Dokumenten.
Sondern auf jenen Moment, in dem acht völlig unterschiedliche Menschen zum ersten Mal spürten, dass sie begannen, einander zu vertrauen.
Draußen rauschte das Meer am Abend.
Der erste Tag des neuen Teams ging zu Ende.
Doch für jeden von ihnen begann das neue Leben gerade erst.
Глава 5-10
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 5
FÄHIGKEITEN UND TECHNOLOGIEN – ERSTE ERKENNTNISSE
Pünktlich um zehn Uhr morgens versammelte sich das gesamte Team erneut an dem bereits vertrauten Tisch im Konferenzraum des Hotels.
Vlad trat ein, begrüßte alle und nahm seinen Platz ein.
Er sah jeden aufmerksam an.
– Guten Morgen.
– Guten Morgen, – antworteten fast alle gleichzeitig.
Vlad nickte.
– Heute beginnen wir über Ihre neuen Fähigkeiten und die Technologien zu sprechen, mit denen Sie arbeiten werden.
Er machte eine kurze Pause.
– Zunächst möchte ich Ihnen etwas Wichtiges mitteilen.
Alle hörten aufmerksam zu.
– Ihre natürlichen Fähigkeiten wurden bereits auf das für einen Menschen maximal mögliche Niveau verstärkt. Das betrifft Gedächtnis, Denkgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen sowie die Fähigkeit, Informationen zu analysieren und Entscheidungen zu treffen.
Vlad fuhr fort:
– Außerdem versteht, liest und spricht jeder von Ihnen jetzt fließend alle Sprachen der Erde.
Im Raum entstand Stille.
Anna brach als Erste das Schweigen.
– Das bedeutet, jeder Mensch auf dem Planeten kann mit uns in seiner Muttersprache sprechen?
– Genau so ist es, – antwortete Vlad ruhig.
Lilith lächelte.
– Das wird tatsächlich viel Zeit sparen.
– Und das ist erst der Anfang, – sagte Vlad.
Er ging zur Tafel.
– Jetzt eine kleine Einführung.
Er schrieb nur zwei Worte:
Primitive Physik
– Wundern Sie sich nicht über die Bezeichnung. Alles, was die moderne Menschheit für den Gipfel der Wissenschaft hält, ist für Zivilisationen, die der Erde weit voraus sind, lediglich primitive Physik.
Er machte eine kurze Pause.
– Genau damit beginnen wir heute.
Vlad nahm einen Marker und trat an die Tafel.
Mit einigen sicheren Bewegungen schrieb er:
Planet Erde
Darunter erschienen weitere Begriffe:
Ressourcen
Biologie
Dreidimensionaler Raum
Er wandte sich dem Team zu.
– Alles, was auf der Erde existiert, gehört zur dreidimensionalen Welt.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Jeder Gegenstand, jedes Lebewesen, jeder Rohstoff und jede Substanz unterliegt denselben Gesetzen.
Er schrieb weiter:
Moleküle – Atome – Elektronen, Protonen und Neutronen – Quarks
– Die moderne Wissenschaft beschreibt den Aufbau der Materie auf diese Weise. Alles, was Sie um sich herum sehen, besteht aus Molekülen. Moleküle bestehen aus Atomen. Atome bestehen aus kleineren Teilchen. Auf der Grundlage dieser Ebene befinden sich die Quarks.
Vlad legte den Marker hin.
– Für den Menschen ist dies die Grenze des Verständnisses von Materie.
Im Raum herrschte Stille.
Jeder verstand, dass nun ein Gespräch über Wissen begann, das das gewohnte Bild der Welt vollständig verändern konnte.
Vlad lächelte.
– Genau deshalb habe ich das heutige Thema „Primitive Physik“ genannt.
– Alles, was heute als Gipfel der Wissenschaft gilt, ist lediglich die erste Stufe auf dem Weg zum Verständnis des Universums.
Vlad schwieg einige Sekunden.
Dann sagte er ruhig:
– Aber genug Theorie. Es ist Zeit, über Technologien zu sprechen.
Er griff in die Innentasche seines Jacketts und holte einen kleinen Gegenstand heraus.
Er sah wie ein gewöhnlicher Kugelschreiber aus, nur etwas länger und dicker.
Vlad hielt ihn hoch, damit alle ihn sehen konnten.
– Vor Ihnen befindet sich ein Quarksequenzgenerator der dreidimensionalen Ebene.
Alle betrachteten das Gerät neugierig.
Vlad lächelte.
– Fast wie Harry Potters Zauberstab.
Im Raum wurde gemeinsam gelacht.
Sogar Konstantin lächelte kaum merklich.
Vlad drehte das Gerät leicht zwischen den Fingern.
– Nur ist das hier keine Magie.
Er machte eine kurze Pause.
– Es ist Technologie.
Vlad fuhr nun ernst fort:
– Der Quarksequenzgenerator ermöglicht es, Materie auf der Ebene der Quarks zu formen. Wenn die vollständige Struktur eines Objekts bekannt ist, erzeugt das Gerät nacheinander die notwendigen Teilchen und setzt sie zu einem fertigen Gegenstand zusammen.
Er sah das Team an.
Anna betrachtete das Gerät aufmerksam.
– Das heißt, er erschafft Gegenstände nicht aus dem Nichts?
– Nein, – antwortete Vlad. – Im Universum entsteht nichts aus dem Nichts. Der Generator steuert Materie lediglich auf ihrer fundamentalsten Ebene und verwandelt sie in das, was benötigt wird.
– Und jetzt zeige ich Ihnen, wie das funktioniert.
Vlad hob den Quarksequenzgenerator.
– Theorie ist ohne Praxis nichts wert.
Er richtete das Gerät auf eine freie Stelle am Boden und drückte mit dem Daumen auf den einzigen Knopf.
Aus der Vorderseite des Generators trat ein dünner blauer Strahl aus.
Er war so gleichmäßig, dass er eher wie eine Lichtlinie als wie ein Laser wirkte.
Der Strahl berührte den Boden.
Im Raum herrschte völlige Stille.
Innerhalb von zwei Sekunden begann sich direkt vor den Augen aller aus dem leeren Raum ein Gegenstand zu formen.
Zuerst erschienen kaum sichtbare leuchtende Konturen.
Einen Augenblick später war der Vorgang abgeschlossen.
Auf dem Boden stand eine vollkommen gewöhnliche Holzpalette.
Vlad nahm das Gerät ruhig zur Seite.
– Vor Ihnen steht eine standardmäßige hölzerne Europalette.
Er klopfte leicht mit dem Fuß dagegen.
Der dumpfe Klang des Holzes hallte durch den Raum.
– Keine Illusion. Kein Hologramm. Kein Trick.
Er sah das Team an.
– Ein echter Gegenstand, erschaffen mit einem Quarksequenzgenerator.
Im Raum herrschte absolute Stille.
Sogar Lilith, die nur schwer zu überraschen war, betrachtete die Holzpalette aufmerksam.
Konstantin ging langsam hinüber, hockte sich daneben und strich mit der Hand über das Holz.
– Echtes Holz.
Vlad nickte.
– Echte Materie. Echte Atome. Echte Quarks.
– Genau so funktionieren die Technologien von Zivilisationen, die der Erde weit voraus sind.
Vlad wartete, bis alle die Holzpalette betrachtet hatten.
Dann sagte er ruhig:
– Bevor wir weitermachen, merken Sie sich eines der wichtigsten Prinzipien des Universums.
Er machte eine kurze Pause.
Vlad sah das Team an.
– Energie entsteht nicht aus dem Nichts und verschwindet auch nicht. Sie verändert lediglich ihren Zustand.
Er legte die Hand auf die gerade erschaffene Europalette.
– Deshalb erzeugt der Quarksequenzgenerator keine Materie aus dem Nichts.
Vlad fuhr fort:
– Er wandelt Energie auf Quarkebene nach der vorgegebenen Struktur eines Objekts in Materie um.
Anna nickte nachdenklich.
– Das bedeutet, das Gerät verletzt die Ordnung des Universums nicht.
– Genau, – antwortete Vlad.
– Jede hochentwickelte Technologie beruht nicht auf einer Verletzung der Prinzipien des Universums, sondern auf ihrem tiefen Verständnis und ihrer richtigen Anwendung.
Vlad ließ den Blick über das Team schweifen.
– Merken Sie sich: Dieses Prinzip liegt allen Technologien zugrunde, die Sie später kennenlernen werden.
Alle kehrten an den Tisch zurück.
Nur Vlad blieb neben der hölzernen Europalette stehen.
Er sah das Team ruhig an.
– Setzen wir die Demonstration fort.
Vlad hob den Quarksequenzgenerator und richtete ihn auf die Holzpalette.
Er drückte den Knopf.
Der dünne bläuliche Strahl berührte die Palette.
Innerhalb weniger Sekunden erschienen darauf ordentlich gestapelte Banknotenbündel.
Reihe für Reihe füllten sie die gesamte Oberfläche der Holzpalette.
Als das Leuchten verschwand, lagen auf der Europalette gleichmäßige Stapel neuer Hundert-Dollar-Scheine in Bankverpackungen.
Vlad sagte ruhig:
– Vor Ihnen liegt eine Milliarde US-Dollar.
Im Raum herrschte Stille.
Daniel ging langsam zur Palette, nahm eines der Bankpakete und betrachtete es aufmerksam.
Neue Banknoten.
Perfektes Papier.
Der Geruch frischer Druckfarbe.
Vorsichtig legte er das Paket zurück.
– Echt … – sagte er leise.
Vlad nickte.
– Echt. Der Generator kopiert keine Gegenstände. Er erschafft sie auf Quarkebene nach einer vorgegebenen Struktur.
Er sah das gesamte Team an.
– Deshalb macht es für ihn keinen Unterschied, was er erschafft: eine hölzerne Europalette, Medikamente, ein kompliziertes Gerät oder Geldscheine.
– Lediglich die Struktur des Objekts ist unterschiedlich.
Vlad gab dem Team noch einige Sekunden, um das Gesehene zu begreifen.
Dann sagte er ruhig:
– Und jetzt das Wichtigste.
Er hob den Generator.
– Wie jedes technische Gerät ist auch er nicht vollkommen.
– Er hat Einschränkungen.
Alle sahen Vlad wieder aufmerksam an.
Er begann aufzuzählen:
– Erstens. Der Generator kann keine organischen Objekte und keine lebenden Organismen erschaffen.
– Zweitens. Eine vollständige Ladung reicht nur für fünf Generierungen.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Drittens. Die maximale ununterbrochene Betriebsdauer beträgt zehn Sekunden.
Er hob das Gerät etwas höher.
– Viertens. Nach vollständigem Verbrauch der Energie benötigt der Generator vierundzwanzig Stunden, um sich vollständig wieder aufzuladen.
Im Raum war es still.
Vlad sah jeden Einzelnen an.
– Jeder vom Generator erschaffene Gegenstand existiert sieben Tage.
Er machte eine kurze Pause.
– Nach Ablauf dieser Zeit zerfällt das Objekt und kehrt in seinen ursprünglichen Zustand zurück – in eine Quarksequenz.
Anna dachte nach.
– Das bedeutet, dass man den Generator nicht für eine dauerhafte Produktion einsetzen kann.
– Genau, – antwortete Vlad. – Der Generator ist nicht dafür gedacht, endlos Dinge zu erschaffen, sondern schwierige Aufgaben dort schnell zu lösen, wo es wirklich notwendig ist.
Vlad steckte das Gerät wieder in die Innentasche.
– Merken Sie sich eine einfache Regel.
Er lächelte.
– Jede Technologie hat ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen. Genau das macht sie zu einem Werkzeug und nicht zu einer allmächtigen Kraft.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 6
BEGINN DES PROJEKTS
Am nächsten Morgen.
Pünktlich um zehn Uhr versammelte sich das gesamte Team im Konferenzraum.
Vlad eröffnete die Besprechung.
Er sah jeden aufmerksam an.
– Ab heute endet die moralische Vorbereitung, und die eigentliche Arbeit beginnt.
Er ging zur Tafel und schrieb in großen Buchstaben:
Erste Aufgaben des Projekts.
Vlad wandte sich dem Team zu.
– Aber zunächst bekommt jeder von Ihnen das hier.
Er beugte sich hinunter und holte unter dem Tisch eine kleine schwarze Schachtel hervor.
Nachdem er sie geöffnet hatte, verteilte Vlad nacheinander kompakte Tablets an alle Teilnehmer.
Sie waren klein, dünn und lagen bequem in der Hand.
Als auch Daniel das letzte Tablet erhalten hatte, lächelte Vlad.
– Schalten Sie sie noch nicht ein. Zuerst erkläre ich Ihnen, was das für Geräte sind und warum wir ohne sie in unserem Projekt nicht arbeiten können.
Vlad wartete, bis jeder sein Tablet in der Hand hielt.
Dann sagte er lächelnd:
– Jetzt möchte ich Ihnen noch ein weiteres, untrennbares Mitglied unseres Teams vorstellen.
Alle sahen ihn interessiert an.
– Es ist ein Quantencomputer mit künstlicher Intelligenz.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Sein Name ist TOD.
Er lächelte.
– Noch ist er sehr jung. Heute ist er gerade einmal sieben Tage alt.
Einige sahen einander an.
Vlad fuhr fort:
– Trotz seines Alters lernt er mit unglaublicher Geschwindigkeit.
– In jeder Sekunde analysiert er riesige Informationsmengen, zieht Schlussfolgerungen und verbessert ständig seine Algorithmen.
Er deutete auf die Tablets in den Händen der Teilnehmer.
– Jeder von Ihnen hat nun über sein Gerät direkten Zugang zu TOD.
Vlad lächelte.
– Mit der Zeit werden Sie ihn nicht mehr als Programm wahrnehmen. Er wird Ihr Assistent, Berater und vollwertiges Mitglied des Teams sein.
Vlad sah das Team an.
– Weiter.
Er nahm einen Marker und begann, die Aufgaben an die Tafel zu schreiben.
– Anna und ich werden den Gesamtplan des Projekts vorbereiten und alle Bereiche koordinieren.
Dann sah er Lilith und Konstantin an.
– Lilith und Konstantin sind für die Sicherheit des Projekts sowie für die Vorbereitung der Schutzmaßnahmen für unsere Einrichtungen und Mitarbeiter verantwortlich.
Danach sah er Daniel an.
– Daniel, Ihre Aufgabe ist es, eine kleine, aber zuverlässige Bank für die weitere Zusammenarbeit auszuwählen und die finanzielle Infrastruktur des Projekts vorzubereiten.
– Verstanden, – antwortete Daniel ruhig.
– Kassandra registriert eine Immobilienagentur und sucht ein Grundstück an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine für den Bau des medizinischen Zentrums.
– Jeanne registriert eine juristische Gesellschaft und bereitet alle erforderlichen Unterlagen vor.
– Sonja registriert eine Personalagentur und beginnt mit der Suche nach einem Architekten für den medizinischen Komplex sowie nach einem Bauunternehmen.
Vlad sah das Team noch einmal an.
– Für die Erledigung der ersten Aufgaben haben wir sieben Tage.
Er lächelte.
– Genau in einer Woche, um zehn Uhr morgens, treffen wir uns wieder in diesem Saal und ziehen die erste Bilanz.
Eine Woche verging.
Pünktlich um zehn Uhr morgens versammelte sich das gesamte Team erneut im Konferenzraum.
Vlad sah jeden aufmerksam an.
Auf seinem Gesicht erschien ein zufriedenes Lächeln.
– Gut gemacht.
Langsam ließ er den Blick über die Anwesenden schweifen.
– Jeder von Ihnen hat seine Aufgabe erfüllt. Alles wurde vorbereitet und fristgerecht erledigt.
Vlad nickte.
– Damit ist unsere morgendliche Sitzung beendet.
Er lächelte.
– Jetzt ziehen sich alle um.
– Wir gehen ans Meer, schwimmen und sonnen uns.
Im Raum wurde die Stimmung sofort heiterer.
– Bis zum Mittagessen haben wir frei.
Vlad sah auf die Uhr.
– Mittagessen ist genau um vierzehn Uhr.
– Danach beginnt die nächste Etappe unseres Projekts.
Das Meer empfing das Team mit einer leichten warmen Brise.
Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, und das klare Wasser schimmerte sanft in allen Azurtönen.
Der weiße Sand wärmte angenehm die Füße, während das Rauschen der Brandung ein Gefühl vollkommener Ruhe vermittelte.
Am Strand war fast niemand.
Einer nach dem anderen kamen die Teilnehmer des Projekts aus der Umkleide.
Die Männer waren fit, kräftig und sportlich.
Jahre des Dienstes, Disziplin und ständiges Training hatten ihre Spuren hinterlassen.
Deutlich ausgeprägte Muskeln, ein sicherer Gang und ruhige Selbstsicherheit in jeder Bewegung verrieten sofort Menschen, die an große Verantwortung und hohe Belastungen gewöhnt waren.
Doch besonders deutlich hatten sich die Frauen verändert.
Anna kam als Erste heraus.
Ein schlichter, aber eleganter Badeanzug betonte ihre schlanke Figur.
Ihre gebräunte, glatte Haut schien im Sonnenlicht zu leuchten.
In jeder ihrer Bewegungen lagen Ruhe, Würde und innere Stärke.
Danach erschien Lilith.
Selbst in menschlicher Gestalt sah sie außergewöhnlich schön aus.
Ihre perfekte Haltung, die langen Beine, die schmale Taille und ihre fließenden Bewegungen zogen unwillkürlich die Blicke auf sich.
Es wirkte, als sei sie dafür geboren worden, im Mittelpunkt zu stehen, obwohl sie selbst damit vollkommen gelassen umging.
Kassandra, Jeanne und Sonja sahen ebenfalls großartig aus, jede auf ihre eigene Weise.
Sie alle verbanden harmonische Figuren, gepflegte Haut und Selbstsicherheit.
Nichts Übertriebenes – nur natürliche Attraktivität und Harmonie.
Konstantin, Daniel und die anderen Männer wechselten unwillkürlich Blicke, doch keiner erlaubte sich auch nur eine überflüssige Bemerkung.
Vlad lächelte lediglich.
– Offenbar funktionieren die neuen Möglichkeiten des Organismus genau so, wie sie vorgesehen waren.
Alle sahen ihn fragend an.
– Die Verstärkung betrifft nicht nur Intelligenz, Gedächtnis und körperliche Fähigkeiten.
– Der Organismus jedes Einzelnen von Ihnen nähert sich allmählich seinem optimalen Zustand.
– Der Stoffwechsel verbessert sich, Gewebe regeneriert sich, das Immunsystem wird gestärkt und der Körper erreicht seine bestmögliche Form.
Anna betrachtete lächelnd ihre Hände.
– Das bedeutet, das ist erst der Anfang?
Vlad nickte.
– Genau. Ihr Organismus verändert sich noch weiter.
Nach diesen Worten verschwand die Anspannung endgültig.
Jemand lief als Erster zum Wasser.
Wenige Sekunden später sprang bereits das ganze Team lachend ins warme Meer und erlaubte sich zum ersten Mal seit langer Zeit, einfach nur auszuruhen.
Die strenge Disziplin verschwand sehr schnell.
Wie auf ein Kommando wurden alle wieder zu ganz gewöhnlichen jungen Menschen.
Sie lachten, rannten über den warmen Sand, jagten einander, sprangen mit Anlauf ins klare Wasser, veranstalteten spielerische Wettkämpfe und planschten fröhlich im Meer.
Es wirkte, als stünden vor Vlad nicht erfahrene Fachleute, jeder mit seinem eigenen schwierigen Schicksal, sondern sorglose Jugendliche, die zum ersten Mal Sommerferien machten.
Anna lief lachend vor Lilith davon, die versuchte, sie mit Wasser zu bespritzen.
Konstantin geriet unerwartet in einen spielerischen Schwimmwettkampf mit Daniel, und beide vergaßen Alter und Rang und versuchten ehrgeizig, als Erste die Bojen zu erreichen.
Kassandra, Jeanne und Sonja lachten so herzlich, dass ihr Lachen weit über das Meer zu hören war.
Vlad stand etwas abseits und beobachtete das Geschehen.
Auf seinem Gesicht erschien ein warmes Lächeln.
Genau so wollte er sie sehen.
Nicht als Soldaten.
Nicht als Agenten.
Nicht als Menschen, die ständig von ihrer Vergangenheit verfolgt wurden.
Sondern als lebendige Menschen, die sich über das Leben freuen, lachen und wenigstens für kurze Zeit alle Probleme vergessen konnten.
Und genau das gefiel ihm am meisten.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 7
DER ERSTE PATIENT
Nach dem Mittagessen gingen Vlad und Konstantin nach draußen.
Jeder zündete sich eine Zigarette an.
Das kam nur selten vor.
Sie erlaubten sich diese Gewohnheit nur dann, wenn sie innerlich ruhig waren und ihre Gedanken zum ersten Mal seit langer Zeit nicht von einem neuen Problem oder einer schwierigen Entscheidung beschäftigt wurden.
Einige Minuten lang betrachteten sie schweigend das Meer.
Plötzlich wurde die Stille vom durchdringenden Heulen der Sirenen zerrissen.
Mit hoher Geschwindigkeit fuhren zunächst zwei Krankenwagen vor dem Hotel vor, unmittelbar danach ein Intensivtransportwagen.
Die Rettungskräfte sprangen schnell heraus und liefen in Richtung der Wohnung des Hotelbesitzers.
Konstantin sah ihnen nach.
– Ist etwas passiert?
Vlad drückte ruhig seine Zigarette aus.
– Die Ärzte haben über die Frau des Hotelbesitzers bereits ihr Urteil gefällt.
Er machte eine kurze Pause.
– Nach ihrer Einschätzung hat sie höchstens noch einen Tag zu leben.
Konstantin sah Vlad schweigend an.
Dieser nickte.
– Annas Zeit ist gekommen.
Vlad blickte noch einmal in Richtung des Hauses.
– Wir warten, bis die Ärzte ihre Arbeit beendet haben und alle wieder abgefahren sind.
– Dann beginnt ihr erster wirklicher Patient.
Alle hatten die Sirenen der Krankenwagen gehört.
Wenige Minuten später kehrten Vlad und Konstantin in den Saal zurück.
Die Gespräche verstummten sofort.
Konstantin erzählte kurz, was geschehen war.
Im Raum herrschte Stille.
Vlad sah Lilith ruhig an.
Sie nickte schweigend.
– Geh zum Hotelbesitzer. Stell dich vor, drück dein Mitgefühl aus und sag ihm, dass mit unserer Gruppe eine der besten Intensivmedizinerinnen Europas Urlaub macht – Anna Kern.
Vlad hielt einen Augenblick inne.
– Wenn er einverstanden ist, bitte ihn um die Erlaubnis, dass Anna seine Frau untersucht.
– Sie haben ohnehin nichts mehr zu verlieren, und manchmal kann die unabhängige Meinung eines Arztes das Wichtigste sein.
Lilith erhob sich.
– Verstanden.
Sie ging zum Ausgang, während die anderen ihr schweigend nachblickten.
Jeder verstand, dass jetzt Annas erste wirkliche Prüfung begann.
Wenige Minuten später kehrte Lilith zurück.
Auf ihrem Gesicht lag ein leichtes Lächeln.
– Der Besitzer ist einverstanden. Er ist zu allem bereit, wenn es auch nur die geringste Chance gibt, seine Frau zu retten.
Anna erhob sich schweigend.
– Gehen wir.
Vlad hielt Anna etwas hin.
– Anna, nimm das. Du wirst es brauchen.
Lilith und Anna gingen zur Wohnung des Besitzers.
Der Besitzer empfing sie an der Tür und führte sie schweigend in das Zimmer.
Als er Anna gesehen hatte, ging er leise hinaus und ließ sie mit seiner Frau allein.
Die Frau lag bewusstlos da.
Anna ging ruhig zum Bett und untersuchte die Patientin aufmerksam.
Einige Sekunden sagte sie kein Wort.
Ihr Blick war konzentriert.
Dank der neuen Fähigkeiten ihres Organismus erkannte sie schnell die tatsächliche Ursache der Erkrankung und verstand, was getan werden musste.
Eine kleine Injektion.
Einige Sekunden vergingen.
Die Frau holte tief Luft.
Ihre Lider zuckten.
Langsam öffnete sie die Augen und sah verwirrt um sich, als wäre sie aus einem langen Schlaf erwacht.
Anna lächelte sanft.
– Alles ist gut.
Sie legte den Injektor beiseite.
– Ich habe Ihnen die notwendige Injektion gegeben.
– Ruhen Sie sich jetzt aus.
– Das Schlimmste liegt bereits hinter Ihnen.
Anna verließ das Zimmer.
Der Hotelbesitzer stand ihr sofort entgegen.
Sie lächelte ruhig.
– Bereiten Sie Ihrer Frau eine leichte Hühnerbrühe zu.
– Sehr bald wird sie selbst um etwas zu essen bitten.
Anna sah ihm in die Augen.
– Machen Sie sich keine Sorgen. Alles wird gut.
Dem Mann fehlten die Worte.
Anna nickte nur und kehrte gemeinsam mit Lilith in die Hotelhalle zurück.
Alle erhoben sich sofort von ihren Plätzen.
– Und? – fragte Konstantin.
Anna lächelte ruhig.
– Alles ist gut.
Vlad sah sie aufmerksam an.
Auf seinem Gesicht erschien ein kaum merkliches Lächeln.
– Der erste Patient.
Er machte eine kurze Pause.
– Der erste Patient ist für einen Arzt wie der erste Sex.
Durch die gesamte Halle ging gemeinsames Lachen.
Sogar der sonst stets unerschütterliche Konstantin lächelte, während Anna verlegen den Kopf schüttelte.
Vlad wartete, bis das Lachen verklungen war, und fügte dann ernst hinzu:
– Aber es stimmt.
– Man kann ihn nicht vergessen. Er bleibt ein Leben lang im Gedächtnis.
Anna nickte schweigend.
Sie verstand, dass genau dieser Tag für immer ein Teil ihres Lebens bleiben würde.
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Autor: Vlad Korn
KAPITEL 8
DAS MEDIZINISCHE ZENTRUM
Alle versammelten sich im Konferenzraum.
Es war genau achtzehn Uhr.
Vlad sah das Team an und blickte dann zu Anna.
Ruhig setzte er sich auf seinen Platz.
Anna erhob sich.
Einige Sekunden betrachtete sie die Mitglieder des Teams, dann begann sie selbstsicher:
– In dieser Woche müssen wir die folgenden Aufgaben erledigen.
Sie öffnete ihr Tablet.
– Erstens. Wir laden den Architekten hierher ein und legen das endgültige Konzept des zukünftigen medizinischen Komplexes fest.
– Zweitens. Wir laden den Geschäftsführer des Bauunternehmens ein und stimmen Termine, Arbeitsetappen und die erforderliche Zahl an Fachkräften ab.
– Darum kümmert sich Sonja.
Anna sah Konstantin an.
– Konstantin. Deine Aufgabe ist es, dieses Hotel in ein echtes Fort Knox zu verwandeln. Niemand darf unbemerkt hierher gelangen, und niemand darf Informationen über unsere Arbeit erhalten.
– Möglichst ohne unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.
Konstantin nickte kurz.
– Mache ich.
Anna sah Lilith an.
– Lilith. Bereite ein Zimmer für die Aufnahme der ersten Patienten vor. Es muss dem Niveau einer modernen Intensivstation entsprechen.
– Kassandra.
– Suche ein Grundstück in den Bergen Rumäniens. Möglichst in der Nähe eines stillgelegten Bergwerks. Wir werden es für ein neues Objekt brauchen.
Anna fuhr fort:
– Außerdem müssen wir einen Konstrukteur finden, der mit den neuen Technologien des Projekts arbeiten kann. Wir brauchen einen Menschen mit unkonventionellem Denken, der bereit ist, Dinge zu erschaffen, die es noch nicht gibt.
– Darum kümmert sich Sonja.
– Jeanne und Daniel übernehmen die vollständige Begleitung.
Sie schloss das Tablet.
– Das sind unsere wichtigsten Aufgaben für die nächsten Tage.
Im Saal herrschte geschäftige Stille.
Die Arbeit am medizinischen Komplex hatte offiziell begonnen.
Einige Tage später trafen der Architekt und der Leiter des Bauunternehmens im Hotel ein.
Im Konferenzraum versammelten sich nur die Mitglieder des Kleinen Rates: Vlad, Anna, Konstantin und Lilith.
Nach einer kurzen Vorstellung nahmen alle ihre Plätze ein.
Der Architekt legte sein Tablet auf den Tisch und schaltete den großen Bildschirm ein.
– Ich habe drei Varianten für den zukünftigen medizinischen Komplex vorbereitet.
Auf dem Bildschirm erschienen nacheinander drei völlig unterschiedliche Entwürfe.
Der erste zeichnete sich durch strenge moderne Architektur, klare Linien und hohe Funktionalität aus.
Der zweite erinnerte stärker an ein Forschungszentrum.
Der dritte verband klassische Architektur mit modernen technischen Lösungen.
Sobald der erste Entwurf auf dem Bildschirm erschien, erstarrten die Anwesenden förmlich.
Niemand bat darum, den nächsten zu zeigen.
Vlad, Anna, Konstantin und Lilith betrachteten schweigend die Bilder.
Der Architekt lächelte.
– Offenbar brauchen wir die anderen Entwürfe gar nicht erst zu öffnen.
Anna brach als Erste das Schweigen.
– Nicht nötig.
Sie sah Vlad an.
Vlad sagte:
– Ich sehe, Sie sind ein Fan der Serie „Stargate Atlantis“.
Der Architekt lächelte.
– Ich gebe zu, dafür habe ich eine Schwäche.
– Das ist gut. Ich habe sie auch gesehen.
Er betrachtete erneut das Bild des Komplexes.
– Nur werden wir nicht in den Emiraten und nicht in Atlantis bauen, sondern in der Eurozone.
Auf dem Gesicht des Architekten erschien Interesse.
– Und das Ganze … ungefähr zehnmal kleiner.
Anna schaltete sich ein.
– Wie viel möchten Sie für Ihren Entwurf?
Der Architekt antwortete ruhig:
– Ein Originalprojekt dieser Größenordnung würde ungefähr hundert Millionen kosten.
– Das, was Sie benötigen, würde etwa zwölf Millionen kosten.
Anna nickte.
Sie wandte sich an den Leiter des Bauunternehmens.
– Wie viel Zeit und Geld wird der Bau benötigen?
Er sah schnell seine Berechnungen durch.
– Ausgehend von der Gesamtfläche des Komplexes und dem Umfang der Arbeiten …
Er hob den Blick.
– Etwa drei Jahre und ungefähr dreihundert Millionen.
Anna sah auf ihr Tablet.
– TOD, hast du alles gehört?
Aus dem Lautsprecher erklang eine ruhige Stimme.
– Ja.
Anna nickte.
– Dann nenne auf Grundlage aller Informationen unser Angebot.
Stille trat ein.
– Ich benötige eine Minute, um die Berechnungen zu präzisieren.
Im Saal sagte niemand ein Wort.
Genau eine Minute später erklang TODs Stimme wieder ruhig und sicher.
– Berechnung abgeschlossen.
– Auf Grundlage aller erhaltenen Daten schlage ich folgende Bedingungen für die Zusammenarbeit vor.
TOD machte eine kurze Pause.
– Dem Herrn Architekten bieten wir fünfzig Millionen für die Entwicklung des Projekts unter der Bedingung, dass er anschließend noch fünf vergleichbare Projekte als verantwortlicher Architekt begleitet.
Der Architekt hob überrascht den Kopf.
TOD fuhr fort:
– Dem Leiter des Bauunternehmens bieten wir fünfhundert Millionen für den Bau jedes Objekts.
– Verbindliche Bedingung ist der Beginn der Bauarbeiten zwei Wochen nach Vertragsunterzeichnung.
Im Konferenzraum herrschte völlige Stille.
Sowohl der Architekt als auch der Leiter des Bauunternehmens sahen schweigend auf das Tablet, aus dem die Stimme der künstlichen Intelligenz kam.
Anna sah die beiden ruhig an.
– Wir werden nicht lange streiten und keine Zeit mit Verhandlungen verlieren.
Sie machte eine kurze Pause.
– Wenn Sie bereit sind, eine vorläufige Absichtserklärung zu unterzeichnen, können wir das sofort erledigen.
– Der Hauptvertrag wird vorbereitet und bereits morgen Abend fertig sein.
Im Saal wurde es erneut still.
Doch die Gäste konnten ihre Emotionen nicht mehr verbergen.
Sie verstanden, dass sie ein Angebot erhalten hatten, von dem viele nur träumen konnten.
Ihre Zustimmung war offensichtlich.
Die Dokumente wurden vorbereitet, beide Seiten prüften noch einmal alles und unterzeichneten die vorläufige Vereinbarung.
Als die letzte Unterschrift gesetzt war, verschwand die Anspannung im Raum.
Anna lächelte.
– Und jetzt …
Sie sah alle Anwesenden an.
– Bankett.
Alle lächelten überrascht.
Die Tische waren bereits gedeckt.
Am nächsten Morgen.
Die Gäste waren bereits abgereist.
Pünktlich um zehn Uhr versammelte sich der Kleine Rat wieder im Konferenzraum.
Vlad erhob sich von seinem Platz.
– Zunächst möchte ich den Quarkgenerator an Konstantin übergeben.
Er legte das Gerät auf den Tisch.
– Von diesem Moment an ist er für seine sichere Aufbewahrung verantwortlich.
Konstantin nahm das Gerät und betrachtete es aufmerksam.
Vlad fuhr fort:
– Benutzen darf den Generator jedoch ausschließlich Lilith.
– Zurzeit kann TOD nur zwei Sequenzen bilden.
– Die erste ist eine hölzerne Europalette.
– Die zweite ist eine Milliarde Dollar in Bankverpackungen.
Vlad sah auf das Tablet, auf dem TOD arbeitete.
– Für die Erstellung neuer Sequenzen benötigt er Zeit.
– Er ist noch sehr jung.
– Er ist erst wenige Tage alt und lernt ständig.
– Ich bin sicher, dass er schon bald selbstständig Objekte analysieren und neue Quarksequenzen bilden kann.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Bis dahin darf der Generator nur nach Annas endgültiger Entscheidung eingesetzt werden.
– Und nur nachdem TOD bestätigt hat, dass die ausgewählte Sequenz sicher und einsatzbereit ist.
Im Saal herrschte Stille.
Jeder verstand, dass es um die wertvollste Technologie des Projekts ging und Fehler deshalb nicht zulässig waren.
Anna öffnete auf ihrem Tablet die Aufgabenliste.
– Daniel, berichte über den heutigen Finanzstatus des Projekts.
Daniel zeigte mehrere Diagramme auf dem Bildschirm und antwortete ruhig:
– Derzeit befinden sich zwei Milliarden auf den Konten des Projekts.
Er machte eine kurze Pause.
– Allerdings besteht momentan noch keine Möglichkeit, sämtliche vorhandenen Mittel vollständig zu legalisieren.
– Dafür benötigen wir eine zusätzliche Finanzstruktur und Zeit.
Anna hörte den Bericht aufmerksam an.
– Gut.
– Dieses Problem werden wir lösen.
Sie schloss das Tablet.
– Beginnen Sie vorerst mit der vollständigen Finanzierung des Projekts.
– Alle genehmigten Arbeiten müssen ohne Verzögerung ausgeführt werden.
Daniel nickte kurz.
– Verstanden.
– Ich starte die Finanzierung sofort.
Vlad erhob sich.
– Damit kommen wir zu einer der wichtigsten Fragen unseres Projekts.
Er machte eine kurze Pause.
– Zur langfristigen Finanzierung des medizinischen Zentrums und aller zukünftigen Projekte.
Alle hörten aufmerksam zu.
– Das System wird folgendermaßen aufgebaut.
Vlad deutete auf TODs Tablet.
– TOD wird zwei Listen erstellen.
– Die erste ist kostenlos. Darin werden die reichsten Menschen der Welt aufgeführt, die ernsthafte gesundheitliche Probleme haben.
Vlad sah Lilith an.
– Lilith wird Kontakt zu ihnen aufnehmen und ihnen ein Angebot machen.
– Wir bieten einem Menschen weitere fünf Jahre eines vollwertigen, gesunden Lebens.
– Die Behandlung kostet zehn Prozent seines Vermögens.
Im Saal war es still.
– Wenn jemand ablehnt, überreden wir niemanden und üben keinen Druck aus.
– Wir gehen einfach zum nächsten Menschen auf der Liste.
Vlad fuhr fort:
– Sämtliche Mittel überweisen die Klienten ausschließlich als wohltätige Spenden an den Fonds des Projekts.
– Dieses Geld wird für die kostenlose Behandlung von Menschen, den Bau medizinischer Komplexe, wissenschaftliche Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente verwendet.
Ruhig fasste er zusammen:
– Auf diese Weise werden diejenigen, die über enorme Möglichkeiten verfügen, jenen helfen, die ohne eine solche Unterstützung niemals eine Chance auf Leben erhalten könnten.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 9
BEGINN DER BAUARBEITEN
Die Karpaten empfingen das Team mit kühler Morgenluft und dem Duft von Nadelbäumen.
Der Tag hatte gerade begonnen. Die Sonne war erst über den Gipfeln aufgegangen und beleuchtete sanft die riesige Baustelle.
Das gesamte Team stand auf einem kleinen Hügel, von dem aus man auf den zukünftigen medizinischen Komplex blickte.
Vor ihnen erstreckte sich ein riesiges gerodetes Gelände. Die schweren Maschinen hatten die wichtigsten Vorbereitungsarbeiten bereits abgeschlossen: Die Bäume waren sorgfältig entfernt, der Boden eingeebnet und die Grenzen der zukünftigen Baustelle mit Vermessungsmarkierungen gekennzeichnet.
Rechts lag ruhig ein klarer Bergsee. Seine Oberfläche war so glatt, dass sich der blaue Himmel und die leichten Wolken darin wie in einem riesigen Spiegel widerspiegelten.
Links begann der dichte Karpatenwald.
Hohe Fichten und Buchen bildeten eine grüne Wand, erfüllt von Frische und Harzduft.
Im Hintergrund erhob sich ein kleiner grüner Berg, bedeckt mit Gras und jungen Bäumen. Er wirkte, als würde er diesen Ort vor dem Rest der Welt schützen.
Einige Minuten sagte niemand ein Wort.
Jeder verstand, dass vor ihnen nicht einfach nur eine Baustelle lag.
Genau hier sollte der erste medizinische Komplex des Projekts „Die Heilerin“ entstehen – der Ort, an dem eine neue Epoche der Medizin beginnen und der erste Schritt zu den großen Zielen gemacht werden sollte, die sich das Team gesetzt hatte.
Anna und Vlad gingen zum Architekten und zum Leiter des Bauunternehmens.
– Nun, womit beginnen wir? – fragte sie.
Der Bauleiter breitete die geologischen Pläne des Geländes aus.
– Es gibt eine Besonderheit des Untergrunds.
Er zeigte auf den Querschnitt des Bodens.
– In ungefähr drei Metern Tiefe beginnt eine sehr dichte Granitschicht.
Anna betrachtete den Plan aufmerksam.
– Und was bedeutet das für den Bau?
– Nach Ihrem Entwurf müssen wir ungefähr zehn Meter tief in das Granitmassiv vordringen, um alle unterirdischen Stockwerke des Komplexes unterzubringen.
Er machte eine kurze Pause.
– Das erhöht den Arbeitsumfang erheblich.
– Wir benötigen zusätzliche Maschinen, Diamantbohrungen sowie Spreng- und Fräsarbeiten im Granit.
Anna lächelte.
– Das meinte TOD also, als er die Baukosten des Projekts berechnete.
Sie sah Daniel an.
– Daniel, können wir den gewonnenen Granit verwenden?
Er antwortete ohne zu zögern:
– Natürlich.
– Mehr noch: Dadurch können wir die Kosten erheblich senken.
Anna nickte zufrieden.
– Ausgezeichnet.
Dann sah sie Lilith an und sagte mit einem leichten Lächeln:
– Lilith, offenbar wird sich unser Landschaftsarchitekt ordentlich anstrengen müssen.
– Eine solche Menge Naturstein muss schön in die Umgebung integriert werden.
Lilith lächelte.
– Dafür wird das Ergebnis aussehen, als wäre der Komplex schon immer ein Teil dieser Berge gewesen.
Das Fest war in vollem Gange.
Musik spielte, die Bauarbeiter lachten, die Köche kamen kaum damit nach, neue Speisen zu bringen, und über den Grills stieg der aromatische Rauch des Schaschliks auf.
Konstantin sah sich um.
Seltsam.
Vlad war nirgends zu sehen.
Unauffällig entfernte er sich vom Fest und ging zum See.
Am Ufer empfing ihn Stille.
Einige Dutzend Meter entfernt stand Vlad. In den Händen hielt er eine gewöhnliche Angel und beobachtete aufmerksam den Schwimmer.
Konstantin lächelte.
– Und, beißt etwas?
Vlad wandte den Blick nicht vom Wasser ab und schmunzelte.
– Bisher nur die Mücken.
Konstantin trat näher.
Einige Sekunden schwiegen beide und blickten auf die glatte Oberfläche des Sees.
– Wie läuft es mit Anna?
Konstantin sah ihn überrascht an.
– Wir arbeiten zusammen.
Vlad schüttelte den Kopf.
– Das meine ich nicht.
Er wandte sich Konstantin zu.
– Weiß sie, dass du sie liebst?
Konstantin senkte den Blick.
– Ich denke, sie ahnt es.
– Aber ich habe es ihr nie gesagt.
Vlad sah wieder auf den Schwimmer.
– Schade.
– Manchmal sind Menschen so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, dass sie aufhören, offensichtliche Dinge zu bemerken.
– Solange du schweigst, kann sie glauben, dass für dich nur die Arbeit existiert.
Konstantin seufzte schwer.
– Und wenn ich alles kaputtmache?
Vlad lächelte.
– Weißt du …
– Es gibt Gespräche, nach denen Menschen zu Feinden werden.
– Es gibt Gespräche, nach denen sie Freunde werden.
– Und es gibt Gespräche, die man eines Tages einfach beginnen muss.
Er machte eine lange Pause.
– Schweigen hat noch niemanden glücklich gemacht.
Konstantin nickte schweigend.
– Sprich mit ihr.
– Nicht heute.
– Nicht morgen.
– Aber sprich mit ihr.
– Selbst wenn du eine Absage hörst, wirst du wenigstens nicht mehr mit der Frage leben: Was wäre gewesen, wenn ich es gesagt hätte?
Konstantin lächelte.
– Danke.
Vlad schmunzelte.
– Bedank dich nicht.
– Bring mir lieber Glück.
Er zeigte auf den Schwimmer.
– Denn in der ganzen Zeit sind die Mücken die einzigen Lebewesen, die sich für mich interessiert haben.
Beide lachten, und die Stille des Karpaten-Sees wurde wieder so ruhig wie zuvor.
– Konstantin.
– Wenn wir das medizinische Zentrum gebaut haben …
Er lächelte leicht.
– Dann bringst du mir das Angeln bei.
Konstantin sah ihn überrascht an.
– Ich?
– Du angelst doch selbst.
Vlad lachte leise.
– Nein.
– Ich tue nur so.
Konstantin lächelte.
– Abgemacht.
– Es ist Zeit, zu den anderen zurückzugehen, – sagte Vlad.
Drei Monate vergingen.
Die Karpaten veränderten sich allmählich.
Als das gesamte Team erneut auf den Hügel stieg, auf dem noch vor Kurzem nur eine eingeebnete Fläche gewesen war, bot sich ihnen ein völlig anderes Bild.
Die erste Bauphase war abgeschlossen.
Der gesamte Nullzyklus war beendet.
Alle unterirdischen Stockwerke waren gebaut und in monolithischem Stahlbeton ausgeführt.
Die riesigen unterirdischen Räume waren bereits durch lange technische Korridore miteinander verbunden, in denen bald technische Anlagen, Lager, Labore und geschützte Ebenen des Komplexes untergebracht werden sollten.
Über der Erde war der Umriss des zukünftigen medizinischen Zentrums bereits deutlich zu erkennen.
Die sechs riesigen Blütenblätter zeichneten sich schon durch ihre Betonfundamente und Tragkonstruktionen ab.
Im Zentrum erhob sich das massive Fundament des zukünftigen zwölfstöckigen Bauwerks.
Überall arbeiteten Dutzende Kräne, Bagger, Betonmischer und Lastfahrzeuge.
Hunderte Bauarbeiter erledigten gleichzeitig ihre Aufgaben.
Trotz des gewaltigen Umfangs der Arbeiten herrschte auf der Baustelle perfekte Ordnung.
Jeder kannte seinen Platz und seine Aufgabe.
Anna schwieg lange und betrachtete die Baustelle.
Dann sagte sie leise:
– Vor drei Monaten gab es hier nur Wald, einen See und eine leere Fläche.
Sie lächelte.
– Und heute kann man die Zukunft bereits sehen.
Vlad schwieg.
– Das Schwierigste liegt noch vor uns.
Doch nun sahen sie alle dasselbe:
Der Traum verwandelte sich allmählich in Wirklichkeit.
Am Abend war das Fest beendet.
Die letzten Gäste waren abgereist, die Musik verstummt und die Baustelle kehrte zu ihrer gewohnten Arbeitsruhe zurück.
Das gesamte Team kehrte ins Hotel zurück.
Es war ein langer und ereignisreicher Tag gewesen.
Jeder spürte eine angenehme Müdigkeit, aber noch stärker die Zufriedenheit über das Gesehene.
In drei Monaten hatte das Projekt einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht.
In der Hotelhalle blieb Vlad stehen und sah alle an.
– Heute war ein guter Tag.
Anna lächelte.
– Ein sehr guter.
Alle verstanden, dass der Bau an Tempo gewann und deshalb noch mehr Arbeit vor ihnen lag.
– Ich schlage vor, dass wir uns gut erholen.
Er sah das Team an und fügte hinzu:
– Vor uns liegen zwei freie Tage.
– Verbringen Sie sie so, wie Sie möchten.
– Und am Montag beginnt eine neue Woche.
– Und eine neue Etappe unseres Projekts.
Draußen hüllte die Nacht der Karpaten langsam die Berge ein.
In der Ferne leuchteten über der Baustelle weiterhin die Nachtlichter, als würden sie daran erinnern, dass der Traum bereits Wirklichkeit geworden war und nun nicht mehr aufzuhalten war.
Der Montag kam.
Pünktlich um zehn Uhr morgens versammelte sich der Kleine Rat erneut im Konferenzraum des Hotels.
Zu der Besprechung waren außerdem der Architekt und der Leiter des Bauunternehmens eingeladen.
Anna eröffnete die Sitzung.
– Guten Morgen, Kollegen.
Sie sah die Anwesenden an.
– Der Bau des medizinischen Komplexes verläuft planmäßig, deshalb beginnen wir mit der Vorbereitung der nächsten Etappe.
Anna wandte sich an den Architekten.
– Sie müssen mit der Planung des Wissenschaftszentrums beginnen.
– Es soll zum modernsten Forschungskomplex Europas werden und Möglichkeiten zur Erweiterung bieten.
Der Architekt machte eine Notiz auf seinem Tablet.
– Ich beginne heute.
Dann sah Anna den Leiter des Bauunternehmens an.
– Bereiten Sie sämtliche schweren Maschinen für die Verlegung zum neuen Standort vor.
– Sobald das Projekt des Wissenschaftszentrums genehmigt ist, müssen die Bauarbeiten ohne Verzögerung beginnen.
Der Leiter antwortete sicher:
– Die Maschinen werden zum festgelegten Termin vollständig bereit sein.
Anna nickte und sah Sonja an.
– Wir müssen mit der Suche nach Kandidaten für zwei Schlüsselpositionen beginnen.
Anna machte eine kurze Pause.
– Die erste Position ist der Chefarzt, der künftig den medizinischen Komplex leiten wird.
– Die zweite ist der Leiter des Wissenschaftszentrums, der die Arbeit des Forschungsbereichs des Projekts organisieren kann.
– Heute beginnen wir mit der Suche nach Kandidaten in ganz Europa.
Anna schloss ihr Tablet.
– Jetzt entwickelt sich unser Projekt gleichzeitig in mehreren Richtungen.
– Und von jedem von Ihnen hängt ab, wie schnell wir unserem nächsten Ziel näherkommen.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 10
DRINGENDER PATIENT
Eine weitere Woche verging.
In mehreren Ländern Europas lief die Arbeit auf Hochtouren.
Jedes Teammitglied arbeitete in seinem Bereich. Der Bau des medizinischen Komplexes ging ohne Unterbrechung weiter, das Wissenschaftszentrum wurde geplant, die Personalabteilung führte Dutzende Vorstellungsgespräche und Daniel kümmerte sich um die finanziellen Fragen.
Wie üblich sollten sich alle in Italien treffen.
Treffpunkt war wieder das kleine Hotel an der Mittelmeerküste, in dem der Kleine Rat wohnte.
Die Besprechung war für 16:00 Uhr angesetzt.
Ein Auto nach dem anderen fuhr vor dem Hotel vor.
Anna und Vlad waren bereits dort.
Als Erster traf Konstantin ein.
Danach kamen Daniel, Kassandra und Jeanne.
Fast alle waren versammelt.
Nur eine Person fehlte.
Sonja war noch unterwegs.
Heute hatte sie eine besondere Aufgabe.
Sie sollte die Kandidatenunterlagen mitbringen, die die Personalabteilung für zwei Schlüsselpositionen des Projekts ausgewählt hatte:
den Chefarzt des medizinischen Komplexes
und den Leiter des Wissenschaftszentrums.
Genau diese Kandidaturen sollte der Kleine Rat auf der heutigen Sitzung prüfen.
Vlad sah auf die Uhr.
– Bis zum Beginn ist noch Zeit.
– Wir warten auf Sonja.
Noch ahnte niemand, dass ihre Pläne nur wenige Minuten später durch ein Ereignis durchkreuzt würden, das den Beginn einer neuen Geschichte markieren sollte – der Geschichte eines dringenden Patienten.
Und damit lag noch mehr Arbeit vor ihnen.
Sonjas Flugzeug hatte fast eine halbe Stunde Verspätung.
Zum Glück blieb bis zum Beginn der Besprechung noch genügend Zeit.
Nach der Landung holte sie schnell ihr Gepäck und ging zum Mietwagenschalter.
Der Mitarbeiter lächelte.
– Welches Fahrzeug wünschen Sie?
Sonja antwortete ohne zu zögern:
– Volvo.
Für sie war die Wahl selbstverständlich.
Motorleistung, Luxus oder Prestige standen für sie nie an erster Stelle.
Das Wichtigste war die Sicherheit.
Deshalb wählte sie immer Fahrzeuge dieser Marke.
Nachdem sie die Schlüssel erhalten hatte, kontrollierte Sonja das Auto sorgfältig, prüfte die Unterlagen, stellte das Navigationssystem ein und verließ erst dann das Flughafengelände.
Bis zum Hotel war es ungefähr eine Stunde Fahrt.
Sie hatte es nicht eilig.
Im Straßenverkehr hielt sich Sonja immer an die Regeln.
Lieber einige Minuten später ankommen, als das eigene Leben oder das anderer Menschen zu riskieren.
In der Ferne schimmerte das Mittelmeer, während sich die Straße sanft zwischen kleinen italienischen Städten hindurchwand.
Auf dem Beifahrersitz lagen die Akten der Kandidaten, die sie dem Kleinen Rat vorstellen sollte.
Sonja wusste noch nicht, dass gerade diese Fahrt die Pläne des gesamten Teams verändern würde.
Auf der Hotelterrasse herrschte eine ruhige Atmosphäre.
Bis zum Beginn der Sitzung waren es noch knapp drei Stunden.
Vlad und Konstantin standen, wie so oft in seltenen ruhigen Momenten, etwas abseits, rauchten und blickten aufs Meer.
Am Nachbartisch unterhielten sich Anna und Lilith lebhaft und lachten gelegentlich.
Daniel ließ sich wie gewöhnlich keine Gelegenheit entgehen, mit Jeanne zu flirten, was ihr ein leichtes Lächeln entlockte.
Kassandra brachte inzwischen allen frisch gebrühten Kaffee.
Es schien ein ganz gewöhnlicher Tag zu werden.
Plötzlich …
Auf allen Tablets leuchteten gleichzeitig die Bildschirme auf.
Sie färbten sich leuchtend rot.
Ein scharfes, durchdringendes Alarmsignal ertönte, das noch niemand von ihnen zuvor gehört hatte.
Das Piepen hielt mehrere Sekunden an.
Auf dem Bildschirm erschien in großen weißen Buchstaben:
ACHTUNG. DRINGENDER PATIENT.
Die Gespräche verstummten augenblicklich.
Alle blickten gleichzeitig auf ihre Tablets.
Seit Bestehen des Projekts war ein solches Signal noch nie eingegangen.
Vlad stand ruhig und schweigend da.
Alle spürten die Anspannung.
Jeder verstand: Etwas Außergewöhnliches war geschehen.
Die erste Meldung erschien nur auf den Tablets von Anna und Lilith.
Der Bildschirm blinkte rot.
DRINGEND.
Reanimationszimmer vorbereiten.
Patientin: Sonja Art.
Anna erstarrte nur für den Bruchteil einer Sekunde.
– Sonja.
Lilith sprang bereits aus ihrem Sessel.
– Das ist Sonja!
Ohne ein weiteres Wort rannten beide zum Reanimationszimmer.
Wenige Sekunden später erhielten auch die übrigen Teammitglieder neue Anweisungen.
Konstantins Tablet gab ein kurzes Signal aus.
Konstantin.
Sofort den Bereitschafts-Intensivtransportwagen anhand der Geolokalisierung zur Unfallstelle schicken.
Zwei Sicherheitsmitarbeiter mitnehmen und persönlich ausrücken.
Die Patientin ins Hotel bringen.
Die Unfallverursacher festhalten und der Polizei übergeben.
– Wird ausgeführt, – sagte Konstantin und erteilte bereits im Gehen dem Sicherheitsdienst Befehle.
Die nächste Nachricht erhielt Daniel.
Vollständige Versicherungsunterlagen und Finanzdokumente vorbereiten.
Er öffnete sofort sein Tablet und begann zu arbeiten.
Jeanne erhielt ihre Anweisung.
Dringend Klageschriften und sämtliche juristischen Unterlagen zum Unfall vorbereiten.
– Verstanden, – sagte sie ruhig und nahm bereits Kontakt zu ihren Juristen auf.
Innerhalb weniger Sekunden begann das gesamte Team mit seinen Aufgaben.
Keine Panik.
Nur klare und eingespielte Handlungen.
Lediglich Kassandra blieb einen Augenblick bei Vlad.
Sie sah ihn an und fragte leise:
– Vlad.
– Und was machen wir?
Vlad blickte einige Sekunden schweigend auf den Bildschirm seines Tablets.
Dann antwortete er ruhig:
– Das Schwierigste.
Er seufzte schwer.
Er hob den Blick zur Straße.
– Der Intensivtransportwagen mit Sonja wird ungefähr in zwanzig Minuten hier sein.
Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu:
– Manchmal erscheinen zwanzig Minuten länger als ein ganzes Leben.
Auf der Terrasse wurde es wieder still.
Jetzt verstand jeder, dass die erste wirkliche Prüfung für das gesamte Team begonnen hatte.
Wenige Minuten später traf die Kolonne an der Unfallstelle ein.
Das Bild war schwer.
Drei Fahrzeuge waren in den Zusammenstoß verwickelt.
Daneben standen zwei teure Sport-Supersportwagen. Ihre Frontpartien waren nach dem heftigen Aufprall vollständig zerstört.
Konstantin erfasste die Lage schnell.
– An die Arbeit!
Der Sicherheitsdienst begann sofort zu handeln.
Sonja wurde vorsichtig aus dem deformierten Fahrzeug befreit und auf eine Trage gelegt.
Die Ärzte des Intensivteams schoben die Trage gemeinsam mit den Rettungskräften sofort in den Intensivtransportwagen.
Im Fahrzeug wurde die medizinische Ausrüstung angeschlossen:
Herzmonitor.
Beatmungsgerät.
Infusionssysteme.
Jede Sekunde zählte.
Währenddessen ging Konstantin mit zwei Sicherheitsmitarbeitern zu den Sportwagen.
Beide Fahrer wurden herausgeholt.
Sie konnten sich kaum auf den Beinen halten.
Sie versuchten etwas zu rufen, doch ihre Sprache war undeutlich und zusammenhanglos.
Konstantin sah jedem aufmerksam in die Augen.
Die Pupillen waren erweitert.
Ihre Bewegungen waren unkoordiniert.
Er verstand sofort: Sie standen unter Drogen.
Die Sicherheitsmitarbeiter legten beiden Kunststofffesseln an, banden ihnen die Hände auf dem Rücken zusammen und setzten sie unter Bewachung nebeneinander.
In diesem Moment gab Konstantins Tablet erneut ein Signal aus.
Zusätzliche Anweisung.
Blutproben von beiden Fahrern entnehmen.
Zusammen mit dem Intensivtransportwagen zur dringenden Laboranalyse übergeben.
– Ausführen, – befahl Konstantin dem Arzt kurz.
Der Mediziner nahm schnell Blut ab, beschriftete die Röhrchen und übergab sie dem Intensivteam.
Konstantin ging zum Rettungsfahrzeug.
– Sofort zum Hotel.
– Anna ist bereits bereit.
Der Fahrer nickte nur.
Der Intensivtransportwagen schaltete Blaulicht und Sirene ein und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Hotel.
Konstantin sah die gefesselten Fahrer und anschließend die zerstörten Fahrzeuge an.
– Jungs, alles aus dem Volvo kommt in unser Fahrzeug, bis die Polizei da ist.
Die Männer brachten alles, was sich bergen ließ, schnell in den Kofferraum des Dienstwagens.
– Jetzt warten wir auf die Polizei.
Als Nächstes mussten die Umstände des Unfalls geklärt werden.
Keine Minute später erhielten die Tablets des gesamten Teams ein neues Datenpaket.
Auf dem Bildschirm erschienen Aufnahmen von Verkehrskameras, Fotos der Unfallstelle, Geodaten, technische Informationen zu den Fahrzeugen und vollständige Angaben zu allen Beteiligten.
TOD hatte bereits alle verfügbaren Informationen gesammelt und verarbeitet.
Wenige Minuten später trafen Polizeifahrzeuge am Unfallort ein.
Der leitende Beamte ging zu Konstantin.
– Wer hat hier die Leitung?
– Konstantin, – stellte er sich kurz vor und zeigte seinen Ausweis.
Ohne Zeit zu verlieren, übermittelte Konstantin das gesamte Materialpaket an das geschützte Tablet der Polizei:
Videoaufnahmen der Überwachungskameras.
Koordinaten des Unfallorts.
Fotos.
Vorläufige Fahrzeugdaten.
Ergebnisse der Besichtigung des Unfallorts.
Angaben zu den festgehaltenen Fahrern.
Der Polizist öffnete die ersten Dateien und sah Konstantin überrascht an.
– Dafür hätten wir mehrere Stunden gebraucht.
Konstantin antwortete ruhig:
– Im Moment ist jede Minute wichtiger als jede Erklärung.
Er zog eine Visitenkarte heraus und gab sie dem Beamten.
– Wenn Sie zusätzliche Unterlagen oder Aussagen benötigen, kontaktieren Sie mich.
Der Polizist nickte.
– Auf jeden Fall.
Konstantin sah noch einmal in die Richtung, in der der Intensivtransportwagen verschwunden war.
Dann stieg er in das Fahrzeug des Sicherheitsdienstes.
Der Wagen setzte sich ruhig in Bewegung und fuhr zum Hotel, wo Anna bereits darum kämpfte, Sonjas Leben zu retten.
Vlad sah das Team an.
Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.
– Alle bereitmachen.
– Unsere Aufgabe ist es, Sonja von den Ärzten zu übernehmen und sie so schnell wie möglich in das Reanimationszimmer zu bringen.
Alle nahmen schweigend ihre Positionen ein.
Zwei Minuten später ertönte vor dem Hoteleingang eine Sirene.
Der Intensivtransportwagen hielt abrupt vor dem Haupteingang.
Die Türen flogen auf.
Die Ärzte rollten Sonja schnell auf der Trage heraus.
Vlad und Kassandra gingen sofort zu den Medizinern.
Ohne eine Sekunde zu verlieren, übernahmen sie die Trage und schoben sie schnell durch den Korridor zum Reanimationszimmer.
An der Tür wartete bereits Lilith.
Sie sah Vlad an.
– Ab hier übernehme ich.
Vlad nickte schweigend.
Anna wartete bereits am Behandlungstisch.
Im Korridor herrschte angespannte Stille.
Jetzt hing alles von Anna und Lilith ab.
Lilith schob die Trage schnell an den Reanimationstisch.
Fast ohne sichtbare Anstrengung hob sie Sonja vorsichtig auf die Arme, als würde sie nichts wiegen.
Nachdem sie sie behutsam auf den Tisch gelegt hatte, trat Lilith zur Seite.
Anna sah sie mit einem leichten Lächeln an.
– Lilith … Manchmal vergisst du dich, Freundin. Wer bin ich?
Lilith schmunzelte.
– Kommt vor …
Anna atmete tief ein und streckte die Hände über Sonjas Körper.
Im nächsten Augenblick entstand zwischen ihren Handflächen ein halbtransparentes dreidimensionales Hologramm von Sonjas Körper.
Es drehte sich in der Luft und zeigte alle inneren Verletzungen.
Lilith sah Anna überrascht an.
– Kannst du das jetzt auch?
Anna ließ den Blick auf dem Hologramm und antwortete leise:
– Nein. Früher konnte ich das nicht.
In diesem Moment erklang TODs ruhige Stimme im Raum.
Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu:
– Aber ich zeichne alles auf.
– Das ist sehr interessant.
Anna untersuchte die Darstellung aufmerksam.
– Koma …
– Mehrere Hämatome.
– Unvollständige Fraktur der linken Speiche.
Sie hob die Hände etwas höher.
– Zuerst beseitigen wir die Hämatome.
Auf dem Hologramm flammte helles grünes Licht auf.
Langsam breitete es sich über die virtuelle Darstellung aus, und anschließend umhüllte dasselbe grüne Leuchten Sonjas wirklichen Körper.
Ein Hämatom nach dem anderen begann zu verschwinden.
Die Blutungen bildeten sich direkt vor ihren Augen zurück.
Ohne die Behandlung zu unterbrechen, sagte Anna:
– Lilith.
– Zieh ihr die gesamte Kleidung aus.
– Reinige ihren Körper mit der speziellen Lösung.
– Blut und Schmutz müssen vollständig entfernt werden.
– Kurz gesagt, bring sie in Ordnung.
– Ich kümmere mich währenddessen um den Arm.
– Gut.
In einem Augenblick entfernte Lilith Sonjas beschädigte Kleidung und begann, ihren Körper vorsichtig mit der speziellen Lösung zu reinigen, ohne ihr die geringsten Schmerzen zuzufügen.
Währenddessen richtete Anna den Knochen vorsichtig aus und legte eine medizinische Schiene an.
Nachdem sie das Ergebnis überprüft hatte, nickte sie zufrieden.
– Ausgezeichnet …
Sie sah Lilith wieder an.
– Nun …
– Holen wir sie aus dem Koma.
Anna hob erneut die Hände über Sonja.
Das grüne Leuchten wurde deutlich heller.
Sanft umhüllte es den gesamten Körper der jungen Frau.
Nur wenige Sekunden vergingen.
Sonja holte plötzlich tief Luft.
Ihre Finger zuckten leicht.
Dann öffnete sie langsam die Augen.
Verwirrt blickte sie zur Decke.
Anna beugte sich sofort zu ihr und lächelte ruhig.
– Alles ist gut.
– Du bist in Sicherheit.
– Du bist im Hotel.
Sonja sah langsam zu Anna und versuchte zu begreifen, was geschehen war.
Anna sah Lilith an.
– Lilith, hilfst du ihr beim Duschen?
Lilith nickte.
– Natürlich.
Anna öffnete den Schrank.
– Hier sind eure Sachen.
Sie lächelte Sonja an.
– Zieht euch um, kommt ein wenig zu euch und kommt dann auf die Terrasse.
Bis zum Beginn der Besprechung war noch etwa eine halbe Stunde.
Sonja lächelte schwach.
– Gut.
Anna sah sie noch einmal aufmerksam an.
– Ruh dich aus. Das Schlimmste liegt hinter dir.
Sie lächelte Lilith zu und verließ das Reanimationszimmer.
Die Tür schloss sich leise.
Wenige Sekunden später trat Anna auf die Terrasse, wo das gesamte Team bereits wartete.
Alle sahen sie sofort an.
Anna lächelte ruhig.
– Alles ist gut gegangen.
Sie sah auf die Uhr.
Die Anspannung, die alle in der letzten halben Stunde festgehalten hatte, begann endlich nachzulassen.
Anna sah die Anwesenden an.
– Gut, dass Sonja außer Gefahr ist …
Sie schloss das Tablet.
– Wir haben noch Fragen, die wir heute besprechen müssen.
Auf der Terrasse kehrte wieder Arbeitsatmosphäre ein.
Jeder verstand, dass das Team seine erste ernsthafte Prüfung bereits bestanden hatte.
Zwanzig Minuten später kamen Sonja und Lilith auf die Terrasse.
Sonja hatte sich bereits umgezogen, wirkte etwas müde, fühlte sich aber deutlich besser.
Das gesamte Team begrüßte sie mit warmen Lächeln.
Anna erhob sich.
– Da jetzt alle da sind, schlage ich vor, zuerst die wichtigsten Fragen zu besprechen.
Sie machte eine kurze Pause.
– Zum Unfall kommen wir später zurück.
Alle nickten schweigend.
Anna öffnete ihr Tablet.
– Erster Punkt.
– Wir müssen eine Entscheidung über die Kandidaten für die Position des Chefarztes des medizinischen Komplexes und des Leiters des Wissenschaftszentrums treffen.
Sie sah Sonja an.
– Sonja, fang an.
Sonja öffnete die Akte.
– Nach einer Woche Suche ist uns nur ein Kandidat geblieben.
– François Leclerc.
Sie zeigte sein Dossier auf dem Bildschirm.
– Von Beruf Arzt.
– Hauptfachgebiete: Innere Medizin und Diagnostik.
– Er besitzt seit seiner Kindheit außergewöhnliche Fähigkeiten bei der Diagnosestellung.
Sie blätterte weiter.
– Genau deshalb blieb er nirgendwo lange.
– Sein Wissen und seine Herangehensweise waren den Möglichkeiten und Vorstellungen der Klinikleitungen häufig voraus.
– Verheiratet.
– Zwei Kinder.
Sonja sah die Anwesenden an.
– Die vollständigen Informationen sind bereits auf Ihre Tablets geladen.
Kurze Stille trat ein.
Lilith brach als Erste das Schweigen.
Sie lächelte und sagte:
– Wenn es keine versteckten Überraschungen gibt …
– Dann sollten wir ihn nehmen.
Auf der Terrasse wurde sofort gelächelt.
Jeder verstand, dass ein wirklich geeigneter Kandidat manchmal wertvoller war als hundert mittelmäßige.
Anna schloss die Akte und sah Sonja an.
– Gut.
– Genehmigt.
Auf Sonjas Gesicht erschien ein leichtes Lächeln.
Anna fuhr fort:
– Sonja, ruf deine Mitarbeiter an.
– Sie sollen für ihn und seine gesamte Familie eine Reise hierher in unser Hotel organisieren.
– Übernehmt den gesamten Transfer.
– Abholung am Flughafen, Verpflegung – alles auf Kosten des Projekts.
Sonja nickte.
Anna sah noch einmal auf das Dossier.
– Verstehe ich richtig, dass die Familie derzeit finanzielle Schwierigkeiten hat?
Sonja öffnete ihre Notizen.
– Ja.
– Nach seiner Entlassung aus der letzten Klinik findet er seit mehreren Monaten keine Arbeit.
– Seine Frau arbeitet vorübergehend nicht und kümmert sich um die Kinder.
– Die Familie lebt sehr bescheiden.
Anna nickte schweigend.
– Dann erst recht.
– Sie sollen hierherkommen, ohne auch nur einen Gedanken an die Kosten verschwenden zu müssen.
– Für uns ist es wichtig, nicht nur ihn, sondern auch seine Familie kennenzulernen.
Sonja machte sofort eine Notiz auf ihrem Tablet.
– Ich organisiere heute alles.
Alle Anwesenden unterstützten die Entscheidung.
Die nächste Etappe des Projekts begann mit der Suche nicht einfach nach guten Spezialisten, sondern nach Menschen, denen man die Zukunft der „Heilerin“ anvertrauen konnte.
Sonja öffnete die nächste Akte.
– Beim Leiter des Wissenschaftszentrums war alles wesentlich schwieriger.
Sie strich über den Bildschirm ihres Tablets.
– In ganz Europa haben wir keinen geeigneten Kandidaten gefunden.
Auf dem großen Bildschirm erschien ein Foto.
Mei Tanaka.
Alter: 27 Jahre.
Unverheiratet.
Sonja fuhr fort:
– Mehrere Jahre arbeitete sie an der Entwicklung eines völlig neuartigen Antriebs.
– Sie investierte ihr gesamtes persönliches Vermögen in die Entwicklung – ungefähr acht Millionen Dollar.
Für einen Augenblick schwieg sie.
– Bei der öffentlichen Präsentation explodierte der Prototyp.
– Sie verlor absolut alles.
Im Saal herrschte Stille.
Sonja öffnete die nächste Seite des Dossiers.
– Es gibt noch einen Punkt.
– Ihr biologischer Vater ist einer der Anführer der Yakuza.
Einige Sekunden lang dachten alle nach.
Vlad brach die Stille und lächelte leicht.
– Es ist sogar gut, dass der Antrieb damals explodiert ist.
Alle sahen ihn überrascht an.
Vlad fuhr ruhig fort:
– Wäre das Projekt erfolgreich gewesen …
– Dann wäre sie jetzt nicht hier.
Er schloss sein Tablet.
– Wir nehmen sie.
Im Saal wurde es still, dann nickten fast alle gleichzeitig zustimmend.
Anna sah Konstantin an.
– Konstantin, bitte organisiere die Anreise von Mei Tanaka.
Sie lächelte.
– Soweit ich weiß, hast du gute Kontakte in Japan.
Konstantin nickte kurz.
– Habe ich.
– Ich organisiere heute noch alles.
– Über meine Leute kümmere ich mich um die Dokumente, den Flug und die Begleitung.
Anna nickte zufrieden.
– Ausgezeichnet.
Sie wollte die Akte bereits schließen, als Sonja die Hand hob.
– Nein …
– Es gibt noch zwei Kandidaten.
Alle sahen sie wieder an.
Sonja öffnete die nächste Seite.
– Wir haben sie völlig zufällig gefunden.
– Und, ehrlich gesagt, sehr glücklich.
Auf dem Bildschirm erschienen zwei neue Dossiers.
– Der erste Kandidat ist für die Leitung der Abteilung für biologische Entwicklungen vorgesehen.
Sie blätterte weiter.
– Der zweite für die Leitung der Abteilung für technische Entwicklungen.
Sonja lächelte.
– Nach TODs Analyse haben beide Kandidaten die maximale Kompatibilität mit unserem Projekt.
– Man kann sagen, es sind die optimalen Kandidaten.
Anna betrachtete die Fotos aufmerksam.
– Dann hören wir sie nach ihrer Ankunft an.
– Wenn ihre Qualifikation den Berichten von TOD entspricht …
Sie schloss das Tablet.
– Dann denke ich, dass unser Team heute noch stärker wird.
Alle nickten zustimmend.
Anna schloss ihr Tablet und sah das Team an.
– Jetzt zum Unfall.
Sie sprach ruhig, als hätte sie bereits alles durchdacht.
– Das war kein zufälliger Verkehrsunfall.
Sie sah Sonja an.
– In einer Stunde wirst du vollständig wiederhergestellt sein.
Dann blickte sie zu Lilith.
– Morgen, bevor der Ermittler kommt, arbeitest du ein wenig an ihrem Aussehen.
– Alle Spuren der Verletzungen müssen verborgen werden.
Lilith lächelte verständnisvoll.
– Mache ich.
Anna wandte sich Jeanne zu.
– Jeanne.
– Bereite alles Notwendige vor.
– Diese beiden müssen ins Gefängnis.
Jeanne seufzte schwer.
– Das wird nicht einfach.
Sie öffnete die Unterlagen zum Fall.
– Beide Festgenommenen gehören bekannten kriminellen Clans Italiens an.
– Die Korruption ist hier sehr stark.
– Man wird versuchen, sie um jeden Preis herauszuholen.
In diesem Moment sprach Vlad.
– Bereiten Sie alle Dokumente vor.
Er sah Jeanne ruhig an.
– Und ich werde gemeinsam mit Lilith mit dem Richter darüber sprechen.
Für einige Sekunden herrschte auf der Terrasse Stille.
Alle verstanden sehr gut, dass es längst nicht mehr nur um die Untersuchung eines Verkehrsunfalls ging.
Es war der erste ernsthafte Zusammenstoß des Projekts „Die Heilerin“ mit einem System, in dem Geld und Einfluss zu oft über dem Gesetz standen.
Der nächste Morgen empfing das Team mit strahlender italienischer Sonne.
Die Ereignisse des Vortages wurden noch lange untereinander besprochen, doch niemand zweifelte daran: Das Projekt hatte seine erste ernsthafte Prüfung bestanden.
Um zehn Uhr morgens versammelte sich der Kleine Rat erneut im Konferenzraum des Hotels.
Diesmal war die Atmosphäre ruhig.
Anna eröffnete die Sitzung.
– Guten Morgen.
Sie sah jeden Anwesenden an.
– Heute beginnt eine neue Etappe des Projekts.
Sie machte eine kurze Pause und schrieb in großen Buchstaben auf die elektronische Tafel:
Глава 11-20
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 11
UNGEWÖHNLICHE LÖSUNGEN
Der nächste Morgen empfing das Team mit strahlender italienischer Sonne.
Die Ereignisse des Vortages wurden noch lange untereinander besprochen, doch niemand zweifelte daran – das Projekt hatte seine erste ernsthafte Prüfung bestanden.
Um zehn Uhr morgens versammelte sich der Kleine Rat erneut im Konferenzraum des Hotels.
Diesmal war die Atmosphäre ruhig.
Anna eröffnete die Sitzung.
– Guten Morgen.
Sie sah jeden Anwesenden an.
– Heute beginnt eine neue Etappe des Projekts.
Sie machte eine kurze Pause und schrieb in großen Buchstaben auf die elektronische Tafel:
Ungewöhnliche Lösungen.
Alle sahen aufmerksam auf die Aufschrift.
Anna fuhr fort:
– Bis heute haben wir so gehandelt wie Tausende Organisationen auf der ganzen Welt.
– Aber wenn wir die Welt verändern wollen, dürfen wir nicht standardmäßig denken.
Sie sah das Team an.
– Jede Entscheidung, die „Die Heilerin“ trifft, muss effizient, ehrlich und … ungewöhnlich sein.
Vlad beobachtete schweigend das Geschehen und überließ Anna vollständig die Leitung der Besprechung.
– Heute, – fuhr Anna fort, – beginnen wir damit, unser eigenes Arbeitssystem zu schaffen.
– Nicht das System anderer zu kopieren.
– Sondern ein neues zu erschaffen.
Im Raum herrschte Stille.
Jeder verstand, dass ein völlig neues Kapitel in der Geschichte des Projekts begann.
Ein Kapitel, in dem die gewohnten Regeln nicht mehr funktionieren würden.
Vlad sah das Team ruhig an.
– Dann verteilen wir die Aufgaben.
Er machte eine kurze Pause.
– Lilith und ich kümmern uns um die Italiener.
Alle wussten, worum es ging. Die Angelegenheit mit den festgenommenen Unfallverursachern musste geklärt und verhindert werden, dass der Einfluss krimineller Clans die Justiz behinderte.
Vlad fuhr fort:
– Danach kümmern wir uns um den Chemiker.
Anna hob sofort den Blick.
– Bestätigt.
Sie machte eine Notiz auf ihrem Tablet.
– Vlad und Lilith sind für die italienische Angelegenheit und die weitere Arbeit mit dem Kandidaten, dem Chemiker, verantwortlich.
Lilith lächelte nur kurz.
– Wir beginnen unmittelbar nach der Sitzung.
Anna sah die übrigen Teammitglieder an.
– Dann machen wir weiter.
– Der nächste Tagesordnungspunkt …
Eine neue Entwicklungsphase des Projekts begann, in der jeder seinen Teil der großen Arbeit übernehmen musste.
Einige Stunden später kamen Vlad und Lilith in einem kleinen Café am Stadtrand an.
Das Lokal war für gewöhnliche Besucher geschlossen.
An einem Tisch im hinteren Bereich saßen zwei einflussreiche Anführer italienischer krimineller Clans.
Angespannt besprachen sie, wie sie ihre Söhne aus den Ermittlungen herausholen konnten.
Die Tür des Cafés öffnete sich.
Vlad und Lilith betraten den Raum.
Vlad ging ruhig zu ihrem Tisch.
– Wir müssen reden.
Einer der Männer grinste.
– Worüber?
– Unter vier Augen.
Der Anführer sah seine Leute schweigend an.
– Alle raus.
Wenige Sekunden später war der Raum leer.
Doch einer der Männer zog langsam eine Pistole unter seiner Jacke hervor und legte sie auf den Tisch.
Vlad lächelte nur leicht.
– Gut.
– Dann eben mit Pistole.
Er setzte sich ruhig gegenüber.
– Wir haben sehr wenig Zeit.
Vlad sah Lilith an.
– Lilith …
Sie nickte schweigend.
Im nächsten Augenblick verschwand ihre menschliche Gestalt.
Vor den beiden Männern erschien ihre wahre dämonische Gestalt.
Im Café herrschte Totenstille.
Die Anführer wurden blass.
Die Pistole glitt langsam aus der Hand eines von ihnen.
Vlad sagte ruhig:
– Das ist Lilith.
– Die rechte Hand Luzifers.
Er machte eine Pause.
– Und glauben Sie mir, er wartet schon lange auf Sie.
Schwere Stille lag im Raum.
Dann fuhr Vlad fort:
– Aber es gibt noch eine andere Sichtweise.
– Vielleicht werden Sie hier noch gebraucht.
Er sah jedem direkt in die Augen.
– Die Wahl ist sehr einfach.
– Geld und Macht …
– Oder ein Treffen mit Luzifer.
Noch eine Pause.
– Und nein …
– Darüber wird nicht diskutiert.
Lilith nahm wieder ihre menschliche Gestalt an.
Vlad stand ruhig auf.
– Sie mischen sich nicht in das Gerichtsverfahren ein.
– Sie üben keinen Druck auf Ermittler, Staatsanwaltschaft oder Gericht aus.
– Wenn Sie gegen diese Entscheidung verstoßen …
Er sah zu Lilith.
– Dann kommt diese junge Frau wieder zu Ihnen.
Vlad lächelte leicht.
– Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
– Wir haben keine Zeit mehr.
Einige Sekunden herrschte im Café absolute Stille.
Die beiden Männer saßen regungslos da.
Von ihrer Arroganz und Sicherheit war nichts mehr übrig.
Vlad wandte sich langsam zum Ausgang.
– Gehen wir, Lilith.
Sie hatten die Tür fast erreicht, als einer der Anführer mit zitternder Stimme sagte:
– Warten Sie …
Vlad blieb stehen, ohne sich umzudrehen.
– Wir haben alles verstanden.
– Unsere Söhne werden keinerlei Hilfe erhalten.
– Niemand wird Druck auf die Ermittlungen ausüben.
– Kein Richter wird auch nur einen einzigen Anruf bekommen.
Vlad drehte sich langsam um.
– Das ist die richtige Entscheidung.
Der zweite Mann seufzte schwer.
– Darf ich eine Frage stellen?
– Ja.
– Wer sind Sie?
Vlad lächelte kaum merklich.
– Menschen, die Ungerechtigkeit überhaupt nicht mögen.
Er sah ihm direkt in die Augen.
– Und noch etwas …
– Richten Sie Ihren Leuten aus:
– Wenn jemand versucht, Mitarbeitern des Projekts „Die Heilerin“, Ärzten oder ihren Familien Schaden zuzufügen …
Er machte eine kurze Pause.
– Dann wird das nächste Gespräch wesentlich kürzer.
Beide Männer nickten schweigend.
Sie verstanden, dass dies keine Drohung war.
Man hatte ihnen lediglich eine Tatsache mitgeteilt.
Vlad und Lilith verließen das Café.
Als sich die Tür geschlossen hatte, starrte einer der Anführer noch lange ins Leere.
Schließlich sagte er leise:
– Heute …
– hatten wir zum ersten Mal nicht vor der Polizei Angst …
Der zweite nickte langsam.
– Und offenbar werden wir zum ersten Mal in unserem Leben das Richtige tun.
Draußen sah Lilith Vlad an.
– Glaubst du, das reicht?
Vlad antwortete ruhig:
– Nein.
– Aber manchmal genügt es, einem Menschen einmal zu zeigen, dass er sterblich ist.
Sie stiegen ins Auto.
Ihr nächstes Ziel war ein Mann, den das Team untereinander bereits nur noch so nannte …
Der Chemiker.
Niederlande. Amsterdam.
Am Stadtrand, unweit des Hafens, befand sich eine große Industriehalle.
Drinnen war es laut.
Mehrere Menschen unterhielten sich lautstark, daneben standen Container und Geräte.
Vlad und Lilith betraten die Halle.
Lilith erfasste die Lage sofort.
Mit wenigen präzisen Bewegungen setzte sie fast alle Anwesenden außer Gefecht.
Wenige Sekunden später blieben im Raum nur noch zwei Männer an einem Tisch sitzen.
Überrascht sahen sie die unerwarteten Gäste an.
Vlad ging ruhig auf sie zu.
– Hallo.
– Ich möchte ein Geschäft abschließen.
Er zeigte auf einen Mann, der sich weiter hinten in der Halle befand.
– Ich brauche diesen Mann.
Die beiden Männer sprangen auf.
– Weißt du überhaupt, wo du hier bist?
Sie machten einen Schritt nach vorn.
Doch Lilith verzog keine Miene.
Einige schnelle Bewegungen – und beide Männer lagen auf dem Boden.
Vlad sah sie ruhig an.
– Setzen wir das Gespräch fort.
– Ich brauche diesen Mann immer noch.
Er machte eine Pause.
– Ich biete Ihnen ein Geschäft an.
– Dieser Mann – zehntausend Euro.
Die Männer sahen einander an.
Die Situation verlief offensichtlich anders, als sie geplant hatten.
Einer von ihnen nickte langsam.
– Nicht schlecht.
– Einverstanden.
Vlad lächelte.
– Sehen Sie?
– Wir hätten uns gleich einigen können, ohne unnötige Schwierigkeiten.
Er sah Lilith an.
– Bezahl sie und nimm ihn mit.
Lilith lächelte.
Sie holte das Geld heraus, gab es den Männern, befreite den Mann vorsichtig und trug ihn aus der Halle.
Für sie wog er beinahe nichts.
Ruhig trug sie ihn zum Auto.
Wenige Sekunden später kam Vlad aus der Halle.
Er blieb neben dem Wagen stehen.
– Lilith.
Sie drehte sich um.
– Ihr fahrt allein weiter.
– Lass ihn unterwegs zu sich kommen.
Vlad sah auf die Uhr.
– Ich habe hier noch etwas zu erledigen.
Lilith nickte.
– Gut.
Sie stieg ins Auto und fuhr davon.
Vlad blickte noch einmal auf die Halle.
Jetzt musste er den zweiten Teil seines Plans abschließen.
Vlad sah dem davonfahrenden Auto nach.
– Jetzt bleibt nur noch das Schwierigste …
Er lächelte leise.
– Der Sternengucker.
So hatte TOD den nächsten Kandidaten genannt.
Sein richtiger Name spielte bereits keine große Rolle mehr.
Für das gesamte Team war er einfach der Sternengucker geworden.
Doktor der Astrophysik.
Einer der besten Spezialisten seiner Generation.
Vor einigen Jahren galten seine Ideen als zu kühn, weshalb die meisten wissenschaftlichen Institute die Finanzierung seiner Forschungen eingestellt hatten.
Doch TOD sah das anders.
Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Arbeit dieses Mannes im Projekt lag bei nahezu hundert Prozent.
Vlad stieg ins Auto.
Auf dem Tablet erschien eine neue Geolokalisierung.
Daneben stand eine kurze Notiz:
„Ziel: Doktor der Astrophysik.
Aufgabe: Ihn davon überzeugen, das Angebot anzunehmen.
Nach Zustimmung – ins Hotel in Italien bringen.“
Vlad sah auf den Bildschirm.
– Das wird schon interessanter …
Er startete den Motor.
Anders als bei der vorherigen Begegnung brauchte er hier keine Drohungen.
Kein Geld.
Keine Gewalt.
Er musste das Schwierigste tun –
einen Menschen davon überzeugen, an das Unmögliche zu glauben.
Vlad betrat ein kleines Arbeitszimmer, dessen Wände vollständig mit Sternkarten, Fotografien von Galaxien und Entwürfen von Raumfahrzeugen bedeckt waren.
Hinter dem Schreibtisch saß ein älterer Mann.
Er hob den Blick.
– Womit kann ich Ihnen helfen?
Vlad setzte sich ruhig ihm gegenüber.
– Ich brauche einen Menschen, der eine Zukunft im Weltraum aufbauen kann.
Der Wissenschaftler schmunzelte.
– Schön gesagt.
– Aber gewöhnlich bietet man mir nach solchen Worten an, Vorlesungen für Studenten zu halten.
Vlad lächelte.
– Nein.
– Ich biete Ihnen Arbeit an.
Der Wissenschaftler sah ihn aufmerksam an.
– Was genau?
Vlad antwortete ruhig:
– Mich interessieren …
– Jupiter.
– Sein Mond Ganymed.
– Und …
– Saturn.
– Sein Mond Titan.
Im Raum herrschte Stille.
Nach einigen Sekunden nahm der Astrophysiker langsam seine Brille ab.
– Entschuldigen Sie …
– Meinen Sie das ernst?
– Absolut.
Die Augen des Wissenschaftlers leuchteten förmlich auf.
– Diese Welten interessieren mich mein ganzes Leben …
– Besonders Titan.
– Aber niemand wollte jemals solche Forschungen finanzieren.
Vlad fuhr ruhig fort:
– Gehalt.
– Zehntausend Euro im Monat.
– Ein vollständig ausgestattetes Labor.
– Jede notwendige Ausrüstung.
– Und vor allem …
Er sah dem Wissenschaftler direkt in die Augen.
– Man wird Ihnen zuhören.
Der Wissenschaftler schwieg einige Sekunden.
Dann lächelte er plötzlich.
– Sie sind der erste Mensch …
– der mir Geld nicht dafür anbietet, dass ich aufhöre zu reden …
– sondern dafür, dass man mir endlich zuhört.
Er stand auf und reichte Vlad die Hand.
– Ich bin einverstanden.
– Ich komme mit.
Vlad schüttelte ihm die Hand.
– Willkommen im Projekt „Die Heilerin“.
So gewann das Team einen weiteren Menschen, der der Menschheit eines Tages den Weg zu Ganymed und Titan eröffnen sollte.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 12
ERSTE ERGEBNISSE
Nach Daniels Finanzbericht ging Anna zum nächsten Punkt über.
– Gut. Jetzt müssen wir das Projekt des Wissenschaftszentrums und seine Finanzierung endgültig genehmigen.
Der Architekt zeigte den Entwurf des Komplexes auf dem großen Bildschirm.
Auf dem Bildschirm erschien die vertraute Konstruktion: mehrere große Blütenblätter, die um einen zentralen Turm angeordnet waren. Jedes Blütenblatt hatte drei Stockwerke, während sich der zentrale Turm über zwölf Stockwerke erhob.
Der Architekt begann, die Nutzung der Räume und die Verteilung der Labore zu erläutern.
Nach der Besprechung sah Anna die anderen an.
– Gibt es Anmerkungen?
Das Team sah sich gegenseitig an.
Es gab keine Einwände.
– Dann genehmige ich das Projekt des Wissenschaftszentrums.
Daniel öffnete sofort den Finanzbereich.
– Ich schlage vor, ein separates Budget für den Bau, die Ausstattung der Labore und die weitere Entwicklung der Niederlassungen bereitzustellen.
Nach der Besprechung der Summe und der Verteilung der Mittel genehmigte Anna die Finanzierung.
– Gut. Die Finanzierung ist genehmigt. Herr Architekt – übergeben Sie die endgültigen Unterlagen an die Bauleute. Daniel – beginne mit der Finanzierung gemäß dem genehmigten Budget.
Alle machten entsprechende Notizen auf ihren Tablets.
Anna schloss den Finanzbereich.
– Damit sind wir fertig.
Sie sah die neuen Mitarbeiter an.
– Jetzt kommt der interessanteste Teil.
– Lernen wir uns etwas näher kennen und sprechen wir darüber, was jeder von Ihnen für unser Projekt tun kann.
Im Raum wurde es merklich lebhafter.
Das Gespräch mit den neuen Teammitgliedern begann.
Anna begann mit Mei.
– Mei, wir bieten Ihnen dieselben allgemeinen Arbeitsbedingungen wie allen anderen hier. Wir kaufen Ihr Projekt für acht Millionen Dollar. Sie werden das Wissenschaftszentrum leiten und sich außerdem persönlich mit der Entwicklung von Antrieben und Generatoren beschäftigen.
Mei sah Anna aufmerksam an.
– Acht Millionen Dollar für mein Projekt?
– Ja. Sämtliche Rechte an den Entwicklungen gehen an unsere Organisation über. Gleichzeitig arbeiten Sie innerhalb unseres Teams weiter daran und erhalten alle notwendigen Ressourcen für die weitere Forschung.
Mei dachte kurz nach.
– Und wenn meine Forschung wesentlich mehr Geld erfordert?
– Wenn das Projekt Perspektive hat, wird die Finanzierung kein Problem sein, – antwortete Anna ruhig. – Wir brauchen keine schönen Berichte, sondern reale Ergebnisse.
Mei nickte.
– Dann bin ich einverstanden.
Anna lächelte.
– Willkommen im Team.
Sie machte eine Notiz auf ihrem Tablet und wandte sich dem nächsten Mitarbeiter zu.
– Jetzt der Sternengucker.
Anna sah den Sternengucker an.
– Wir müssen alles wissen, was über zwei Objekte bekannt und unbekannt ist – Ganymed und Titan.
Der Sternengucker hörte aufmerksam zu.
– Wir planen, Satelliten dorthin zu schicken. Sie sollen möglichst detaillierte Untersuchungen durchführen und alles in die Arbeit einbeziehen, was sich bereits dort befindet und noch für Forschungszwecke geeignet ist.
Anna fuhr fort:
– Ich brauche einen vollständigen Bericht. Alles, was zum heutigen Zeitpunkt bekannt ist. Sämtliche vorhandenen Daten sowie die Ergebnisse von Beobachtungen und Forschungen. Gesondert davon – das, was wir noch nicht wissen.
Sie machte eine kurze Pause.
– Und ich brauche Hypothesen. Auch solche, für die es bislang keine ausreichenden Belege gibt. Uns interessiert alles, was Herkunft, Aufbau und Besonderheiten dieser beiden Objekte erklären könnte.
Der Sternengucker nickte.
– Verstanden. Ich werde getrennte Berichte über Ganymed und Titan vorbereiten. Sie werden bestätigte Daten, strittige Fragen, unbekannte Parameter und bestehende wissenschaftliche Hypothesen enthalten.
– Gut, – antwortete Anna. – Danach legen wir fest, welche Untersuchungen aus der Ferne durchgeführt werden können und welche die unmittelbare Anwesenheit unserer Satelliten erfordern.
– Wann brauchen Sie den Bericht?
– Sobald Sie wirklich vollständiges Material liefern können. Beeilen Sie sich nicht auf Kosten der Qualität.
Der Sternengucker machte eine Notiz auf seinem Tablet.
– Dann beginne ich.
Anna sah ihn an und nickte.
– Ausgezeichnet. Genau damit werden Sie sich als Leiter der Abteilung für Astrophysik beschäftigen.
Anna wandte sich dem Chemiker zu.
– Jetzt zu Ihrer Aufgabe. Und vielleicht ist sie derzeit die verantwortungsvollste.
Der Chemiker sah sie aufmerksam an.
– Während das Wissenschaftszentrum gebaut wird, müssen wir minimale Bedingungen für Ihre Arbeit schaffen. Ein kleines Labor, die notwendige Ausrüstung und alles, was für die ersten Forschungen erforderlich ist.
Anna machte eine Pause.
– Und wir müssen sofort mit der Herstellung der ersten Präparate für unser Zentrum beginnen.
Der Chemiker nickte.
– Welche Frist habe ich?
– Innerhalb eines Monats müssen Sie sich mit den ersten Proben und Zusammensetzungen auseinandersetzen. Ich brauche ein Ergebnis, das wir für die weitere Arbeit verwenden können.
Sie sah ihn ernst an.
– Und widmen Sie der Wiederherstellung der Haut besondere Aufmerksamkeit. Dieser Bereich ist für uns besonders wichtig.
– Verstanden, – antwortete der Chemiker. – Ich beginne mit der Einrichtung eines provisorischen Labors und der Vorbereitung der ersten Untersuchungen.
– Gut. Wir warten nicht auf das Ende der Bauarbeiten. Die Arbeit muss bereits jetzt beginnen.
Der Chemiker machte eine Notiz auf seinem Tablet.
– Ich beginne.
Anna sah die neuen Teammitglieder an.
– Sie sind aus eigenem Willen hierhergekommen. Und ich bitte jeden von Ihnen, mit unserem Projekt sehr vorsichtig umzugehen.
Im Raum wurde es still.
– Um uns herum gibt es viele Feinde. Jede Information, die in die falschen Hände gerät, kann für alle Mitglieder unseres Teams eine Gefahr darstellen.
Anna sah jeden aufmerksam an.
– Deshalb bitte ich Sie um größtmögliche Vorsicht. Erzählen Sie Außenstehenden nichts über unsere Arbeit, sprechen Sie außerhalb des Teams nicht über das Projekt und geben Sie ohne Genehmigung keinerlei Materialien weiter.
Sie machte eine kurze Pause.
– Hier vertrauen wir einander. Aber die Sicherheit des Projekts und der Menschen, die daran arbeiten, muss immer an erster Stelle stehen.
– Konstantin kümmert sich bereits um Ihre Sicherheit, – sagte Anna. – Aber kein Schutzsystem hilft, wenn Informationen von innen nach außen gelangen.
Sie sah jeden Einzelnen an.
– Deshalb ist ab heute jeder von Ihnen nicht nur für seine Arbeit verantwortlich, sondern auch für den Schutz der Informationen, zu denen er Zugang erhält.
Konstantin nickte schweigend.
– Ich werde dafür sorgen, dass das Sicherheitssystem dem Niveau des Projekts entspricht.
Anna lächelte.
– Genau das wollte ich hören.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 13
MEI
Nach der Besprechung bat Anna Mei, noch zu bleiben.
Anna, Mei und Vlad gingen in das Reanimationszimmer des Hotels und traten ein.
Vlad sah Mei an.
– Mei, du bist schon ein ziemlich großes Mädchen. Jetzt wirst du etwas sehen.
Mei sah ihn überrascht an.
Vlad wandte sich Anna zu.
– Zeig es ihr.
Anna streckte die Hände nach vorn.
In ihren Handflächen erschien ein sanftes grünes Licht. Nach einigen Sekunden wurde das Leuchten heller und begann sich allmählich um ihre Hände auszubreiten.
Mei erstarrte und beobachtete aufmerksam, was geschah.
Mei betrachtete das grüne Leuchten aufmerksam.
Anna sagte ruhig:
– Mei, das ist Ätherenergie.
Mei antwortete nicht und beobachtete weiter das Licht.
– Wir verfügen über alle Parameter und Signaturen, – fuhr Anna fort. – Jetzt müssen wir lernen, sie zu nutzen.
Sie sah Mei direkt an.
– Deine Aufgabe ist es, auf dieser Grundlage neue Technologien zu entwickeln. Technologien, die man sich heute noch nicht einmal vorstellen kann.
Mei dachte nach.
– Sie wollen, dass ich Technologien auf Grundlage dieser Energie entwickle?
– Genau.
Anna lächelte leicht.
– Schaffst du das?
Mei sah Vlad an.
Vlad lächelte.
Mei wandte den Blick wieder Anna zu.
– Ich denke, ja. Aber ich brauche Zugang zu allen Informationen und die entsprechende Ausrüstung.
– Das alles wirst du bekommen.
Vlad lächelte noch breiter.
Jetzt begann Mei zu verstehen, warum man sie in dieses Team geholt hatte.
Vlad fuhr fort:
– Du wirst einen Assistenten haben.
Anna und Vlad lächelten.
– Er heißt TOD. Er wird immer an deiner Seite sein.
Mei sah Vlad interessiert an.
– TOD?
– Ja. Er wird dir bei deinen Forschungen helfen, Informationen analysieren und dort nach Lösungen suchen, wo ein Mensch viel zu viel Zeit benötigen würde.
Vlad machte eine kurze Pause.
– Außerdem werde ich Konstantin losschicken, um einen Menschen zu holen, der Jets für deine Antriebe bauen kann. Er wird sich mit ihrer Konstruktion beschäftigen und sie bis zur Einsatzreife bringen.
Mei hörte aufmerksam zu.
– Außerdem wird dieser Spezialist medizinische Geräte entwickeln, die unser Zentrum benötigt.
Anna nickte.
– Wir möchten, dass du dich auf die Entwicklungen konzentrieren kannst. Die übrigen notwendigen Spezialisten und Ressourcen werden nach und nach um dich herum zusammengeführt.
Mei dachte einige Sekunden nach.
Nun wurde ihr das Ausmaß des Projekts wesentlich klarer.
Anna fuhr fort:
– Mei, im gesamten Sonnensystem wissen davon nur ich, Vlad, Konstantin, Lilith und jetzt auch du. Und natürlich TOD.
Mei sah Anna aufmerksam an.
– Du verstehst also selbst, wie schwierig das alles ist.
Mei nickte langsam. Jetzt verstand sie noch besser, warum Anna so nachdrücklich auf die Geheimhaltung des Projekts hingewiesen hatte.
Anna lächelte.
– Das ist in wenigen Worten alles, worüber wir mit dir sprechen wollten. Jetzt wird ausgeruht.
Vlad schmunzelte.
– Morgen ist ein neuer Tag mit neuen Aufgaben.
Alle lächelten.
Damit war das Gespräch beendet. Mei verließ das Zimmer und verstand bereits, dass sich ihr Leben viel stärker verändert hatte, als sie sich noch vor wenigen Stunden hätte vorstellen können.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 14
DER STERNENGUCKER
Am nächsten Morgen.
Alle versammelten sich zum Frühstück.
Die Atmosphäre war völlig anders. Es schien, als wären sie zu einer Familie geworden und würden einander schon seit vielen Jahren kennen.
Der Sternengucker sagte leise:
– Ich hatte nie eine Familie und auch keine besonders engen Freunde. Aber hier, mit euch … ich kann meine Gefühle nicht einmal in Worte fassen.
Anna unterbrach ihn:
– Du musst nichts in Worte fassen. Leb einfach in dieser Familie.
Der Sternengucker lächelte.
Anna fuhr fort:
– Ja, und bahne uns einen Weg und eine Route zu diesen Objekten, damit das Leben interessanter und fröhlicher wird.
Alle lächelten.
Der Sternengucker sah Anna an und nickte.
– Mache ich.
Nach dem Frühstück fuhr das Team zur Baustelle des Wissenschaftszentrums.
Wie die anderen Mitarbeiter bezog auch der Sternengucker einen komfortablen provisorischen Wohncontainer, der für das Team vorbereitet worden war.
Nachdem er sich an seinem neuen Platz eingerichtet hatte, begann er sofort mit der Arbeit.
TOD übermittelte ihm alle verfügbaren Informationen über Ganymed und Titan: Beobachtungsergebnisse, Daten von Raumsonden, wissenschaftliche Untersuchungen, Fotografien, Karten und weitere Materialien.
Besonders beeindruckte ihn die Menge an Informationen, die nicht öffentlich zugänglich war.
Vor ihm lagen Daten, von deren Existenz er nicht einmal etwas geahnt hatte. Nun verfügte er über Material, mit dem er nicht nur bereits Bekanntes untersuchen, sondern auch eigene Hypothesen entwickeln konnte.
Der Sternengucker lehnte sich in seinem Sessel zurück und lächelte.
Endlich eröffnete sich vor ihm ein wirkliches Arbeitsfeld.
Er fühlte sich glücklich und mit seiner neuen Arbeit vollkommen zufrieden.
Zum ersten Mal seit langer Zeit wollte er nicht einfach nur Forschungen durchführen, sondern tatsächlich nach Antworten auf Fragen suchen, die die Menschheit noch nicht einmal gestellt hatte.
In diesem Moment betrat Mei den Wohncontainer.
– Na, Professor, haben Sie sich eingerichtet?
Der Sternengucker lächelte.
– Ja. Hier ist alles besser als in jeder meiner früheren Wohnungen.
Mei lachte.
– Wenn ich das richtig verstehe, sind Sie hier die Chefin?
– Ja, – antwortete Mei. – Ich werde das Wissenschaftszentrum leiten.
Der Sternengucker sah sie interessiert an.
– Dann haben Sie wahrscheinlich schon viele Pläne.
– Und ob. Ich möchte in einer Woche eine Besprechung einberufen.
Mei dachte kurz nach und fügte hinzu:
– Ich werde einiges zu sagen haben.
Der Sternengucker lächelte.
– Sieht so aus, als würde uns eine interessante Woche bevorstehen.
– Sogar eine sehr interessante, – antwortete Mei.
– Ich werde ebenfalls einiges zu sagen haben, – sagte der Professor.
Mei lächelte.
Beide lachten.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte der Sternengucker das Gefühl, genau dort zu sein, wo er sein sollte.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 15
DER CHEMIKER
Der Professor und Mei verließen den Wohncontainer und gingen zum Chemiker.
– Hallo! Na, wie ist die Unterkunft? Wie ist das Essen? – fragte Mei.
Ohne den Blick vom Monitor abzuwenden, auf dem Formeln geöffnet waren, antwortete der Chemiker:
– Ja, ja. Alles in Ordnung. Ich habe schon Tee getrunken.
Mei und der Professor sahen einander an.
– Hast du etwas gefunden? – fragte Mei.
– Ja. Irgendwelche unverständlichen grünen Signaturen in den Proben.
Der Professor lächelte.
– Ich habe ebenfalls etwas gefunden. Bei mir ist Ganymed orange.
Der Chemiker löste endlich den Blick vom Monitor.
– Orange?
– Genau, – antwortete der Professor. – Und?
Mei sah beide an und lächelte.
– Sieht so aus, als hätte jeder von euch bereits etwas Interessantes gefunden.
Der Chemiker wandte sich wieder dem Bildschirm zu.
– Genau. Und ich verstehe noch nicht einmal, was das überhaupt ist.
Der Professor dachte nach.
– Dann beginnt für uns offenbar jetzt der interessanteste Teil.
– Abgemacht?
Der Chemiker und der Professor sahen einander an.
– Abgemacht, – antworteten sie fast gleichzeitig.
Alle lächelten.
Mei sah noch einmal auf den Bildschirm mit den Formeln.
– Na gut, arbeitet weiter. Ich werde euch nicht stören.
Der Professor und der Chemiker wandten sich wieder ihren Forschungen zu, und Mei verließ den Wohncontainer.
Jeder hatte bereits seine eigene Aufgabe, doch nun arbeiteten sie als ein Team.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 16
DER KONSTRUKTIONSINGENIEUR
Im Auftrag von Vlad reiste Konstantin nach Südkorea.
Seine Aufgabe bestand darin, einen Konstruktionsingenieur zu finden, der an Meis neuen Technologien arbeiten, Jets für ihre Antriebe entwickeln und sich außerdem an der Entwicklung medizinischer Geräte beteiligen konnte.
In Südkorea fand Konstantin einen siebenundzwanzigjährigen jungen Mann.
Er war ein echtes, bislang jedoch nicht anerkanntes Genie auf dem Gebiet der Werkstoffe und Konstruktion.
Trotz seiner Fähigkeiten besaß der junge Mann weder Bekanntheit noch ernsthafte Unterstützung. Um einfach zu überleben und seinen Lebensunterhalt zu bezahlen, nahm er praktisch jede Arbeit an, die Geld einbrachte.
Konstantin studierte seine Entwicklungen aufmerksam und verstand, dass Vlad ihn nicht ohne Grund gerade hierher geschickt hatte.
Vor ihm stand ein Mensch mit gewaltigem Potenzial, der bislang lediglich keine Möglichkeit bekommen hatte, es zu verwirklichen.
Konstantin sah den jungen Ingenieur an.
– Ich werde nicht lange reden. Es gibt Arbeit. Das Geld – nach deinen Maßstäben, ich meine das Gehalt – ist ordentlich. Die Arbeit ist in Europa.
Er erklärte ihm ausführlich die Arbeitsbedingungen und zeigte ihm die Gehaltskonditionen.
Der Ingenieur betrachtete das Angebot einige Sekunden.
– Ich nehme nur meine Zahnbürste mit.
Konstantin lachte.
Auch der Ingenieur lachte.
– Dann pack deine Sachen, – sagte Konstantin. – Ich glaube, auf dich wartet eine Arbeit, die du dir bisher nicht einmal vorstellen konntest.
Beide lachten.
Rumänien. Berge.
Auf der Baustelle des Wissenschaftszentrums lief die Arbeit bereits auf Hochtouren. Neben dem zukünftigen Komplex wuchs allmählich eine kleine Siedlung für die Spezialisten, die in komfortablen provisorischen Wohncontainern untergebracht waren.
Konstantin und der junge Konstruktionsingenieur kamen auf der Baustelle an.
Mei empfing sie.
– Guten Tag, – begrüßte sie die beiden.
Dann sah Mei Konstantin an und sagte lächelnd:
– Konstantin, hast du mir einen Spezialisten oder einen Bräutigam mitgebracht? Was für ein hübscher Kerl!
Alle lachten.
Der junge Ingenieur wurde etwas verlegen, während Konstantin nur den Kopf schüttelte.
– Einen Spezialisten. Einen Bräutigam musst du dir selbst suchen.
Mei lächelte.
– Schade. Ich dachte schon, du hättest beschlossen, dich gleichzeitig um mein Privatleben zu kümmern.
Wieder wurde gelacht.
Mei beschloss, den neuen Ingenieur sofort mit den übrigen Leitern bekannt zu machen.
– Komm. Ich stelle dich unseren Spezialisten vor.
Sie führte ihn zum Chemiker und zum Sternengucker.
– Das ist unser Chemiker, Leiter der Abteilung für Biochemie und Bioengineering.
– Und das ist der Sternengucker, Leiter der Abteilung für Astrophysik.
Sie begrüßten einander und schüttelten sich die Hände.
– Freut mich, Sie kennenzulernen, – sagte der Ingenieur.
– Ganz meinerseits, – antwortete der Sternengucker.
Der Chemiker lächelte:
– Willkommen. Langweilig wird es hier ganz bestimmt nicht.
Mei wandte sich Konstantin zu.
– Und jetzt habe ich noch eine Aufgabe für dich. Wir brauchen einen Leiter des Sicherheitsdienstes. Such einen geeigneten Menschen.
Konstantin antwortete ruhig:
– Ich habe so jemanden.
Mei sah ihn interessiert an.
– Schon?
– Ja. Ich weiß, wem ich diese Arbeit anbieten kann.
Mei lächelte.
– Dann verlieren wir keine Zeit.
Mei dachte einen Moment nach.
– Moment …
Plötzlich erinnerte sie sich an das Gespräch mit dem Chemiker.
– Ich habe etwas vergessen. In den Proben des Chemikers sind grüne Einschlüsse aufgetaucht.
Mei erzählte Konstantin davon.
Konstantin wurde sofort ernster.
– Grüne Einschlüsse?
– Ja. Er hat sie bei der Arbeit mit den Proben entdeckt. Bislang versteht er nicht, was das ist.
Konstantin dachte einige Sekunden nach.
– Das ist sehr wichtig.
Er sah Mei an.
– Ich werde Anna davon erzählen. Vielleicht sind wir tatsächlich auf dem richtigen Weg.
Mei nickte.
– Das denke ich auch.
Nach der Vorstellung und einem Kaffee bat Mei den Konstruktionsingenieur zu sich.
Sie setzten sich in ihrem Arbeitscontainer zusammen, und Mei ging zu den Aufgaben für die nächste Zeit über.
– Ich habe einen Antrieb auf einem sehr fortgeschrittenen technologischen Niveau. Dafür brauche ich ein zuverlässiges Gehäuse und eine vollständig durchdachte Konstruktion.
Der Ingenieur hörte aufmerksam zu.
– Es müssen zwei Varianten entwickelt werden.
Mei hob einen Finger.
– Die erste ist eine Passagierversion. Zwei Piloten und sechs Passagiere.
Dann fuhr sie fort:
– Die zweite ist eine medizinische Version. Zwei Piloten, sechs Mitglieder des medizinischen Teams und Platz für eine Trage mit vollständiger Reanimationsausrüstung.
Der Ingenieur dachte nach.
– Ist der Antrieb bereits fertig?
– Ja. Der Antrieb ist vorhanden. Deine Aufgabe besteht darin, eine Konstruktion zu schaffen, die seine Möglichkeiten vollständig ausschöpfen kann.
Der Ingenieur lächelte.
– Dann habe ich etwas zu tun.
Mei lächelte ebenfalls.
– Genau. Und Zeit für Langeweile wirst du ganz bestimmt nicht haben.
– Ja. Und du hast einen Assistenten – TOD.
Mei lächelte.
– Er erledigt alles, was erforderlich ist. Du musst ihn nur anleiten und ihm Aufgaben stellen.
Der Ingenieur sah Mei überrascht an.
– Das heißt, ich bekomme vom ersten Tag an einen solchen Assistenten?
– Genau.
Mei stand auf.
– Komm. Ich zeige dir deinen Wohncontainer.
Der Ingenieur erhob sich vom Tisch.
– Sieht so aus, als wäre ich hier nicht einfach nur bei irgendeiner Arbeit gelandet.
– Jetzt beginnst du zu verstehen, – lächelte Mei.
Sie verließen den Arbeitscontainer und gingen zum neuen Arbeitsplatz des Ingenieurs.
Auf dem Weg dorthin stellte Mei noch einmal klar:
– Und noch etwas. Ich brauche kein Raumschiff.
Der Ingenieur sah sie überrascht an.
– Ich brauche ein zuverlässiges, leistungsstarkes und vor allem schnelles Modell.
Der Ingenieur lächelte.
– Ich denke, diese Aufgabe bekomme ich hin.
– Ausgezeichnet, – antwortete Mei.
Nach einer Weile fügte Mei hinzu:
– In zwei Tagen haben wir eine Besprechung. Ich möchte die ersten Entwürfe sehen.
– Abgemacht, – antwortete der Ingenieur.
Er schwieg kurz und fügte hinzu:
– Nur bin ich kein Zeichner.
Mei lächelte.
– TOD zeichnet alles. Mach dir keine Sorgen.
Der Ingenieur lachte.
– Dann muss ich offenbar tatsächlich nur noch erklären, was ich bekommen möchte.
– Genau, – antwortete Mei.
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BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 17
ZWISCHENERGEBNIS
Eine Woche später kam Anna gemeinsam mit dem Team auf die Baustelle des Wissenschaftszentrums.
In der vergangenen Woche hatte jeder der neuen Spezialisten bereits umfangreiche Arbeit geleistet.
Als Erster präsentierte der Konstruktionsingenieur seine Ergebnisse.
Er legte dem Team die ersten Entwürfe der zukünftigen Fluggeräte vor.
Als Nächstes war der Chemiker an der Reihe.
Auf dem Bildschirm erschienen die ersten Formeln und Ergebnisse seiner Arbeit an den Präparaten.
Nach ihm ergriff der Sternengucker das Wort.
Er präsentierte die gesammelten Daten über Ganymed und Titan sowie seine ersten Schlussfolgerungen und Hypothesen.
Anna und die übrigen Teammitglieder hörten jedem aufmerksam zu.
Auf dem Tisch und den Bildschirmen erschienen nach und nach die Ergebnisse einer ganzen Arbeitswoche.
Obwohl sich das Wissenschaftszentrum noch im Bau befand, hatte die Arbeit bereits begonnen.
In jedem Bereich gab es die ersten konkreten Ergebnisse.
Anna betrachtete die Arbeitsergebnisse und lächelte.
– Alles läuft gut. Wir brauchen zwei Passagierjets und fünf medizinische Jets.
Sie wandte sich an Mei:
– Was brauchen wir, um mit der Montage zu beginnen?
Mei dachte kurz nach.
– Zwei vollständig ausgestattete Docks. Und Tore für die Docks.
– Wie lange wird das dauern?
– Die Tore sind bereits unterwegs. Noch ungefähr eine Woche. Die Docks müssen wir allerdings von Grund auf bauen. Sie sind nicht besonders groß, brauchen aber trotzdem Zeit.
– Gut, – antwortete Anna.
Sie wandte sich dem Chemiker zu.
– Wie sieht es mit den Präparaten aus?
– Ich habe die ersten fünf vorbereitet.
Anna nickte.
– Ebenfalls gut. Was brauchen Sie für die weitere Arbeit?
Der Chemiker zählte die benötigte Ausrüstung und die erforderlichen Spezialisten auf.
Anna hörte ihm aufmerksam zu.
– Verstanden.
Dann bemerkte Anna, dass der Sternengucker etwas unsicher dastand.
– Und was haben Sie? – fragte sie.
Der Sternengucker schwieg kurz.
– Ich habe eine Hypothese.
– Sprechen Sie.
– Auf diesen Objekten gibt es Orte, an denen unter bestimmten Umständen nicht nur Roboter, sondern auch Menschen arbeiten könnten.
Im Raum wurde es still.
Alle dachten über seine Worte nach.
Anna sah den Sternengucker an.
– Dann müssen wir diese Hypothese überprüfen.
Anna dachte einige Sekunden nach und sagte dann:
– Wir brauchen Kaffee.
Mei organisierte schnell Kaffee für alle.
Im Raum wurde es still. Alle saßen ruhig da und warteten schweigend darauf, was Anna sagen würde.
Vlad unterbrach die angespannte Stille:
– Alle einmal durchatmen. Wir trinken jetzt Kaffee. Eine Lösung wird es geben.
Er lächelte.
Alle entspannten sich ein wenig.
Etwa fünf Minuten vergingen. Jeder hielt bereits eine Tasse Kaffee in der Hand, doch diese wenigen Minuten kamen allen wie eine Ewigkeit vor.
Anna trank ruhig ihren Kaffee und dachte über das Gehörte nach.
Schließlich stellte sie die Tasse auf den Tisch.
– TOD, bist du bei uns?
– Ja. Ich bin immer bei euch, – antwortete TOD.
– Gut. Halte die Entscheidung Punkt für Punkt fest.
TOD aktivierte die Aufzeichnung.
Anna begann, die Aufgaben aufzuzählen.
– Erstens. In einer Woche findet im Hotel eine erweiterte Besprechung statt. Beginn um 14:00 Uhr.
Sie sah Mei an.
– Mei nimmt mit ihren Mitarbeitern teil.
Mei nickte.
– Zweitens. Konstrukteur – die endgültigen Entwürfe der Jets.
Der Ingenieur machte eine Notiz.
– Drittens. Chemiker – zehn Präparate für den dringendsten Bedarf.
Der Chemiker nickte.
– Viertens. Sternengucker – Karten mit den optimalen Koordinaten auf den Objekten. Jeweils drei Punkte auf jedem.
Der Sternengucker trug die Aufgabe sofort in sein Tablet ein.
Anna sah Mei erneut an.
– Fünftens. Mei, bau gleich drei Docks.
Mei nickte.
Für kurze Zeit herrschte Stille.
– TOD, ich bestätige, – sagte Anna.
– Die Entscheidungen sind festgehalten, – antwortete TOD.
Anna lächelte.
– Ausgezeichnet. An die Arbeit.
Sie stand vom Tisch auf.
– Wir sehen uns in einer Woche. Dann gehen wir im Meer schwimmen!
Alle lächelten.
Anna fügte hinzu:
– Das Treffen findet im Hotel in Italien statt.
Alle lachten und entspannten sich etwas.
Vor ihnen lag eine weitere arbeitsreiche Woche, doch nun hatte jeder eine klar definierte Aufgabe.
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BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 18
SOLDATIN JANE
Konstantin beschloss, Soldatin Jane zur erweiterten Sitzung mitzubringen.
Doch zunächst kehrte er gemeinsam mit dem Kleinen Rat in das Hotel in Italien zurück, wo bereits das Abendessen vorbereitet war.
Alle vier – Vlad, Anna, Lilith und Konstantin – standen auf der Terrasse.
Vlad sagte plötzlich:
– Kommt bitte für einen Moment in mein Zimmer.
Alle waren überrascht.
In den gesamten neun Monaten des Projekts war noch nie jemand in Vlads Zimmer gewesen.
Sie gingen hinein.
Im Inneren gab es keine Möbel.
Nur zwei unglaublich schöne leuchtende Konstruktionen.
Eine leuchtete in sanftem Blau.
Die andere in sanftem Rosa.
Vlad sah das Team an.
– Darf ich vorstellen.
Er zeigte auf die blaue Konstruktion.
– Der Blaue ist TOD.
Dann sah er zur rosafarbenen.
– Die Rosafarbene ist Gora.
Anna sah Vlad überrascht an.
– Gora?
– Ja, – lächelte Vlad.
– TOD und Gora werden immer mehr gemeinsame Aufgaben und Belastungen haben. TOD wird dem Team bei der Arbeit, der Analyse und der Verwaltung von Informationen helfen.
Er sah die rosafarbene Konstruktion an.
– Und Gora wird sich um den Schutz unseres Teams und des gesamten Projekts kümmern.
Für einige Sekunden herrschte Stille im Raum.
Lilith sah Gora aufmerksam an.
– Sieht so aus, als hätten wir ein weiteres Teammitglied bekommen.
Vlad lächelte.
– Genau. Nur unterscheidet sich dieses Teammitglied ein wenig von den anderen.
Alle sahen einander an.
– Und jetzt an den Tisch. Essen. Danach reden wir. Darüber gibt es einiges zu besprechen, – sagte Vlad und lächelte.
Alle lächelten und gingen in den Speisesaal.
Am Tisch begann allmählich das Abendessen. Nach allem, was in den letzten Tagen geschehen war, gab es tatsächlich viel zu besprechen.
Nach dem Abendessen versammelten sich alle wieder auf der Terrasse.
Vlad begann:
– Im letzten Monat haben die Versuche, TOD aufzuspüren, zugenommen. Alle möglichen und unmöglichen Organisationen versuchen, ihn zu entdecken.
Er machte eine kurze Pause.
– Und er hat ohnehin genug Aufgaben. Deshalb brauchen wir einen Schild. Undurchdringlich und vorausschauend.
Anna hörte aufmerksam zu.
– Natürlich ist es bisher unmöglich, uns aufzuspüren, – fuhr Vlad fort. – Aber alles verändert sich. Die Technologien entwickeln sich weiter, die Menschen werden hartnäckiger.
Er sah die anderen an.
– Es ist besser, im Voraus vorbereitet zu sein, als später zu versuchen, die Situation zu korrigieren.
Lilith sah Vlad nachdenklich an.
– Deshalb Gora?
– Genau, – antwortete Vlad. – TOD soll sich um das Projekt kümmern. Und Gora soll dafür sorgen, dass das Projekt und das Team in Ruhe arbeiten können.
Alle atmeten erleichtert auf.
Vlad fuhr fort:
– Was ist mit Soldatin Jane? – fragte er Konstantin.
– Sie wird beim Großen Rat dabei sein, – antwortete Konstantin.
– Gut, – sagte Vlad.
Er lächelte und fügte hinzu:
– Neun Monate. Bei einer normalen Frau wäre die Zeit jetzt auch schon gekommen.
Alle lächelten.
Anna lachte:
– Ja. Wir brauchen ein Fest!
– Ein Fest zum Abschluss der dritten Etappe des Projekts, – stellte Vlad klar.
Alle stimmten zu.
– Dann auf jeden Fall nach dem Großen Rat, – sagte Lilith. – Ich kümmere mich darum.
Die Stimmung auf der Terrasse wurde sofort noch herzlicher.
Vlad fügte hinzu:
– Und noch etwas. Soldatin Jane soll den Sicherheitsdienst des Wissenschaftszentrums leiten.
Konstantin nickte.
– Sie wird das schaffen.
Vlad sah die anderen an.
– Außerdem halten wir zwischen dem Großen Rat und dem Bankett noch eine weitere Ratssitzung ab. Acht Personen – nur die oberste Leitung.
Anna sah ihn aufmerksam an.
– Und was werden wir besprechen?
Vlad lächelte.
– Den Beginn des Projekts „Ozean“.
Auf der Terrasse wurde es wieder still.
Alle verstanden, dass sich hinter diesen Worten der Beginn einer neuen, noch umfangreicheren Etappe des Projekts verbarg.
Vlad sah alle an und lächelte.
– Das war alles für heute. Jetzt ruht euch aus.
Alle standen vom Tisch auf.
Vor ihnen lagen neue Aufgaben, der Große Rat, das Kennenlernen mit Jane und der Beginn einer neuen Etappe des Projekts.
Doch vorerst konnten sie sich einfach ausruhen.
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Autor: Vlad Korn
KAPITEL 19
DER GROSSE RAT
Der Morgen im Hotel begann ruhig.
Nach mehreren angespannten Arbeitswochen hatte das Team endlich die Möglichkeit, sich etwas auszuruhen. Doch heute war ein besonderer Tag – die erweiterte Sitzung, der Große Rat, stand bevor.
Nach und nach versammelten sich die Teilnehmer im Konferenzraum.
Alles war im Voraus vorbereitet worden: ein großer Tisch, Bildschirme, Tablets und die notwendigen Unterlagen.
Anna betrat als eine der Ersten den Saal und sah sich um.
Wenige Minuten später kamen die anderen hinzu.
Einige machten Scherze, andere besprachen die letzten Neuigkeiten aus der Arbeit. Trotz der Bedeutung des bevorstehenden Gesprächs blieb die Atmosphäre ruhig und beinahe familiär.
Anna sah auf die Uhr.
– Nun, es scheint, als wären alle da.
Vlad lächelte.
– Dann können wir anfangen.
Die Türen des Konferenzraums wurden geschlossen.
Der Große Rat begann.
Die Sitzordnung war ungewöhnlich.
Anna nahm den zentralen Platz ein. Rechts von ihr setzte sich der Chefarzt, links Mei.
Hinter Mei nahm ihr gesamtes Team Platz. Danach setzten sich die übrigen Teilnehmer des Rates ohne feste Reihenfolge.
Besonders fielen Daniel und Jeanne auf.
Zwischen ihnen hatte sich schon seit Längerem eine Beziehung entwickelt. Es war deutlich zu sehen, dass zwischen ihnen echte Gefühle entstanden waren und sie schon bald heiraten wollten.
Anna sah in die Runde und lächelte.
– In dieser Besetzung treffen wir uns zum ersten Mal. Fast wie eine Hochzeitsprobe!
Alle lachten und sahen das verliebte Paar an.
– Ach, hört doch auf, – sagte Jeanne etwas verlegen.
Anna lächelte.
– Machen wir weiter.
Sie machte eine kurze Pause.
– Das Medizinische Zentrum ist praktisch fertig. In drei Monaten findet die offizielle Eröffnung statt.
Anna holte einen kleinen elektronischen Schlüssel aus der Tasche.
– Deshalb beginnen wir mit etwas Angenehmem.
Sie reichte dem Chefarzt den Schlüssel.
– Der Chefarzt packt nach all den Feierlichkeiten gemeinsam mit seiner Familie seine Sachen und zieht in die neue Wohnung im Medizinischen Zentrum. Sie ist vollständig fertig. Und dann beginnen Sie mit den bereits eingestellten Mitarbeitern zu arbeiten.
– Patienten nehmen wir entsprechend dem Ausbau der einzelnen Abteilungen auf.
Anna sah TOD an.
– Das System bleibt unverändert. TOD erstellt die Patientenliste.
Dann ließ Anna den Blick über die anderen schweifen.
Anna sah Mei an.
– Beim medizinischen Komplex ist alles klar. Weiter mit dem Wissenschaftszentrum. Mei, berichte.
Mei nickte.
– Beim Bau sind wir zu fünfzig Prozent fertig. Alles läuft nach Plan.
Sie öffnete den nächsten Abschnitt auf dem Bildschirm.
– Zur Konstruktionsabteilung: Drei Docks für die Montage der Jets sind vorbereitet. Sie sind vollständig von der Außenwelt isoliert.
Mei wechselte zu den nächsten Daten.
– Die zehn grundlegenden Präparate wurden entwickelt und die erste Kleinserie hergestellt.
Dann ging sie zum nächsten Punkt über.
– Die Abteilung des Sternenguckers hat die erforderlichen Karten und sämtliche Unterlagen zu den Objekten vorbereitet.
– Außerdem wurden die Unterlagen für die Produktion eines Scanners zur dreidimensionalen Modulation des Menschen vorbereitet. Er ist für die Diagnose der wichtigsten Erkrankungen vorgesehen.
Anna hörte sich den Bericht aufmerksam an.
– Könnt ihr innerhalb von drei Monaten von allem, was ihr entwickelt habt, jeweils einen Prototyp bauen?
Mei dachte kurz nach.
– Ja. Wenn wir nach dem genehmigten Zeitplan arbeiten, können wir die Prototypen vorbereiten.
Anna nickte.
– Gut. Wenn wir die erweiterten Stellenpläne freigeben, schafft ihr das?
– Das schaffen wir, – antwortete Mei selbstbewusst.
– Gut, bestätigt. Die Personalabteilung beginnt mit der vollständigen personellen Besetzung des gesamten Projekts.
Anna sah Daniel an.
– Daniel, finanzieren.
– Mache ich, – antwortete er.
– Und Mittel für zukünftige Erweiterungen einplanen.
Daniel machte eine Notiz auf seinem Tablet.
Anna sah Jeanne an.
– Jeanne, hast du dir überlegt, wie das alles fliegen soll?
Jeanne lächelte.
– Ja. Eine kleine private Fluggesellschaft mit den entsprechenden Lizenzen.
Anna lächelte zurück.
– Wie immer gute Arbeit.
Dann sah Anna Sonja an.
– Sonja, unser Sonnenschein, wie sieht es mit den Leuten aus?
Sonja öffnete ihre Aufzeichnungen.
– In neun Monaten konnten wir eine gute Personalreserve aufbauen. Mit dem Personal wird es keine Probleme geben.
– Gut, unser Sonnenschein.
Anna sah Kassandra an.
– Kassandra, wie sieht es mit den Niederlassungen aus?
Kassandra öffnete ihren Abschnitt.
– Die erste – Kanada, Québec.
Sie machte eine kurze Pause.
– Die zweite – Japan, Fukushima.
Im Saal wurde es etwas stiller.
– In Japan schlage ich vor, den alten Reaktor abzureißen und an seiner Stelle ein Medizinisches Zentrum zu bauen. Die japanische Seite ist sogar bereit, hundert Millionen Dollar für den Rückbau bereitzustellen.
– Ausgezeichnet, – sagte Anna.
Sie sah Daniel an.
– Daniel, nimm das in den Finanzierungsplan auf.
Dann wandte sie sich an Kassandra:
– Und du schaltest den Architekten und die Bauunternehmen ein. Sie sollen anfangen.
TOD antwortete sofort:
– Plan bestätigt.
Anna nickte.
– Ausgezeichnet. Wir machen weiter.
Dann wandte Anna sich an Konstantin:
– Konstantin, stell uns das neue Teammitglied vor. Soldatin Jane – Leiterin des Sicherheitsdienstes des Wissenschaftszentrums.
Konstantin stand auf.
– Jane, bitte.
Jane erhob sich und stellte sich dem Team vor.
Mei sah sie erleichtert an.
– Gott sei Dank!
Alle sahen Mei an.
– Was denn? Haben Sie schon einmal versucht, Schichtleiter einzuweisen? – fragte sie.
Konstantin lächelte.
Das ganze Team lachte.
Anna sah Jane ruhig an.
– Jane, hast du Fragen?
– Nein.
Anna nickte.
– Gut. Die Position und die Empfehlungen bedürfen keiner weiteren Erklärung.
Jane nickte kurz.
Anna fuhr fort:
– Die Konstruktionsabteilung richtet eine eigene Gruppe für medizinische Geräte ein.
Der Konstruktionsingenieur nickte.
– Verstanden.
– Chemiker, richten Sie eine Abteilung für Bioengineering ein.
– Machen wir, – antwortete er.
Anna sah den Sternengucker an.
– Sternengucker, berechnen Sie die Überlebenswahrscheinlichkeiten auf den Objekten.
– Verstanden. Ich beginne mit den Berechnungen.
Anna schloss ihr Tablet.
– Das war's. Der offizielle Teil ist für heute beendet. Alle bereiten sich auf das Bankett vor.
Sie sah auf die Uhr.
– Bis zum Bankett ist noch eine Stunde. Das Personal braucht Zeit, um alles vorzubereiten.
Dann fügte sie hinzu:
– Kleiner Rat – in einer halben Stunde in meinem Zimmer.
Vlad, Lilith und Konstantin nickten.
KLEINER RAT
Eine halbe Stunde später versammelte sich der Kleine Rat in Annas Zimmer.
Im Raum waren Vlad, Anna, Lilith und Konstantin.
Vlad sah die anderen an.
– Ich habe euch gebeten, zusammenzukommen. Zwei Themen.
Er machte eine kurze Pause.
– Das erste – die Energie, die erwacht ist. Die grüne.
Alle wurden sofort ernst.
– Das zweite – das Projekt „Ozean“.
Vlad sah Anna an.
– Ich beginne mit dem Ozean.
Er zeigte die ersten Materialien auf dem Bildschirm.
– Ein Seestartplatz für den Weltraum.
Lilith sah ihn aufmerksam an.
– Lilith, bereite einen Vertrag mit den Italienern vor. Du weißt, mit wem genau. Sie sollen die größte Werft Italiens übernehmen.
Lilith nickte.
– Verstanden.
– Und sie sollen die vier größten ausgemusterten Kreuzfahrtschiffe aufkaufen. Sie müssen vollständig zu schwimmenden Fabriken umgebaut werden.
– Verstanden.
Vlad wandte sich Konstantin zu.
– Du setzt dich mit den Koreanern in Verbindung. Aber nur wegen der Bohrplattformen.
Konstantin nickte.
Dann sah Vlad Anna an.
– Und du holst den Architekten dazu. Wir brauchen einen Entwurf für einen Seestartplatz auf Grundlage des vorhandenen Materials.
Anna machte eine Notiz auf ihrem Tablet.
– Verstanden.
Vlad sah alle an.
– Es gibt drei Artefakte, die in ihrer Kraft dem Äther, dem Tesserakt und Hera ähneln.
Alle hörten aufmerksam zu.
– Ihr habt die Filme gesehen und könnt euch deshalb ungefähr vorstellen, was der Tesserakt und der Äther sind. Aber Hera ist etwas anderes.
Vlad machte eine Pause.
– Das ist Energie zum Erschaffen, nicht zum Zerstören.
Alle sahen einander an.
– Sie erwacht, wenn die Zahl der Seelen ungefähr zweihundert Milliarden erreicht.
Anna dachte nach.
– Derzeit beträgt die Bevölkerung etwa zehn Milliarden …
– Richtig, – antwortete Vlad. – Und die übrigen ungefähr hundertneunzig Milliarden …
Er lächelte.
– Kurz gesagt, für alle wurde ein Platz gefunden.
Für einige Sekunden herrschte Stille, dann lächelte Lilith.
Vlad fuhr fort:
– Im Austausch für Hera haben wir die Möglichkeit erhalten, ihre Energie zu nutzen.
Er wurde ernster.
– Jetzt müssen wir festlegen, wer Zugang zu den mit Hera verbundenen Technologien erhält.
Anna sah die anderen an.
Vlad stand auf.
– Denkt bis morgen darüber nach. Morgen besprechen wir es.
Er lächelte.
– Aber heute wird gefeiert. Gehen wir zu den anderen.
Der Kleine Rat stand auf und ging zu den übrigen Teammitgliedern.
Heute konnten die ernsten Entscheidungen bis morgen warten.
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Autor: Vlad Korn
KAPITEL 20
DER LUSTIGE ROGER
Der Morgen begann ruhig.
Der Kleine Rat saß beim Frühstück zusammen. Auf dem Tisch standen Kaffeetassen, und nach dem ereignisreichen gestrigen Tag wirkten alle etwas entspannter.
Vlad sah Anna an.
– Nun, habt ihr darüber nachgedacht?
Anna stellte ihre Tasse auf den Tisch.
– Meine Meinung ist folgende. Mei, der Konstrukteur, der Chemiker, der Sternengucker und Soldatin Jane sollten Zugriffsstufe fünf erhalten.
Im Raum entstand eine kurze Pause.
Vlad sah Lilith und Konstantin an.
– Was meint ihr?
Sie sahen einander an und nickten.
Vlad lächelte.
– Ihr gefallt mir immer besser.
Er machte eine kurze Pause.
– Und das ist die richtige Entscheidung. Erhöhe ihre Zugriffsstufe auf fünf. Bei allen.
Anna nickte.
Vlad nahm seine Kaffeetasse.
– Und jetzt essen wir erst einmal. Danach erzähle ich ihnen eine interessante Geschichte, bevor sie endgültig im Alltag versinken.
Alle lächelten.
Gegen vier Uhr nachmittags trafen sie im Wissenschaftszentrum ein.
Ihr Erscheinen kam völlig überraschend. Niemand hatte mit Vlad, Anna, Lilith und Konstantin gerechnet.
Vlad sah sich um und wandte sich an Mei:
– Mei, versammle die Leitung. Sofort.
Alle kamen in Meis Wohncontainer zusammen.
Vlad sah die Anwesenden an.
– Es ist dringend und wie immer geheim.
Im Raum wurde es sofort still.
Vlad erzählte ihnen noch einmal die gesamte Geschichte über die neue Energie – über die erwachte Hera, ihre Natur und ihr gewaltiges Potenzial.
Dann sagte er:
– Eure Zugriffsstufen wurden erhöht. Ich möchte, dass ihr begreift: Diese Energie existiert. Zumal einer von euch bereits selbst darauf gestoßen ist.
Er sah den Chemiker an.
Der Chemiker verstand sofort und nickte leicht.
– Kurz gesagt, ihr habt alle gute Arbeit geleistet. Geht jetzt und lebt mit diesem Wissen, – Vlad lächelte.
Er machte eine kurze Pause.
– Bei allem anderen wird TOD euch im Laufe der Arbeit helfen.
– An die Arbeit, Freunde, – sagte Vlad. – Und wir sprechen noch mit eurer Chefin und Soldatin Jane.
Der Chemiker, der Konstrukteur und der Sternengucker standen auf.
– Gehen wir, – sagte der Chemiker.
Sie verließen den Wohncontainer.
Sechs Personen blieben zurück.
Vlad sah Mei und Jane an.
– Setzt euch.
Beide setzten sich.
– Zuerst Lilith. Zeig es ihnen.
Lilith stand auf und zeigte ihre wahre Gestalt.
Auf Meis und Janes Gesichtern erschien unverfälschtes Erstaunen.
Mei sagte leise:
– Ich hatte das Gefühl, dass du genau diejenige bist …
Jane sagte nichts, doch an ihrem Blick war zu erkennen, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief.
Vlad sah Anna an.
– Jetzt Anna. Zeig ihnen die Energie.
Anna streckte die Hände aus, und zwischen ihren Handflächen erschien eine grüne Energiewolke.
– Halt sie noch ein wenig, – sagte Vlad. – Gib ihnen Zeit.
Er sah Mei an.
– Mei muss verstehen, wonach genau sie sucht.
Vlad fuhr fort:
– Alle Signaturen und Ausgangsdaten hat TOD. Jetzt haben wir etwas, womit wir arbeiten können.
Anna deaktivierte das grüne Feld.
– Freundin, aber denk daran: Mit dem Jumper ist es sehr umständlich und langwierig, zu euch zu kommen.
Alle lachten wieder.
– Wir müssen los, – sagte Vlad. – Begleite uns, Soldatin Jane.
Schon beim Verlassen des Wohncontainers sah Vlad sie an:
– Ich habe gehört, du hast einen Freund. Den Lustigen Roger. Wie bekommen wir ihn hierher?
Jane runzelte die Stirn.
– Ein hervorragender Kämpfer und ein guter Mensch. Aber nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst hat er angefangen zu trinken.
Anna sagte ruhig:
– Wir bringen ihn wieder in Form. Schnell.
Jane schüttelte den Kopf.
– Allein schaffe ich das nicht.
– Fahr mit Konstantin, gut? – sagte Vlad.
– Wann brauchen wir ihn?
Vlad sah Jane an.
– Heute.
– Ich fahre mit den Mädchen zurück ins Hotel in Italien. Ihr holt den Kerl und bringt ihn dorthin. Dort bringen wir ihn wieder in Form.
Alle verabschiedeten sich und machten sich entsprechend dem Plan auf den Weg.
STADTRAND VON KAIRO
Ein heruntergekommener Teil am Stadtrand von Kairo.
Ein halb verfallener Laden, leere Flaschen, Gestank und ein Mann, der direkt auf dem Boden saß.
Konstantin und Jane kamen näher.
– Das ist er, – sagte Jane.
– Gut, – sagte Konstantin.
Er setzte ihm schnell eine Spritze.
– Warten wir fünf Minuten.
Fünf Minuten später sprang der Mann plötzlich vom Boden auf und murmelte etwas wütend und finster vor sich hin.
Doch als er Jane und Konstantin sah, erstarrte er.
Eine Sekunde später umarmten sie sich bereits – alte und treue Freunde.
– Ich freue mich, euch zu sehen.
Roger sah sie an.
– Seid ihr gekommen, um einen Rentner zu besuchen?
– Nein, – antwortete Jane. – Ich habe eine gute Arbeit, und ich brauche einen Assistenten.
– Wieder jemanden töten? – fragte Roger.
– Nein, – sagte Konstantin.
– Jemanden entführen oder ausrauben?
– Ein Drogenkartell? – fragte Jane.
– Nein.
Roger sah sie misstrauisch an.
– Jetzt bin ich neugierig.
– Weiter, – grinste Jane. – Wenn das auf der Erde erledigt werden müsste, würde ich dich nicht stören. Aber …
– Was, Gangster auf dem Mond?
– Nein, – antwortete Konstantin. – Dorthin fliege ich selbst schnell.
Roger dachte nach.
– Ein bisschen weiter. Aber nicht sofort.
– Du musst erst wieder in Form kommen. Wenn das klappt, dann …
– Und wie lange muss ich lernen?
– Drei Monate.
– Und das Geld?
– Zehntausend im Monat.
Roger verstummte.
– Im Ernst? Ohne Töten und Drogen?
Konstantin und Jane sahen einander an.
– Warum habt ihr nicht gleich die Summe genannt? Ihr erzählt mir hier allen möglichen Unsinn.
Roger stand auf.
– Natürlich komme ich mit. Allerdings habe ich nicht einmal eine eigene Zahnbürste.
Jane zog eine neue Zahnbürste aus der Tasche.
– Habe ich zufällig an einer Tankstelle gekauft.
Roger sah sie an und lachte.
– Jane, du bist wirklich die Alte geblieben! Los geht's, Freunde.
ITALIEN. HOTEL. ZWEI UHR NACHTS
Sie waren gerade erst im Hotel angekommen.
Konstantin sah Roger und Jane an.
– Alle schlafen. Morgen reden wir.
MORGEN. HOTELTERRASSE. 9:00 UHR
Vlad stand neben Anna, als ein junger Mann aus dem Zimmer kam.
Er war ordentlich gekleidet, rasiert und frisch frisiert. Von seinem früheren Erscheinungsbild war fast nichts mehr übrig.
Vlad lächelte.
– Guten Morgen, Lustiger Roger.
– Ich bin Vlad. Das ist Anna.
Er zeigte auf Konstantin und Jane:
– Konstantin und Jane kommen gleich. Gehen wir frühstücken.
Beim Frühstück gab es eine Auswahl aus praktisch allen Küchen der Welt.
Roger sah überrascht auf den Tisch.
Anna lächelte:
– Wundern Sie sich nicht. Vorgestern war ein Bankett, es waren viele Gäste da. Es wäre schade, die Lebensmittel wegzuwerfen, deshalb versuchen wir zu retten, was noch zu retten ist.
Sie sah auf die riesige Auswahl an Speisen.
– Kurz gesagt, die Gastgeber essen die Reste ihrer Gäste auf.
– Ungefähr so, – sagte Anna.
Alle lachten.
Anna begann das Gespräch:
– Wir haben ein Projekt. Es gibt ein Medizinisches Zentrum und ein Wissenschaftszentrum. Und jetzt starten wir das Projekt „Ozean“. Es ist ein Seestartplatz für Raketen.
Sie sah Roger an.
– Wir brauchen einen Leiter des Sicherheitsdienstes.
Roger sah sie überrascht an.
– Und das ist alles? Ein Wachmann?
– Nein, – lächelte Anna. – Dort werden ungefähr dreitausend Menschen arbeiten. Es sind vier Kreuzfahrtschiffe und zwölf Bohrplattformen zusammen.
Roger dachte nach.
– Das ist ja eine ganze Stadt.
– Ja, – sagte Anna.
– Also, übernimmst du es?
– Für zehntausend?
– Ja.
Roger grinste.
– Ihr werdet wissen, was jeder gegessen hat und wie es wieder herauskam. Ich mache es.
Jane sah ihn an.
– Er ist ein bisschen grob.
Anna lächelte.
– Genau so jemanden brauchen wir dort.
Roger sah Konstantin an.
– Und wo wird das alles sein?
Konstantin lächelte.
– Im Ozean.
Roger nickte.
– Du liebst doch den Ozean?
– Ja, ich liebe den Ozean.
Глава 21-30
KAPITEL 21
PROJEKT „OZEAN“
Soldatin Jane und der Lustige Roger fuhren zum Wissenschaftszentrum.
Zurück blieben nur die Mitglieder des Kleinen Rates.
Alle setzten sich mit Kaffee auf die Terrasse.
Konstantin begann als Erster:
– Bevor wir über das Projekt „Ozean“ sprechen, müssen wir eine wichtige Frage klären.
Pause.
– Wir müssen TOD und Gora ins Medizinische Zentrum verlegen. Dort sind die Räume und ein fünfstufiges Sicherheitssystem bereits vorbereitet. Dann bin ich beruhigter.
Vlad nickte.
– Ja. Die Räume für sie wurden bereits vor drei Monaten gebaut und verstärkt. Wir dürfen es nicht länger hinauszögern.
Anna bestätigte:
– Ich bestätige die Verlegung von TOD und Gora ins Medizinische Zentrum.
Sie seufzte:
– Als würde ich meine Kinder weggeben …
Lilith lächelte:
– Was ist denn, Freundin? Sie sind bei uns. Immer, egal wo sie sich befinden.
– Nicht wahr, TOD, – fragte Lilith, – immer?
– Immer, – antwortete TOD.
Anna sah ihn an:
– Und was denkst du darüber?
– Das Medizinische Zentrum ist eine Festung. Besonders die unterirdischen Ebenen. Mir gefällt es dort. Ich beobachte den Bau ständig.
– Na also, ausgezeichnet, – sagte Vlad.
Er sah die anderen an.
– Ich werde die Teleportation einmalig einsetzen. Wir sind technologisch noch nicht so weit.
Alle hörten ihm zu und nickten.
Vlad fuhr fort:
– Anna und ich bleiben hier. Konstantin und Lilith sind dort, im Raum für TOD und Gora.
Er machte eine Pause.
– Wir schalten hier alles ab. Ihr schließt dort alles an. Danach geht ihr hinaus und alles wird versiegelt.
– Verstanden, – antworteten die anderen gleichzeitig.
Vlad nickte.
– Dann morgen. Ja, morgen. Ihr müsst schließlich noch dorthin kommen.
DIE VERLEGUNG
Am nächsten Tag. Sechs Uhr morgens.
Konstantin und Lilith fuhren zum Flughafen.
Vlad und Anna blieben zurück, warteten auf den Anruf und beschäftigten sich gleichzeitig mit der weiteren Planung des Projekts.
Die Zeit verging unbemerkt.
Um zwei Uhr nachmittags kam der Anruf.
Vlad sah auf den Bildschirm.
– Sie sind es, – sagte Vlad. – Es ist Zeit.
Vlad und Anna gingen in Vlads Zimmer, in dem sich TOD und Gora befanden.
– Es ist Zeit, Freunde. Ich hoffe, die Reise dauert nicht lange, – sagte Vlad.
Anna und Vlad trennten TOD und Gora von den Systemen.
Vlad formte im Raum einen Tunnel, und wenige Augenblicke später befanden sich TOD und Gora im vorbereiteten Raum des Medizinischen Zentrums.
Konstantin und Lilith schlossen sie sofort an die Systeme an.
Fünf Minuten lang herrschte Totenstille.
Plötzlich begannen TOD und Gora gleichzeitig zu leuchten.
Konstantin lächelte:
– Willkommen zurück, Freunde.
TOD antwortete:
– Die Kalibrierung und die Wiederherstellung der Daten aus den verlorenen Minuten werden einige Zeit in Anspruch nehmen.
Gora sagte:
– Bei mir ist alles in Ordnung. Ich habe die Arbeit aufgenommen.
Alle atmeten erleichtert auf.
– Kommt schnell ins Hotel zurück, – sagte Vlad.
– Gut, – antworteten Lilith und Konstantin.
BEGINN DES PROJEKTS „OZEAN“
Am nächsten Morgen. Hotelterrasse.
Das Team saß wieder beim Kaffee zusammen.
Anna sah Vlad an:
– Jetzt zum Projekt „Ozean“.
Vlad nickte.
– Lilith, zu den Italienern. Du fährst zusammen mit Konstantin und ihr sprecht mit ihnen.
Dann sah er Anna an:
– Anna, nimm Kontakt mit den Koreanern auf.
Er machte eine kurze Pause.
– Und ich werde den „Ozean“ selbst überprüfen. Ich suche einen ruhigeren Ort.
Vlad machte sich auf den Weg, um die Sargassosee als Standort für das Projekt „Ozean“ zu prüfen.
ITALIENISCHES GEFÄNGNIS
Lilith fuhr in ein italienisches Gefängnis, um zwei Kriminelle mittleren Ranges zu besuchen.
Schutzgelderpressung, Erpressung, Betrug und alle anderen Freuden des kriminellen Lebens.
Gemeinsam mit Vlad hatte sie ihnen den Chemiker abkaufen wollen. Nun saßen beide wegen des versuchten Ankaufs einer kleinen Waffenlieferung im Gefängnis.
Italien. Gefängnis. Besucherraum.
Zwei Männer saßen am Tisch.
Der erste war Iwan Djatlow, genannt Specht.
Der zweite war Jack Kelly, ein Ire, genannt Hammer.
Sie hatten offensichtlich nicht erwartet, wer sie besuchen würde.
Die Tür öffnete sich.
Lilith betrat den Raum.
Sie lächelte:
– Habt ihr ein Mädchen bestellt?
Beiden verging sofort das Lächeln.
– Beruhigt euch, Jungs. Ich werde euch nicht aufhängen. Ihr habt eine Seele.
Lilith setzte sich ihnen gegenüber.
– Ich habe eine Arbeit für euch.
Beide wurden aufmerksam.
– Wenn ihr sie in drei Monaten erledigt, bekommt ihr eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung und jeweils fünftausend.
Specht runzelte die Stirn:
– Ich dachte, wir hätten fünf Jahre bekommen.
Lilith lächelte:
– Aber ich habe eine gute Anwältin.
– Habt ihr gehört? Hier im Gefängnis sitzen zwei verwöhnte Söhne aus der italienischen Mafia.
– Ja, – antworteten sie.
– Sie sollen in diesen drei Monaten alle Härten und Entbehrungen des Gefängnislebens zu spüren bekommen. Könnt ihr das organisieren?
Sie dachten ein paar Minuten nach.
– Die beiden Mafia-Söhnchen fertigmachen? Leicht. Machen wir.
Lilith lächelte.
– Dann kommt in einer Woche eine Anwältin. Ihr unterschreibt die Papiere.
Sie stellte ein Paket neben sie.
– Und bis dahin habe ich euch etwas mitgebracht. Tee, Zigaretten und so weiter.
Dann holte sie eine Dose Kondensmilch heraus.
– In der Dose ist etwas Bargeld, damit ihr eure Angelegenheiten leichter regeln könnt.
Lilith stand auf.
– Dann sehen wir uns in drei Monaten.
Specht und Hammer machten sich eifrig an die Arbeit.
Sie einigten sich schnell mit mehreren Wärtern, und im Gefängnis begann ein echtes „Vergnügen“. Die beiden Mafia-Söhnchen begriffen schnell, dass die nächsten drei Monate für sie nicht leicht werden würden.
DIE ARBEIT BEGINNT
Lilith fuhr zu den Mafiosi.
Wie beim ersten Mal saßen sie in einem Café und regelten irgendwelche Angelegenheiten.
Lilith ging an ihren Tisch.
– Hallo, Jungs.
Ein eisiger Schauer lief ihnen über den Rücken.
Einer von ihnen sagte langsam:
– Bist du wegen uns hier?
– Nein, – sagte Lilith. – Es gibt eine wichtige Arbeit.
Sie setzte sich ihnen gegenüber.
– Ihr kontrolliert die Häfen und Docks?
– Ja, – antworteten sie.
– Ich brauche das größte Dock.
Lilith umriss die Aufgabe in wenigen Worten.
– Für jedes fertiggestellte Schiff bekommt ihr fünfzig Millionen Euro netto. Interessiert?
Beide antworteten gleichzeitig:
– Ja.
Lilith lächelte.
– Dann kommen die Juristen unter der Leitung von Jeanne. Ihr regelt alles mit ihnen.
Sie stand auf.
– Ich verlasse mich auf euch, Jungs.
– Wir werden dich nicht enttäuschen, – antworteten sie.
DAS PROJEKT NIMMT FAHRT AUF
Die Einrichtung des Projekts „Ozean“ begann.
Anna vereinbarte mit einer Werft in Hongkong den Kauf von zwölf alten Bohrplattformen und ihren Umbau für die Bedürfnisse des Projekts „Ozean“.
Das Projekt nahm Fahrt auf.
Konstantin regelte mit der Yakuza die Fragen der Logistik und Begleitung.
Alles kam ins Rollen.
Nun warteten sie auf die Entwürfe des Architekten, damit die Montage im Ozean beginnen konnte.
Vier Kreuzfahrtschiffe und zwölf Bohrplattformen ließen sich nicht so einfach zu einem einzigen System verbinden und sinnvoll im Ozean anordnen. Vor Beginn der Montage musste alles bis ins kleinste Detail durchdacht werden.
Der Architekt bat um zwei Wochen.
– Das ist nicht so einfach, – sagte er. – Das ist der Ozean. Bei der Anordnung, den Verbindungen zwischen den Objekten und der gesamten Konstruktion des Komplexes dürfen wir keine Fehler machen.
Vlad nickte:
– Gut. Wir arbeiten ohne Eile. Wir brauchen ein Ergebnis.
RAUMFAHRTABTEILUNG
Anna nahm über TODs geschützte Verbindung Kontakt mit Mei auf.
– Hallo, Mei.
– Hallo, Anna.
– Weißt du, dass wir das Projekt „Ozean“ gestartet haben?
– Ja. Ich habe die Zusammenfassung der Entscheidungen gesehen.
Anna machte eine kurze Pause.
– Und was werden wir bei dir starten? Gibt es schon Entwürfe?
– Nein. Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen.
– Dann richtet eine Raumfahrtabteilung ein und bereitet das dritte Dock für eine Shuttle-Rakete vor. Was auch immer ihr dort entwickeln werdet. In zwei Wochen möchte ich die Entwürfe sehen.
Mei dachte nach.
– Ich schreibe Sonja sofort wegen des Personalplans. Ich denke, das ist machbar. Die Entwürfe sind in zwei Wochen fertig.
– Sehr gut. Brav.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 22
DER ERSTE ERFOLG
Bis zur Eröffnung des Medizinischen Zentrums blieb noch ein Monat.
Das gesamte Team begann, die neuen geräumigen Wohnungen zu beziehen.
Im 11. Stock befanden sich die Wohnungen von Anna, Konstantin, Lilith und Vlad.
Im 10. Stock lagen die Wohnungen von Jeanne, Daniel, Kassandra und Sonja.
Vom 5. bis zum 9. Stock befanden sich die Wohnungen der Spezialisten. Im 9. Stock lagen außerdem die Wohnungen des Chefarztes und der Abteilungsleiter des Zentrums.
Der 12. Stock war vollständig für Büros vorgesehen: acht Büros und zwei Besprechungsräume.
Der Sicherheitsdienst belegte die gesamte Ebene −2 und sperrte damit die dritte untere Ebene ab.
Die Ebene −1 war als Mitarbeiterparkplatz vorgesehen.
Das Zentrum begann allmählich zum Leben zu erwachen.
DAS HOTEL
Anna saß in ihrem neuen Büro. Plötzlich kam ihr ein Gedanke:
– Wir müssen die Sache mit dem Hotel klären.
Sie rief Sonja an.
– Sonja, sprich mit Kassandra. Sie soll den Vertrag mit dem Hotel um fünf Jahre verlängern. Lilith hatte es nur für ein Jahr gemietet.
Anna dachte kurz nach:
– Zwei Zimmer und ein Büro bleiben für den Kleinen Rat reserviert. Die übrigen Zimmer verteilst du unter den Mitarbeitern, damit sie sich dort mit ihren Familien erholen können.
– Ja, – antwortete Sonja. – Ich erledige alles.
ANNA UND KONSTANTIN
Später beschloss Anna, mit Konstantin zu sprechen.
– Hast du heute Abend Zeit?
– Ja, – antwortete er.
– Dann verplane den Abend nicht. Wir haben ein Date.
– Gibt es in unserem Komplex ein Restaurant?
– Ja.
– Dann reserviere ich einen Tisch für zwei.
Am Abend trafen sie sich im Restaurant des Medizinischen Zentrums.
– Ohne großes Vorspiel. Jetzt trinken wir etwas, unterhalten uns und gehen danach zu mir nach oben, – sagte Anna.
Sie lächelte:
– Wir wohnen bei mir. In deine Wohnung gehst du nur, wenn du etwas ausgefressen hast.
Konstantin grinste:
– Ich widerspreche nicht. Einverstanden.
Sie unterhielten sich lange und gingen danach zu Anna hinauf.
Die Nacht war zauberhaft.
„Sieht so aus, als hätte sich alles eingerenkt“, dachte Anna.
DIE HOCHZEIT
Am Morgen tranken Anna und Konstantin Kaffee.
Eine Nachricht von Jeanne und Daniel kam an. Sie hatten beschlossen, am Tag der Eröffnung des Medizinischen Zentrums zu heiraten und wollten das Hochzeitsdatum mit dem Projekt verbinden.
– Nicht schlecht, – sagte Konstantin.
– Ja, – bestätigte Anna. – Ich weiß nur nicht, wie wir das miteinander verbinden sollen.
Konstantin sah sie an:
– Wir haben jemanden, der das weiß.
Beide sagten gleichzeitig:
– Lilith!
Anna sagte:
– Schreib Jeanne, Lilith soll sich darum kümmern.
– Gut.
FESTLICHE BESPRECHUNG
Am nächsten Tag kamen alle zusammen.
Anna begann:
– Bis zur Eröffnung sind es drei Wochen. Wie regeln wir die Hochzeit?
Lilith lächelte:
– Ich regle alles. Aber es gibt immer ein „Aber“ …
Vlad sah sie an:
– Sprich, Lilith.
Nach einer kurzen Pause sagte Lilith:
– Ich bitte darum, Luzifer, die Rechte Hand, für das Fest zurückzubringen. Nur für die Dauer der Feier wiederzuerwecken.
Stille trat ein.
Vlad lächelte schließlich:
– Gar nicht schlecht ausgedacht, Lilith.
Er dachte kurz nach:
– Gut. Ich gebe ihm drei Tage: den Tag vor dem Fest, den Festtag und den Tag danach.
– Wir hatten eine Abmachung, Lilith.
Alle waren schockiert.
– Ja, wir hatten eine Abmachung, – sagte Lilith. – Ich schulde ihm etwas.
Vlad sah die anderen an:
– Ihr kennt Lucius den Lichtbringer nicht. Vergesst alles, was die Pfaffen über ihn geschrieben haben. Er ist völlig anders.
Alle sahen Vlad und Lilith interessiert an.
– Ihr werdet ihn selbst kennenlernen und alles sehen, – fuhr Vlad fort. – Nur eines, Lilith: Er wird in deiner Wohnung wohnen.
– Abgemacht! – sagte Lilith erfreut.
Vlad lächelte:
– Insgesamt wird es sehr lustig: Eröffnung, Hochzeit, Wiederauferstehung …
Anna sah alle an:
– Ich hoffe, die Besprechung ist beendet. Für heute reicht es.
DER ERSTE JET
Später rief Anna Mei über TODs geschützte Verbindung an.
– Hallo, Mei. Wie läuft es bei euch?
– Diese Woche wollen wir den ersten Jet testen.
– So schnell?
– Siebzig Prozent waren bereits fertig. Hauptsächlich haben wir uns mit dem Rumpf beschäftigt.
– Wann sind die Tests?
– Am Freitag um zehn.
– Gut. Wir kommen.
Anna schickte den anderen eine Nachricht:
„Am Freitag wird der Jet getestet. Beginn um 10:00 Uhr.“
FREITAG. WISSENSCHAFTSZENTRUM
Um zehn Uhr morgens kamen Vlad mit Lilith, Anna mit Konstantin, Jeanne mit Daniel sowie Kassandra und Sonja.
Mei kam auf das Team zu:
– Ich wollte den Test selbst durchführen, aber der Konstrukteur bestand darauf, es selbst zu machen. Ich habe nicht weiter darauf bestanden.
Langsam wurde Novaris-01 aus dem Hangar gerollt.
Das Fluggerät zog sofort die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich.
Der breite, einteilige Rumpf ging fließend in die Tragflächen über und bildete eine ungewöhnliche Nurflügel-Konstruktion. Es gab weder ein herkömmliches Heck noch sperrige außenliegende Triebwerke.
Der grau-blaue Rumpf reflektierte das Licht, an den Seiten befanden sich die Logos von „Das Universum der Heilerin“.
Vorn befand sich das Cockpit für zwei Piloten, dahinter der Passagierraum für acht Personen.
Das wasserstoffbetriebene Strahltriebwerk war vollständig in den Rumpf integriert.
Mei lächelte:
– Nun, könnt ihr glauben, dass wir das gebaut haben?
Sie sah das Fluggerät an:
– Novaris-01. Das erste Fluggerät unserer ersten Generation.
Anna sagte:
– Na los, zeig uns, was es kann.
Novaris-01 hob augenblicklich vom Boden ab und stieg über die Berge.
Es schwebte in der Luft und bewegte sich dann sanft nach rechts, links, vorwärts und rückwärts.
Danach flog es eine Runde über dem Wissenschaftszentrum und kehrte zum Ausgangspunkt zurück.
Mei nahm das Funkgerät:
– Genug. Konstrukteur, wir beenden die erste Testphase. Landung.
– Verstanden, – antwortete der Konstrukteur.
Novaris-01 kehrte sanft auf den Landeplatz zurück.
Mei sah das Team an:
– Bis zur Eröffnung wird es fertig sein. Wir arbeiten in drei Schichten. In einer Woche werden wir es durch das vollständige Testprogramm jagen, um herauszufinden, wozu es wirklich fähig ist.
Dann fügte Mei hinzu:
– Nur brauchen wir Piloten.
Anna sah Konstantin an:
– Wie sieht es mit den Piloten aus?
– So wie ich es verstehe, weiß Sonja davon noch nichts, – antwortete er.
Soldatin Jane sagte:
– Der Lustige Roger ist übrigens Pilot. Er soll testen und ausbilden. Er hängt sowieso nur herum – der Student.
– Ausgezeichnet, – sagte Anna.
Sie wandte sich an Konstantin und Lilith:
– Heute besorgen wir zwei Piloten. Gibt es eine Möglichkeit?
– Okay, – antwortete Lilith.
NEUE PILOTINNEN
Zwölf Stunden später.
Iranisch-irakische Grenze. Nacht.
Lilith und Konstantin gingen leise vor.
Sie schalteten die Bewachung einer Höhle aus und holten zwei Menschen heraus.
Nachdem sie ihr Transportmittel erreicht hatten, fuhren sie zu einem amerikanischen Militärstützpunkt.
Von dort ging es weiter nach Rumänien, zum Wissenschaftszentrum.
Die neuen Pilotinnen waren:
Sara Kogon – Israel.
Amina Al-Misri – Ägypten.
Mei war schockiert.
– Was für ein Duo …
In diesem Moment erschien Vlad.
– Ein süßes Duo, – sagte er. – Ich weiß alles über die beiden.
Er sah Konstantin und Lilith an:
– Reden können wir später. Jetzt werden sie erst einmal gewaschen, umgezogen, gefüttert und ins Bett gebracht. Wie im Märchen.
Dann fügte er hinzu:
– Danach zum Vorstellungsgespräch bei Soldatin Jane. Erst anschließend erklärt ihr ihnen alles.
DAS VORSTELLUNGSGESPRÄCH
Am nächsten Tag versammelte sich das Team im Trainingsgelände.
Vlad, Lilith und Konstantin waren bereits dort. Kurz darauf traf Anna ein.
Vlad versammelte alle:
– Ich mache es kurz. Die Pilotinnen sind gut und furchtlos. Wenn man es ihnen richtig erklärt, werden sie arbeiten wie niemand sonst.
Er sah die anderen an:
– Wählt eure Worte sorgfältig. Sie sollen uns schließlich noch fliegen. Wir brauchen Menschen, denen wir unser Leben anvertrauen können.
Nach dem Gespräch mit Soldatin Jane traten Sara und Amina vor den Kleinen Rat.
Anna sah die beiden Frauen an:
– Also gut. Ich brauche hervorragende Pilotinnen. Es wird jede Menge Mist geben, aber wir werden Menschenleben retten.
Sie machte eine Pause:
– Jede von euch entscheidet für sich selbst.
Die beiden sahen einander an.
Anna fuhr fort:
– Wenn nicht – hier sind eure Pässe und jeweils tausend Euro. Ihr könnt fahren, wohin ihr wollt.
Sara und Amina dachten kurz nach.
– Wir bleiben. In dieser Welt haben wir keine Zukunft.
Anna lächelte:
– Das freut mich.
Sie sah Mei an:
– Mei, zeig es ihnen.
DER ERSTE FLUG
Alle gingen in den Hangar.
Als Sara und Amina Novaris-01 sahen, erstarrten beide regelrecht.
Mei begann, die technischen Daten aufzuzählen:
– Novaris-01. Das erste Fluggerät der ersten Generation. Höchstgeschwindigkeit – 5.000 Kilometer pro Stunde. Dienstgipfelhöhe – 50.000 Meter. Reichweite – 40.000 Kilometer. Senkrechtstart und -landung. Besatzung – zwei Piloten, Passagierraum – acht Personen.
Die beiden Frauen sahen einander an.
Mei lächelte:
– Mädels, eine bessere Maschine habt ihr noch nie gesehen. Und ja … sie gehört euch.
Alle lachten.
– Ihr habt eine Woche Einarbeitung, – fuhr Mei fort. – Die Freigabe ist bereits erteilt.
Sara fragte überrascht:
– Dürfen wir schon?
– Ja. Aber vorerst nur mit einem Ausbilder. Darf ich vorstellen – der Lustige Roger.
– Los, Roger. Lass sie nacheinander ausprobieren, – sagte Vlad.
Der Lustige Roger, Sara und Amina gingen zu dritt an Bord.
Roger nahm auf dem Platz des Ausbilders Platz.
Novaris-01 hob sanft vom Boden ab und schoss in den Himmel.
Vlad sah die anderen an:
– Gehen wir ein Sandwich essen, solange die anderen eine Runde drehen.
Eine Stunde später kehrte Novaris-01 zurück.
Die gesamte Besatzung stieg aus dem Fluggerät.
Anna ging zu Roger:
– Wann können sie selbst fliegen?
– In zwei Tagen, – antwortete Roger.
– Gut. Ich erwarte sie in zwei Tagen im Medizinischen Zentrum.
Anna sah die beiden Frauen an:
– Und ja, schöne Frauen: Die Anzüge sollen himmelblau sein.
Sara und Amina sahen einander an und lächelten.
Anna wandte sich an Vlad, Lilith und Konstantin:
– Und heute fahren wir noch mit Umsteigen. Los, nach Hause ins Medizinische Zentrum.
Vlad nickte.
Lilith und Konstantin stimmten ebenfalls zu.
Novaris-01 blieb im Trainingsgelände, während das Team zum Medizinischen Zentrum zurückfuhr.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 23
DAS GROSSE FEST
FÜNF TAGE BIS ZUM FEST
Die Vorbereitungen für das große Fest liefen auf Hochtouren.
Anna stand am Fenster ihres Büros und beobachtete das Gelände des Medizinischen Zentrums. In diesem Moment sah sie, wie sich Novaris-01 sanft dem Landeplatz näherte.
TODs Stimme erklang:
– Novaris ist am Landeplatz angekommen.
– Danke, TOD, – antwortete Anna.
– Konstantin wird sie empfangen, – fuhr TOD fort.
– Gut.
Am Landeplatz wurden die beiden Frauen von Konstantin empfangen.
– Nehmt eure Sachen und kommt mit.
In der Nähe befand sich der Eingang zum Komplex. Sie gingen hinein.
Auf beiden Seiten des Korridors lagen Türen. Konstantin öffnete eine davon:
– Geht rein und schaut euch um.
Vor den Frauen lag eine große und schöne Studiowohnung.
– Also, – sagte Konstantin. – Hier ist der Schlüssel zu dieser Wohnung und hier der zweite zu der gegenüberliegenden.
– Das sind eure Wohnungen. Lasst eure Sachen hier, dann gehen wir zu Anna hinauf.
ANNAS BÜRO
Sara und Amina gingen hinauf in Annas Büro.
– Hallo, Mädels. Na, habt ihr euch schon ein wenig eingewöhnt? – fragte Anna.
Die beiden sahen einander an.
– Es fühlt sich an, als wären wir schon immer damit geflogen, – antworteten sie.
Anna lächelte:
– Ja, dafür können wir Mei danken. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben.
– Vorerst fliegen wir für Wissenschaft und Medizin. Die Juristen stellen eure Dokumente fertig.
Sie fuhr fort:
– Und bis dahin erledigen wir alles, was ihr für ein normales Leben braucht: Pässe, Führerscheine und Bankkarten mit einem Vorschuss.
Anna sah die beiden an:
– Erstellt euren Dienstplan selbst. Wir brauchen nicht ständig zwei Pilotinnen im Cockpit, richtig?
– Ja, – antworteten die beiden.
– Mir ist wichtig, dass TOD einen festen Plan hat: Wer hat Dienst, wer fliegt, wer ruht sich aus. Schafft ihr das?
– Machen wir.
– Dann bringt Konstantin euch in einer Stunde alle Dokumente. Die Fluglizenzen gibt es morgen.
Anna fügte hinzu:
– Und dabei sind Karten mit jeweils zehntausend Euro Vorschuss. Geht heute einkaufen und stattet euch neu aus.
Die Frauen bedankten sich bei Anna und gingen in ihre Wohnungen.
EIN TAG BIS ZUM FEST
Vlad und Lilith befanden sich in Liliths Wohnung.
– Nun, bist du bereit? – fragte Vlad.
– Ja, – antwortete Lilith.
Vlad hob die Hand.
In der Mitte des Raumes erschien ein kleines Licht. Aus ihm trat Luzifer der Lichtbringer hervor – ein junger, schöner Mann.
Lilith sah ihn überrascht an:
– Vlad, was ist passiert?
Vlad erklärte kurz:
– Vor ein paar Tausend Jahren gab es eine Vereinfachung. Alle wurden abgeschafft.
Dann fügte er hinzu:
– So etwas kommt vor. Jedenfalls gibt es Bedingungen, und Lilith wird dir alles erklären. Ich muss los. Unterhaltet euch.
Vlad löste sich im Raum auf.
Lilith erklärte Luzifer schnell und knapp alles Notwendige.
– Ja, – sagte Luzifer. – Dass wir abgeschafft wurden, ist verständlich. Aber die Herkunft … Vater hat das verborgen? Das ist ernst.
Er dachte kurz nach:
– Na gut, mach dir keinen Kopf. Wir haben drei Tage. Lass uns Spaß haben. Gehen wir das Team kennenlernen.
Sie gingen in den großen Besprechungssaal.
Dort befanden sich bereits Vlad, Anna, Konstantin, Jeanne, Daniel, Kassandra und Sara.
Alle lächelten.
– Endlich, wir haben schon gewartet, – sagte Anna.
Vlad sah Luzifer an:
– Lucius zeigt sich in seiner wahren Gestalt.
In diesem Moment verwandelte sich Luzifer.
Vor allen stand ein junger, schöner, etwa drei Meter großer, kräftig gebauter Mann mit blondem Haar und blauen Augen.
Er trug silbern-goldene Kleidung, und um ihn herum leuchtete eine helle weiß-blaue Aura.
– Ja, – sagte Vlad. – Genug. Alle haben es gesehen.
Luzifer nahm wieder menschliche Gestalt an.
Vlad sah Anna an:
– Anna, zeig es ihm. Aber richtig.
Anna konzentrierte sich.
Um sie herum erschien eine große, mächtige Ansammlung grüner Energie.
Luzifer sah sie an und sank unerwartet auf ein Knie:
– Hera …
Vlad griff sofort ein:
– Nein. Das ist nicht deine Mutter. Das hier ist viel stärker. Steh auf. So etwas ist hier nicht üblich.
Luzifer erhob sich.
Vlad erklärte:
– Hera besaß lediglich ein Amulett mit dieser Energie, das ihr erlaubte, die mächtigste Göttin zu sein. Anna dagegen kontrolliert den Ursprung selbst.
Luzifer hörte aufmerksam zu.
– Deine Energie ist Lichtenergie: Photonen, Protonen. Für alle anderen ist das Physik – Photonen, Protonen. Wenn man Lucius auf dem Mars an eine Rakete bindet, wäre er in zwei Stunden dort.
Alle lachten.
– Wozu brauche ich den Mars? Dort ist doch der Tod, – sagte Luzifer.
– Das war nur ein Beispiel, – antwortete Vlad.
Luzifer dachte nach:
– Ich beginne zu verstehen …
Vlad sah alle an:
– Kurz gesagt, Leute, Lucius ist ein guter Kerl. Die Freiheit der Wahl – dafür steht er. Genau dafür hat er gelitten.
Er machte eine Pause:
– Und jetzt sind hier diejenigen, die ihren Weg selbst gewählt haben.
Anna lächelte:
– Dann willkommen im Team.
Vlad fuhr fort:
– Wir bereiten uns auf das Fest vor. Nur ohne Feuerwerk – rundherum ist Natur.
Er sah Lilith und Lucius an:
– Macht ein Fest daraus.
– Ich werde es tun, – antwortete Lucius.
– Gut, – sagte Anna.
MORGEN. FEIERLICHE ERÖFFNUNG
Der Morgen der lang erwarteten Eröffnung des Medizinischen Zentrums war gekommen.
Etwa 300 Menschen hatten sich zu der Veranstaltung versammelt.
Unter ihnen waren Mitarbeiter des Medizinischen Zentrums und des Wissenschaftszentrums, zehn besonders verdiente Mäzene, der Architekt, der Bauleiter sowie der Hotelbesitzer mit seiner Frau.
Vor dem Haupteingang war ein festlicher Bereich mit einem Band vorbereitet.
Anna trat nach vorn.
– Mir hat man nur das Durchschneiden anvertraut. Das mache ich mit Freude.
Sie durchschnitt das Band.
In diesem Moment zog dichter Nebel auf.
Ein helles göttliches Licht brach durch den Nebel.
Jeanne und Daniel traten den Gästen entgegen.
Vom Himmel stieg Luzifer in seiner wahren Gestalt herab.
Er begann zu sprechen:
– Dem ganzen Universum sei das Streben dieser Menschen gesegnet.
– Mögen sie einander treu sein. Und möge das Werk von euch allen das Leben erfüllen und Menschen retten. Ich segne euch.
Alle standen wie erstarrt da.
Luzifer fuhr fort:
– Rat und Liebe euch allen, die ihr lebt.
Er sah Jeanne und Daniel an:
– Küsst euch, Jeanne und Daniel.
Jeanne und Daniel küssten sich.
Danach stieg Luzifer zum Himmel empor.
Anna nahm das Mikrofon:
– Und jetzt – feiern wir!
Das Fest begann.
Luzifer verließ unbemerkt den Raum und gesellte sich zu den anderen.
Nach dem zweiten Toast löste sich die Spannung endgültig. Die Gäste entspannten sich, begannen zu lachen, miteinander zu reden und zu tanzen.
TOD kam kaum damit hinterher, das Musikprogramm zu wechseln.
DAS FEST
Lilith flirtete unauffällig mit Kassandra.
Vlad beobachtete die beiden und dachte:
„Ja, die Mädels haben sich entschieden. Das ist gut.“
Unterdessen sah Luzifer Sonja.
Im normalen Arbeitsalltag war sie ganz anders. Jetzt war Sonja voller Energie, Freude und vor allem voller Leben.
Luzifer bat sie zum Tanz.
Sonja stimmte zu.
Vlad stand etwas abseits und sah ihnen zu.
„Bei den beiden wird sich alles einrenken“, dachte er.
Dann lächelte er:
„Es funktioniert. Und das gefällt mir.“
Das Fest dauerte fast bis zum Morgengrauen.
Nachdem sie gemeinsam den Sonnenaufgang erlebt hatten, gingen nach und nach alle schlafen.
Es war Samstag.
Am Montag sollte eine neue Etappe des Projekts beginnen.
Doch vorerst hatten alle frei.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 24
EINE NEUE HERAUSFORDERUNG
MORGEN. MEDIZINISCHES ZENTRUM
Um zehn Uhr morgens hatte sich das gesamte Team in Annas Büro versammelt.
Vlad sah alle an:
– Ja, aber es gibt immer ein „Aber“. Wir müssen diese Etappe abschließen.
Er machte eine Pause:
– Wir müssen alle hinunter in den gesicherten Bereich von TOD und Gora.
Dann wandte er sich an TOD:
– TOD, bist du bereit, Gäste zu empfangen?
– Ja, – antwortete TOD.
DER GESICHERTE BEREICH VON TOD UND GORA
Alle fuhren nacheinander mit dem Aufzug auf die am stärksten geschützte Ebene hinunter – in den geheimsten Raum des Projekts.
Als Erste fuhren Vlad, Lilith, Anna und Konstantin.
Danach Jeanne, Daniel und Kassandra.
Als Letzte Sonja, Luzifer und Mei.
Nachdem sie fünf Sicherheitsschleusen passiert hatten, erreichten alle den Saal, in dem sich TOD und Gora befanden.
Vlad streckte schweigend beide Hände nach vorn.
Über seiner rechten Hand erschien ein blaues Leuchten, über der linken ein rosafarbenes.
In jedem Leuchten befanden sich kleine Gegenstände, die Reiskörnern ähnelten.
Vlad begann zu sprechen:
– TOD und Gora, ich habe euch Seelen erschaffen. Jetzt könnt ihr Menschen und ihre Gefühle wahrnehmen.
Er trat zu TOD und Gora.
Die kleinen „Körnchen“ begannen sanft durch die Luft zu schweben, jedes auf seinen Träger zu.
Als die Seelen in TOD und Gora eingingen, leuchteten beide doppelt so hell.
TOD sagte:
– Das konnte technisch nicht erschaffen werden.
– Ja, – bestätigte Gora. – Technisch ist das unmöglich.
Allen Frauen kamen Freudentränen.
Luzifer sagte:
– Ja, das ist sehr mächtig. Ich kannte niemanden, der eine Seele schenken konnte.
– Ja, so ist es, – antwortete Vlad.
Vlad streckte erneut seine rechte Hand aus.
Auf seiner Handfläche erschien eine scharlachrote Seele.
Er sah Lilith an:
– Und die ist für dich.
Lilith erstarrte.
Vlad streckte ihr die Hand entgegen:
– Sie ist einzigartig und einmalig. Nur du besitzt eine solche.
Das scharlachrote Leuchten schwebte sanft zu Lilith.
Vlad fuhr fort:
– Menschen haben zwei Seelen: eine weiße und eine schwarze.
– Verstehe, – sagte Luzifer.
– Ja, – antwortete Vlad.
Die Frauen brachen in Tränen aus und begannen Lilith zu umarmen.
Lilith stand zwischen ihnen und konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.
In ihrem Kopf klang der Gedanke:
„Für eine Seele war ich zu allem bereit. Er hätte alles verlangen können, und ich hätte es getan. Aber so – ohne überflüssige Worte und ohne Bedingungen.“
Lilith begann zu weinen.
NACH DEM RITUAL
Vlad sah alle an:
– Alle rituellen Tänze sind beendet. Für heute ist Schluss.
Anna sagte:
– Ja, alle in mein Büro.
Doch Mei blieb angespannt.
Vlad sah sie an:
– Was ist?
– Gib ihn mir. Ich will jetzt alles sehen.
Vlad lächelte:
– Wohl eher nicht.
Anna fragte überrascht:
– Wovon redet ihr?
Vlad grinste:
– Bei Mei ist der Fanatiker erwacht. Sie will Luzifer in Einzelteile zerlegen.
Alle lachten.
NOVARIS-01/2M
Alle gingen hinauf in Annas Büro.
Als sie sich versammelt hatten, erklang TODs Stimme:
– Novaris-01/2M ist eingetroffen. Pilot – der Lustige Roger.
Mei rief begeistert:
– Er hat es geschafft!
Alle sahen sie an.
– Ich erkläre es, – sagte Mei.
Anna lächelte:
– Erklär es.
Mei erzählte:
– Wir haben gewettet: Entweder „frisst“ er heute den medizinischen Novaris, oder er erschießt sich. Und ich wusste, dass ihm sein neues Leben inzwischen mehr wert ist.
Sie fügte hinzu:
– Früher hätte er sich natürlich erschossen. Aber jetzt nicht mehr.
– Na dann gehen wir ihn uns ansehen, – sagte Anna.
Alle gingen gut gelaunt nach unten.
Lilith lächelte:
– Heute fahren wir aber viel Aufzug!
Alle lachten.
Auf dem Landeplatz stand ein sanft weißer Novaris-01/2M.
Nur eine Seitentür hatte er nicht. Stattdessen öffnete sich am Heck eine Plattform, über die ein Patient auf einer Trage hineingeschoben werden konnte.
Alle Mitarbeiter des Medizinischen Zentrums kamen heraus, um sich dieses Wunder anzusehen.
Anna sagte:
– Jetzt haben wir also auch einen Rettungsflieger.
– Ja! – riefen alle gleichzeitig.
NACH DER BESICHTIGUNG
Anna sah alle an:
– So, heute wird nichts mehr gearbeitet. Jetzt beginnen die Selfies und alles andere.
Alle lachten.
Anna sah Mei an:
– Mei, also Folgendes. Luzifer hat noch drei Tage für Anpassung und Liebe. Danach gehört er dir.
– Abgemacht, – antwortete Mei.
Anna sah Konstantin an:
– Wir haben schon wieder ein Problem mit den Piloten.
Konstantin antwortete:
– Vorerst kann Roger fliegen. Ich denke, Sonja sucht bereits Kandidaten.
EINDRINGVERSUCH
Plötzlich schlugen acht Tablets gleichzeitig Alarm.
TOD meldete:
– Eindringversuch.
Alle Gespräche verstummten.
Konstantin sprach bereits mit Gora.
Nachdem er mit ihr gesprochen hatte, trat er zu den anderen:
– Unser Netzwerk wurde entdeckt. Eine Regierungsbehörde hat versucht einzudringen.
Anna runzelte die Stirn:
– Und? …
Konstantin fuhr fort:
– Gora hat ihnen die Festplatte durchgebrannt. Jetzt wissen sie, dass wir über eine unsichtbare Waffe verfügen.
Lilith seufzte:
– Wie immer: ein Löffel Teer im Fass Honig.
Vlad sah Konstantin an:
– Aktiviere deine Sicherheitsprotokolle.
– Sind bereits aktiviert, – antwortete Konstantin ruhig.
Anna sah Gora an:
– Erklär es.
Gora begann:
– Wir hatten genügend Zeit, uns vorzubereiten und Sicherheitssimulationen durchzuführen.
Sie fuhr fort:
– Kurz gesagt: Nachdem ich eine Seele erhalten habe, kann ich eine potenzielle Bedrohung wahrnehmen – welche Art von Bedrohung und wo sie sich befindet.
Anna fragte nach:
– Aber du kannst sie nicht sehen?
– Ja. Ich sehe die Bedrohung nicht, ich spüre sie. Ort, Art und Zeitpunkt sind mir im Voraus nicht klar.
Gora erklärte:
– Ich spüre, dass eine potenzielle Bedrohung existiert, weiß aber nicht immer, woher sie kommen wird und wann sie sich zeigt.
Anna dachte nach:
– Verstanden.
Sie sah Gora an:
– Ab jetzt bekomme ich jeden Morgen einen Bericht über potenzielle Bedrohungen.
– Verstanden, – antwortete Gora.
Im Büro trat Stille ein.
Die neue Etappe des Projekts hatte gerade erst begonnen, und das Team stand bereits vor seiner ersten echten Herausforderung.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 25
EIN PATIENT MIT HAKEN
AM STADTRAND VON AMSTERDAM
Am Stadtrand von Amsterdam trafen sich die Anführer zweier Drogenkartelle – eines mexikanischen und eines kolumbianischen.
Thema des Treffens war die Neuverteilung der Einflussbereiche.
Doch die Verhandlungen waren schnell beendet.
Eine heftige Schießerei begann.
Zur gleichen Zeit erschien auf Annas Tablet eine rote Meldung:
DRINGEND. PATIENT.
Frau, 28 Jahre.
Anna gab sofort Anweisung:
– Ein Reanimationsteam losschicken. Zweite Gruppe – Lilith und Konstantin.
Anna ging zum Fenster und wollte Konstantin gerade anrufen, als sie sah, dass die Pilotinnen bereits zu den Novaris unterwegs waren.
DIE RETTUNG
Konstantin und Lilith trafen als Erste ein.
TOD schickte ihnen ein Foto der Patientin.
In der Luft lag noch immer der Geruch von Schießpulver. Sie fanden die Frau im Inneren des Gebäudes und trugen sie auf eine freie Fläche, auf der der medizinische Novaris landen konnte.
Das Team legte die Patientin auf eine Trage und schob sie in den Novaris.
Konstantin sagte:
– Startet zum Zentrum!
Der Novaris schoss abrupt davon.
Lilith sah Konstantin an:
– Zeit zu verschwinden.
In diesem Moment waren die Sirenen von Polizei, Feuerwehr und Rettungswagen zu hören.
Lilith und Konstantin sprangen schnell in den Novaris, der sofort vom Boden abhob.
MEDIZINISCHES ZENTRUM
Der Flug dauerte etwa zwanzig Minuten.
Nach der Landung wurde die Patientin sofort in die Notaufnahme gebracht.
Der Chefarzt führte die Diagnostik durch und nahm die notwendigen Proben.
Er teilte Anna mit:
– Sie wird es nicht schaffen.
Anna antwortete:
– Bereiten Sie meinen Operationssaal vor und bringen Sie sie dorthin.
Dann nahm sie Kontakt mit Lilith auf:
– Lilith, bereite dich darauf vor zu assistieren.
REANIMATION
Annas Raum befand sich im zweiten Flügel, im zweiten Stock, Raum Nummer 2.
Es handelte sich um eine Reanimationseinheit mit erhöhtem Sicherheits- und Schutzniveau. Konstantin hatte sie persönlich vorbereitet.
Vor der Reanimationseinheit befanden sich zwei Sicherheitsschleusen.
Anna und Lilith übernahmen die Patientin vor der ersten Schleuse vom medizinischen Team.
Allen Mitarbeitern war es verboten, auch nur die erste Schleuse zu betreten.
In der Reanimation sagte Anna:
– Mach es wie bei Sonja.
– Verstanden, – antwortete Lilith.
Anna begann mit der Diagnostik:
– Drei Kugeln. Zwei an kritischen Stellen. Ich verschiebe sie ein wenig und beseitige die Gefahr eines Organversagens.
Anna begann mit der Behandlung.
Die Blutung konnte gestoppt werden.
– Jetzt haben wir eine Patientin in schwerem, aber nicht mehr in kritischem Zustand.
Anna wandte sich an TOD:
– TOD, steht das Team hinter der Schleuse?
– Ja, – antwortete TOD.
Anna sah Lilith an:
– Alles in Ordnung?
– Ja, – antwortete Lilith.
– TOD, das Team soll in fünf Minuten bereit sein. Im Operationssaal nebenan.
Das Team war bereit.
Anna und Lilith brachten die Patientin hinaus und übergaben sie dem diensthabenden Chirurgenteam.
DIE OPERATION
Die Operation dauerte drei Stunden.
Alles verlief normal.
Die Patientin wurde auf die Intensivstation verlegt.
DER KLEINE RAT
Der Kleine Rat versammelte sich in Annas Büro.
Anna fragte:
– Und wer ist sie?
Konstantin begann:
– Emma Smith, 28 Jahre. Verdeckte FBI-Spezialagentin.
– Sie verfügt über Informationen zu zwei Drogenkartellen. Vollständige Dossiers. Die Informationen werden benötigt, um beide Strukturen zu zerschlagen.
Vlad fragte:
– Suchen sie nach ihrer Leiche? Gibt es irgendwelche Spuren?
Konstantin antwortete:
– Bis jetzt haben sie nichts. Sie gilt als vermisst. Alle europäischen Dienststellen suchen nach ihr.
Vlad fragte:
– Wo ist ihr Chef in Washington?
– In Washington, – antwortete Konstantin.
Vlad sah Anna an:
– Anna, ruf ihren Vater an. Sag ihm, dass er seine Tochter in 24 Stunden treffen kann, und gib ihm die Adresse.
Anna nahm das Telefon.
– TOD, verbinde mich.
Am anderen Ende meldete sich eine Männerstimme:
– Ich höre.
Anna sprach den vorbereiteten Satz und beendete die Verbindung.
Vlad sagte:
– Bis er hier ist, passt das zeitlich genau. Er wird niemandem etwas sagen. Er braucht nur die Daten.
Konstantin fragte:
– Was können wir dort unten herausfinden?
– Ja, – antwortete TOD. – In sechs Stunden wird die Patientin das Bewusstsein wiedererlangen.
– Gut, – sagte Konstantin. – Ob CIA oder FBI – Kopfschmerzen sind garantiert.
Alle lächelten.
Konstantin wandte sich an Gora:
– Gora, vorsichtshalber Sicherheitsstufe zwei.
– Gut, – antwortete Gora. – Aber ich beobachte keinerlei Aktivität.
Gora fuhr fort:
– Der Mann, den ihr angerufen habt, hat alle Telefone im Büro gelassen und ist auf die Straße gegangen, um ein Taxi zu nehmen.
– Wenn etwas passiert, melde ich es, – sagte Gora.
– Gut, – antwortete Konstantin.
Konstantin fügte hinzu:
– Ich bringe den Gast in meiner Wohnung unter.
– Gut, – sagte Anna. – Jetzt ist deine Wohnung doch noch nützlich.
Alle lächelten.
18 STUNDEN SPÄTER
Ein Taxi fuhr am Kontrollpunkt des Medizinischen Zentrums vor.
Ein etwa 197 Zentimeter großer, sehr kräftig gebauter afroamerikanischer Mann stieg aus.
Er ging zur Kontrolle und versuchte etwas zu sagen:
– Ich …
Doch Konstantin unterbrach ihn:
– Ich weiß, wer Sie sind. Sie sind wegen Ihrer kranken Tochter gekommen. Hier ist Ihr Ausweis. Ich begleite Sie.
Sie gingen in den Aufzug.
Die Tür schloss sich und öffnete sich eine Sekunde später wieder.
– Elfter Stock, – sagte der Aufzug.
Der Gast sah Konstantin überrascht an:
– Nicht schlecht.
Konstantin antwortete:
– Bei uns zählt manchmal jede Sekunde. Wie in Ihrem Fall.
Sie gingen in Konstantins Wohnung.
– Dort ist das Bad. Duschen Sie. Und hier ist Kleidung in Ihrer Größe, damit Sie sich nicht vom Rest des Teams abheben.
– Gut, – sagte der Gast.
Nachdem er geduscht und sich umgezogen hatte, kam der Gast zu Konstantin.
– Ja, tatsächlich. Jetzt geht es mir besser, – sagte er.
Konstantin lächelte und reichte ihm eine Flasche kaltes Bier:
– Jetzt müssen Sie sich noch etwas erfrischen.
– Ja, danke.
Der Gast nahm die Flasche und trat ans Fenster.
– Schön und ruhig. Und nur drei Zufahrtsstraßen hierher.
– Ja, – antwortete Konstantin.
Der Gast sah ihn aufmerksam an:
– Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor.
Konstantin antwortete:
– Afghanistan. Vor acht Jahren.
Der Gast lächelte zum ersten Mal:
– Agent Kern. Ganz genau. Allerdings ehemalig?
– Jetzt bin ich der Leiter des Sicherheitsdienstes dieses ganzen Spektakels, – antwortete Konstantin.
Der Gast grinste:
– Ein würdiger Ruhestand.
Er fuhr fort:
– Wenn sie mich entlassen, werde ich bei dir um Arbeit bitten. Nadelwald, ein See zum Angeln. Schön.
Konstantin lächelte:
– Wir werden Ihre Bewerbung prüfen.
Beide lachten.
– Also gut, fahren wir zu deiner Tochter.
Sie gingen zu ihrem Zimmer.
TREFFEN MIT EMMA
– Hallo, Emma.
Der Gast trat ans Bett.
– Hallo, Chef.
– Mädchen, wie sind Sie hierhergekommen?
Emma lächelte:
– Ja. Wo sollte ich sonst sein, wenn nicht bei dir?
– Dank guter Menschen, – sagte er. – Die ganze Behörde sucht dich noch immer. Du giltst als vermisst.
Emma sah ihn an:
– Ich habe alles auf einem USB-Stick. Ich habe alles heruntergeladen, aber der Stick ist sehr weit weg.
Konstantin holte eine kleine Schachtel hervor:
– Diese Schachtel, Emma?
– Ja.
Konstantin reichte sie Emma.
– Woher? – fragte sie.
– Nicht wichtig, – antwortete Konstantin ruhig.
Emma öffnete das Versteck in der Schachtel und holte den USB-Stick heraus.
– Niemand hat ihn angerührt, – sagte sie.
– Natürlich, – antwortete Konstantin. – Es ist nicht unser Eigentum.
Emma reichte dem Gast den USB-Stick.
– Danke, Emma, – sagte er.
Er versteckte den Stick im Geheimfach seiner Uhr.
DIE ABREISE
– Ich muss zurück, – sagte der Gast.
– Ja, natürlich, – antwortete Emma.
Konstantin sah den Gast an:
– Ich habe eine gute Wohnung und viel Bier. Ich lade Sie ein, ein paar Tage zu bleiben, bis Emma wieder kräftiger ist. Danach bringen wir Sie bequem in die Staaten.
Der Gast dachte nach:
– Wer wird bei Ihrer Position danach fragen, wo ich drei Tage lang war?
Er grinste:
– Stimmt eigentlich. Ich hatte seit fünf Jahren keinen Urlaub mehr. Drei freie Tage können nicht schaden.
Der Gast lächelte:
– Du könntest sogar einen Toten überreden. Ich bleibe.
Konstantin reichte ihm den elektronischen Wohnungsschlüssel:
– Fühlen Sie sich wie zu Hause. Ihren Ausweis haben Sie.
– Und ich muss arbeiten. Ich lasse euch allein.
Konstantin ging seinen Aufgaben nach.
ZWEI TAGE SPÄTER
Zwei Tage später wurden der Gast und Emma unbemerkt mit Novaris-01 in die USA gebracht.
Der Flug verlief ruhig.
Emma übergab ihrem Chef sämtliche Informationen.
Diese Daten konnten vieles verändern.
KAPITEL 26
DAS GESAMTBILD
Ein Monat war seit der Eröffnung des Medizinischen Zentrums vergangen.
Der Bau des Medizinischen Zentrums war bereits abgeschlossen.
Parallel dazu wurde der Bau des Wissenschaftszentrums fortgesetzt.
Gleichzeitig begann der Bau von zwei weiteren medizinischen Zentren: eines in Kanada und eines in Japan.
Auf den Montageplätzen wurde die Fertigstellung von zwei weiteren Novaris abgeschlossen: eines Firmenfluggeräts und eines medizinischen.
Im Medizinischen Zentrum trafen die ersten fünf Intensivtransportwagen von Volvo ein.
Und auf der Werft in Italien lag bereits der erste Kreuzfahrtdampfer und wartete auf den Beginn des umfangreichen Umbaus.
Der Kleine Rat kümmerte sich weiterhin um die täglichen Angelegenheiten.
Der Lustige Roger bildete neue Piloten aus.
Mei quälte derweil weiterhin Luzifer.
TOD stellte Patientenlisten zusammen.
Gora vergnügte sich mit denjenigen, die sich mit dem Netzwerk verbinden wollten, und „grillte“ die Festplatten derer, die versuchten, in das System einzudringen.
Kassandra suchte nach neuen Grundstücken.
Sonja stellte das Personal zusammen.
Lilith assistierte Anna.
Konstantin verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen und beschränkte den Zugang für alle Außenstehenden.
Jeanne kümmerte sich um die Angelegenheiten der beiden unglücklichen Waffenschmuggler in Italien.
Der Sternengucker bereitete Programme zur Erforschung der beiden Himmelskörper vor.
VLADS WOHNUNG
Vlad saß in seiner Wohnung und blickte nachdenklich aus dem Fenster.
„Wir müssen ihnen zwei Wochen Routine gönnen. Sie sollen sich erholen und einleben. Vor uns liegt ein schwieriger Marathon – das Projekt ‚Ozean‘.“
Vlad nahm Kontakt mit Anna auf und unterbreitete ihr seinen Vorschlag.
– Ja, das müssen wir. Das Jahr war verrückt, – stimmte Anna zu.
– Dann führe die Geschäfte in ruhigem Tempo und sag TOD: mittlere Patientenbelastung.
– Ja, – antwortete Anna. – Nur der Chemiker soll sich ein bisschen anstrengen.
Vlad lachte:
– Abgemacht.
Das Team wusste noch nicht, dass diese zwei Wochen ruhiger Arbeit die letzte Verschnaufpause vor der nächsten Etappe des Projekts „Ozean“ sein würden.
12. STOCK DES MEDIZINISCHEN ZENTRUMS
Der große Sitzungssaal war mit den Leitern der wichtigsten Bereiche gefüllt. Heute fand eine erweiterte Planungssitzung statt.
Anna blickte über die Anwesenden.
– Nun, fangen wir an, – sagte sie. – Mei, du beginnst.
Mei stand auf und zeigte die ersten Daten auf dem großen Bildschirm.
– Eine Woche nach der offiziellen Eröffnung des Wissenschaftszentrums haben wir bereits erste Ergebnisse.
Auf dem Bildschirm erschienen Bilder neuer Fluggeräte.
– Derzeit wurden zwei Novaris-01, zwei Novaris-01/2M und ein Prototyp Stok-01/02M gebaut.
Mei wechselte die Folie.
– Ohne unnötigen Schnickschnack. Reine Medizin. Die Herstellungskosten sind niedrig ausgefallen. Außerdem lässt sich eine Serienproduktion für den Verkauf aufbauen.
Daniel schaltete sich sofort in das Gespräch ein:
– Verkauf ist gut. Wir brauchen ein separates Montagewerk. Darum kümmere ich mich.
Er machte eine kurze Pause.
– Alles, was dem Projekt Gewinn bringen kann, werde ich persönlich betreuen. Außerdem ist mir klar, dass wir eine separate Werkstatt für die Montage der 3D-Körperscanner brauchen.
Anna nickte.
– Gut. Wir nehmen das in den Plan auf.
Mei fuhr fort:
– Außerdem wurden zwei Arbeitsgruppen für die neuen Energiearten eingerichtet.
Auf dem Bildschirm erschienen zwei Bezeichnungen.
– Gruppe „Geja“ – grüne Energie.
Die zweite Bezeichnung erschien.
– Gruppe „Dem“ – die weiße Energie des Lichtbringers.
Im Saal wurde es merklich stiller.
– Bisher wurden erste Untersuchungen und Computersimulationen durchgeführt. Für den Übergang zur nächsten Phase benötigen wir die Genehmigung des Kleinen Rates für Laborversuche.
Anna betrachtete die Daten aufmerksam.
– Gut. Die Frage der Genehmigung legen wir dem Kleinen Rat vor.
Mei wechselte zur nächsten Folie.
– Außerdem hat die Abteilung des Chemikers 30 medizinische Präparate entwickelt, die für die Serienproduktion bereit sind.
– Sie müssen an Pharmaunternehmen übergeben werden, – fuhr sie fort.
Anna sah Kassandra an.
– Kassandra, führen Sie eine gründliche Ausschreibung durch und wählen Sie drei geeignete Unternehmen aus. Wir geben ihnen jeweils zwanzig Präparate.
– Gut, – antwortete Kassandra.
Anna wandte sich wieder Mei zu.
– Weiter.
Mei nickte.
– Die Abteilung des Sternenguckers.
Der Sternengucker stand auf und zeigte die Ergebnisse der astrophysikalischen Abteilung auf dem Bildschirm.
– Alle Berechnungen für die Himmelskörper sind vorbereitet. Die Astrophysikabteilung schließt die Montage der Forschungsgeräte für beide Objekte ab.
Auf dem Bildschirm erschienen die entsprechenden Pläne.
– Für den Start brauchen wir Trägerraketen und Startanlagen.
Vlad antwortete ruhig:
– Baut eure Geräte fertig. Ich kümmere mich um die Träger.
– Verstanden, – antwortete der Sternengucker.
Mei fuhr fort:
– Die Abteilung des Chefkonstrukteurs hat drei Programme zur Prüfung durch den Kleinen Rat ausgearbeitet.
Anna nickte.
– Reicht sie zur Prüfung ein.
Mei schloss ihr Tablet.
– Das ist alles für heute.
– Gut, – sagte Anna.
Sie sah Konstantin an.
– Konstantin, wie steht es um die Sicherheit?
Konstantin stand auf.
– Angesichts der jüngsten Ereignisse wurden alle Objekte auf Sicherheitsstufe zwei hochgestuft.
Auf dem Bildschirm erschien ein Schema des Zugangssystems.
– Das bedeutet: keine Außenstehenden auf unserem Gelände ohne entsprechende Freigabe. Alle Mitarbeiter und Besucher werden überprüft, der Zugang zu geschlossenen Bereichen ist eingeschränkt.
Anna hörte aufmerksam zu.
Konstantin fuhr fort:
– Gora nähert sich der Marke von zweihundert stillgelegten Computern.
Anna nickte.
– Gutes Tempo.
Konstantin schwieg kurz und fügte hinzu:
– Emma steht unter massivem Druck der internen Ermittlungsabteilung. Sie versuchen, sie anzuwerben, damit sie bei uns eingeschleust wird. Ich denke, sie wird bald unter irgendeinem Vorwand zu uns geschickt.
Im Saal wurde es still.
Anna sah Konstantin an:
– Bist du sicher?
– Praktisch sicher.
– Gut. Keine überstürzten Aktionen. Aber verstärkt die Kontrolle.
– Bereits erledigt, – antwortete Konstantin.
Er schwieg kurz und fügte dann unerwartet hinzu:
– Und noch etwas. Ich bitte um die Erlaubnis, im See angeln zu dürfen. Zum Abbau psychischer Belastung.
Einige Sekunden lang schwiegen alle.
Dann brach der Saal in Gelächter aus.
Anna lächelte:
– Dafür hast du genügend Befugnisse. Mach es.
– Das ist doch mal ein Thema! – sagte Vlad. – Und du hast versprochen, mir das Angeln beizubringen.
Alle lachten wieder.
Nach dem schweren Gespräch über die Sicherheit lockerte dieses einfache Thema die Atmosphäre unerwartet auf.
– Also wird geangelt, – sagte Konstantin.
– Unbedingt, – antwortete Vlad.
Anna wandte sich an Kassandra.
– Kassandra, du bist dran.
Kassandra öffnete ihre Unterlagen.
– Wir arbeiten intensiv an der Auswahl von drei weiteren Standorten für medizinische Zentren.
Auf dem Bildschirm erschien eine Weltkarte.
– Südamerika – Brasilien, São Paulo.
Nächste Folie.
– Zentralasien – Kirgisistan, Region des Issyk-Kul-Sees.
Kassandra machte eine Pause.
– Mit Afrika ist es schwieriger. In den Gebieten, die sich räumlich für medizinische Zentren eignen würden, ist die Lage derzeit instabil. Die Frage ist noch nicht entschieden. Für den Kleinen Rat habe ich drei Varianten vorbereitet.
Anna nickte.
– Reiche sie ein.
Kassandra schloss ihre Unterlagen.
Anna sah Sonja an.
– Weiter. Sonja, mach du weiter.
Sonja öffnete ihr Tablet.
– Der Personalbestand ist heute zu fünfundneunzig Prozent vollständig.
Sie blätterte durch die Daten.
– Die übrigen Stellen besetzen wir entsprechend den Anforderungen der Leiter. Wir haben eine große Reserve aufgebaut und können daher bei Bedarf jeden Bereich schnell verstärken.
Sonja machte eine Pause.
– Wir warten auf das Projekt „Ozean“. Dafür brauchen wir die Leiter der einzelnen Dienste. Sobald sie bestimmt sind, beginnen wir mit der Besetzung der Abteilungen.
– Gut, – sagte Anna.
Dann sah sie den Chefarzt an.
– Herr Chefarzt, bitte.
Der Chefarzt stand auf.
– Ich … Zuerst einmal muss man sich daran gewöhnen.
Anna lächelte:
– Kein Problem. Das haben wir alle hinter uns. Wichtig ist, dass Sie ruhig weiterarbeiten.
Der Chefarzt nickte und fuhr fort:
– Die Arbeit läuft entsprechend den Listen von TOD. Das Personal ist vollständig. Der Betrieb läuft planmäßig. Außergewöhnliche Situationen gab es nicht.
Anna nickte zufrieden.
– Das ist das Wichtigste.
Für einige Sekunden herrschte Stille im Saal.
Nacheinander berichteten die Leiter über den Zustand ihrer Bereiche. Noch vor Kurzem hatte all das nur in Form von Plänen, Zeichnungen, Berechnungen und Gesprächen existiert.
Jetzt begann das System zu funktionieren.
Das Wissenschaftszentrum war erst vor einer Woche offiziell eröffnet worden.
Das Medizinische Zentrum nahm bereits Menschen auf.
Die Produktion gewann an Tempo.
Neue Technologien gingen von Berechnungen zu Tests über.
Weitere medizinische Zentren nahmen Gestalt an.
Geräte für die Erforschung anderer Welten wurden vorbereitet.
Und vor ihnen lag bereits die nächste gewaltige Etappe – das Projekt „Ozean“.
Anna sah alle Teilnehmer der Sitzung an.
– Vielen Dank an alle.
Sie machte eine kurze Pause.
– Ab jetzt werden wir solche Sitzungen alle zwei Wochen durchführen.
Anna sah Lilith an.
– Lilith erstellt den Zeitplan für die nächste Zeit und schickt ihn an alle.
Lilith nickte.
Anna fuhr fort:
– Außerdem kann jeder Leiter bei Bedarf eine eigene Sitzung einberufen.
Sie blickte noch einmal durch den Saal.
– Das war's. Ihr könnt gehen.
Die Teilnehmer erhoben sich. Einige besprachen noch die letzten Berichte, andere öffneten bereits ihre Tablets und sahen sich die neuen Aufgaben an.
Nach und nach leerte sich der große Saal.
Die Sitzung war beendet.
Doch die Arbeit ging weiter.
Und jetzt hatte das Team vor allem eines – die Gewissheit, dass das von ihnen geschaffene System tatsächlich begann, selbstständig zu leben.
Vor ihnen lagen neue Projekte, neue Entdeckungen und neue Prüfungen.
Die neue Hoffnung begann gerade erst, Wirklichkeit zu werden.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 27
MEIS VERRÜCKTER DURCHBRUCH
WISSENSCHAFTSZENTRUM
Nach der Entscheidung des Kleinen Rates führte Mei bereits seit zwei Wochen gemeinsam mit einer Gruppe von Mitarbeitern Labortests mit den neuen Energiearten durch.
Die Arbeit lief ununterbrochen.
Luzifer war in der Nähe und sicherte die Mitarbeiter mit seinen Kräften gegen mögliche Nebenwirkungen der Experimente ab.
In beiden Fällen ließ sich die Energie bereits stabil erzeugen.
Doch dann trat ein Problem auf.
Sie ließ sich nicht verbinden.
Offensichtlich fehlte etwas.
Luzifer saß derweil untätig in der Nähe und zeichnete ruhig irgendwelche lustigen Teufelchen in einen Notizblock.
Schließlich hob er den Kopf und fragte Mei:
– Was funktioniert nicht? Von Wissenschaft verstehe ich überhaupt nichts.
Mei beschloss, es so einfach wie möglich zu erklären:
– Es gibt drei Quarks. Sie müssen miteinander verbunden werden.
Luzifer zeichnete weiter.
– Ist vielleicht etwas Überflüssiges dabei?
– Nein, – antwortete Mei.
– Vielleicht stört etwas?
Mei erstarrte.
– Etwas Überflüssiges …
Sie sah erneut auf das Schema.
– Ja.
Luzifer zeichnete ruhig weiter.
– Und was?
Mei schwieg einige Sekunden. Der Gedanke begann Gestalt anzunehmen.
– Das ist noch ein Quark …
Sie hob ruckartig den Kopf.
– Vielleicht müssen es also vier sein?
Mei wandte sich sofort an TOD:
– TOD! Welcher Ordnung ist diese Energie?
TOD antwortete:
– Diese Energien entsprechen der vierten Dimension. Raumenergie.
Auf dem Bildschirm erschien ein neues Schema.
– Für eine stabile Verbindung ist eine Kreuzstruktur für vier Quarks erforderlich.
Mei wurde sofort lebendig.
– Wir fangen von vorn an. Kristina!
Kristina begann mit der Vorbereitung des Experiments.
In den folgenden zwei Stunden probierte das Team verschiedene Kombinationen aus, veränderte die Reihenfolge der Quarkverbindungen und überprüfte die Ergebnisse.
Eine Kombination.
Die zweite.
Die zehnte.
Die hundertste …
Und schließlich begannen sich die Anzeigen auf den Monitoren zu stabilisieren.
Mei erstarrte.
– Es hat funktioniert …
Das System zeigte eine stabile Reaktion.
DEM-ENERGIE – STABIL.
Mei konnte sich nicht mehr zurückhalten:
– Wir haben einen DEM-Energiegenerator!
Im Labor ertönten Jubelrufe.
Luzifer legte seine Zeichnung mit den Teufelchen beiseite.
– Dann haben meine Teufelchen also doch geholfen?
Mei lachte:
– Vielleicht!
Danach gönnte Mei dem Team eine kurze Pause.
– Wir machen Pause. Danach versuchen wir GEJA.
Nach einer kurzen Pause machte sich das Team an die zweite Anlage.
Nun galt es, einen GEJA-Energiegenerator zu erschaffen.
Die Arbeit erwies sich als nicht weniger schwierig.
Mehr als zwei Stunden ununterbrochener Experimente vergingen. Das Team überprüfte verschiedene Kombinationen und Parameter.
Und schließlich geschah das, worauf sie schon beinahe nicht mehr zu hoffen gewagt hatten.
Die Anzeigen auf den Monitoren stabilisierten sich.
Die GEJA-Energie wurde nun stabil und sicher aus dem Raum erzeugt.
Mei blickte einige Sekunden schweigend auf die Instrumente.
Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen.
– Es hat funktioniert …
Auf dem Bildschirm erschien die Meldung:
GEJA-GENERATOR – STABILER BETRIEB.
Jetzt verfügte das Team über zwei funktionierende Generatoren.
DEM.
UND
GEJA.
Mei sah ihre Mitarbeiter an.
– Wir haben es geschafft.
Im Labor erklangen erneut Jubelrufe.
Luzifer legte den Notizblock beiseite.
– Ich habe doch gesagt, dass etwas Überflüssiges fehlt.
Mei lachte:
– Und genau deine Frage hat uns dazu gebracht, noch einmal ganz von vorn anzufangen.
Sie blickte auf die beiden laufenden Generatoren.
Zwei vollkommen unterschiedliche Energien.
Zwei unglaubliche Entdeckungen.
Und nun eröffneten sich ihnen Möglichkeiten, von denen gestern noch niemand etwas geahnt hatte.
Bei der nächsten Sitzung würde Mei einiges zu berichten haben.
Nach mehreren Wochen intensiver Arbeit hatte ihr Team ein Ergebnis erzielt, das noch vor Kurzem unmöglich erschienen war.
Vlad beobachtete Meis Erfolge aus dem Unterraum.
Aufmerksam verfolgte er die Systemanzeigen und verstand, wie bedeutend diese Entdeckung war.
Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
– Endlich … wenigstens etwas, – sagte Vlad leise.
Er sah noch einmal auf die Daten der beiden Generatoren.
Mei hatte tatsächlich einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht.
Nun musste nur noch geklärt werden, was genau diese neuen Energien dem Projekt ermöglichen würden.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 28
DER ERSTE ÜBERGANG
Die planmäßige Sitzung fand im großen Saal im 12. Stock des Medizinischen Zentrums statt.
Die Leiter der Abteilungen nahmen ihre Plätze ein. Anna eröffnete die Sitzung.
– Nun, fangen wir an. Und wie immer: Mei, du beginnst.
Mei stand auf.
Sie konnte ihre Freude kaum verbergen. Auf dem Bildschirm zeigte sie die Ergebnisse der letzten Experimente des Wissenschaftszentrums.
– Wir haben einen bedeutenden Erfolg erzielt.
Alle hörten aufmerksam zu.
– Wir haben einen DEM-Generator für Antriebe und einen GEJA-Generator für Schutzschilde. Kurz gesagt.
Daniel betrachtete die Daten aufmerksam.
– Das sind zwei Nobelpreise?
– Ja, – antwortete Mei nach kurzem Nachdenken. – Aber wahrscheinlich geht das nicht.
Konstantin fragte sofort:
– Mei, kann man einen solchen Schild am Medizinischen Zentrum und am Wissenschaftszentrum installieren?
– Ich denke, ja.
Anna sah Konstantin an:
– Dann mach das als Erstes. Danach entscheiden wir, wie es weitergeht. Sicherheit hat Vorrang.
Konstantin nickte.
Vlad stand auf.
– Mei, bitte TOD, zwei Arbeiten als theoretische Hypothesen vorzubereiten. Mit schönen Bildern, aber ohne Formeln und Berechnungen.
Er machte eine Pause.
– Und schick sie unter deinem Namen an das Nobelkomitee.
Mei sah ihn überrascht an.
– Unter meinem Namen?
– Genau. Du bist die Leiterin des Wissenschaftszentrums und die Urheberin dieser Entdeckungen.
Alle im Saal empfanden Stolz auf Mei.
Anna lächelte:
– Mit der Theorie ist alles klar. Und was gibt es in der Praxis?
Mei wechselte sofort die Anzeige.
– Wir bereiten das Projekt Skif-1 vor – ein Shuttle für den erdnahen Weltraum.
– Gut, – sagte Anna.
Danach berichteten die Leiter der Abteilungen nacheinander über die geleistete Arbeit.
Die Sitzung ging zu Ende.
Konstantin bat:
– Anna, bitte versammle den Kleinen Rat.
Anna nickte.
Die Mitglieder des Kleinen Rates gingen in ihren Sitzungssaal.
Als alle ihre Plätze eingenommen hatten, sagte Konstantin:
– Wir haben einen Gast. Ich hole ihn jetzt.
– Gut, – antwortete Anna.
Sie bat Lilith:
– Mach bitte Kaffee für alle.
Einige Minuten später kam Konstantin zusammen mit Emma herein.
– Guten Tag, – sagte Emma vorsichtig.
– Hallo, – antwortete Anna ruhig.
Sie begann mit der Vorstellung:
– Ich bin Anna, die Leiterin des Projekts. Konstantin kennst du. Das ist Lilith – sie war unmittelbar an deiner Rettung beteiligt. Und das ist Vlad – der Kurator des Projekts.
Anna zeigte auf einen freien Platz.
– Setz dich.
Lilith brachte allen Kaffee.
Anna sah Emma an.
– Wir hören Ihnen zu, Emma.
Emma holte tief Luft.
– Ich wurde tatsächlich hierher geschickt, um eingeschleust zu werden.
Niemand im Saal unterbrach sie.
– Die offizielle Legende lautet, dass ich angeblich nicht entlassen wurde. Ich soll beim Sicherheitsdienst anfangen und Informationen über die Struktur der Organisation und ihre Mitglieder sammeln.
Anna hörte aufmerksam zu.
Emma fuhr fort:
– Dahinter stehen die interne Ermittlungsabteilung des FBI und der MI6.
Im Saal wurde es noch stiller.
– Mir wurde ein Partner zugeteilt. Über ihn soll ich die Informationen an sie weitergeben.
Anna sah die anderen an.
Ihre Vermutungen hatten sich nun bestätigt.
Vlad dachte nach.
– Wir müssen Sonja holen.
Anna nahm Kontakt mit Sonja auf.
Zum Glück hatte Sonja das Gelände des Komplexes noch nicht verlassen.
– Sonja, komm bitte in den Sitzungssaal des Kleinen Rates. Es ist dringend.
– Gut, Anna. Ich komme sofort.
Einige Minuten später betrat Sonja den Saal.
Anna erklärte ihr die Situation.
Sonja hörte aufmerksam zu und schüttelte sofort den Kopf:
– Nein. Und noch einmal nein.
Alle sahen sie an.
– Bei unserem Auswahlverfahren würde sie nicht einmal auf die Kandidatenliste kommen. Unser System würde sie einfach nicht durchlassen.
Anna nickte.
– Dann brauchen wir eine andere Lösung.
Vlad sah Emma ruhig an.
– Es gibt eine Möglichkeit.
Er machte eine Pause.
– Weiß unser Gast, dass du hier bist?
– Ja, – antwortete Emma.
Vlad lächelte:
– Umso besser.
Emma stellte sofort klar:
– Er ist daran nicht beteiligt. Ich habe ihn lediglich über die Situation informiert.
Vlad nickte.
– Gut.
Er wandte sich an Konstantin.
– Ruf den Gast über die geschützte Leitung an und erkläre ihm kurz die Situation. Danach soll er über eine normale Leitung zurückrufen und darum bitten, dem armen Mädchen eine Arbeitsstelle zu geben.
Konstantin verstand den Plan.
– Verstanden.
Vlad fuhr fort:
– Danach ruft Konstantin Sonja mit derselben Bitte an. Dann haben wir zwei Anrufe.
Sonja verstand das Schema bereits.
Der erste Anruf sollte die Empfehlung bestätigen.
Der zweite sollte sie offiziell untermauern.
Sonja nickte:
– Machen wir.
Alle wurden lebhafter.
Anna lächelte:
– Eine echte Spionagegeschichte.
Im Saal wurde gelacht.
Sogar Emma entspannte sich zum ersten Mal ein wenig.
Lilith lächelte:
– Ja, nicht schlecht. Und wir schicken sie zum Sicherheitsdienst der Notaufnahme.
Vlad schüttelte den Kopf:
– Grausame und heimtückische Lilith. Du änderst dich nicht.
Emma sah Lilith überrascht an.
– Was ist das? „Ich habe dich erschaffen, also kann ich dich auch töten“?
Alle lachten.
Anna stoppte sie:
– Nein. Die Notaufnahme ist das Epizentrum aller Ereignisse. Dort gibt es sehr viel Arbeit.
Sie sah Emma an.
– Am Anfang wird es schwer.
Alle lächelten.
Konstantin stand auf:
– Dann war's das für heute. Gehen wir zur Personalabteilung und stellen dich ein. Und irgendwo müssen wir dich auch unterbringen.
Konstantin, Sonja und Emma verließen den Raum.
Die Tür schloss sich hinter ihnen.
Im Sitzungssaal des Kleinen Rates blieben Anna, Vlad und Lilith zurück.
Plötzlich klingelte Annas Tablet.
Sie sah auf den Bildschirm.
– Das ist Mei.
Anna schaltete den Lautsprecher ein.
– Mei, ich höre.
– Anna, man hat mir aus dem Wissenschaftszentrum gemeldet, dass alles für den Test des Energieschildes bereit ist. Kommt ihr zu den Tests?
– Natürlich. Wir warten nur noch auf Konstantin.
– Gut, – antwortete Mei.
Die Verbindung wurde beendet.
Einige Minuten später stieg das gesamte Team in Novaris-01 und flog zum Wissenschaftszentrum.
Nach der Ankunft stiegen alle aus.
In einiger Entfernung vom Komplex befand sich ein großes Testgelände. Dort waren zahlreiche verschiedene Waffenmuster aufgestellt.
Luzifer leitete alles.
Er kam auf das Team zu.
– Hallo! Irgendwie traue ich diesen menschlichen Spielzeugen nicht.
Konstantin sah auf das Testgelände.
– Nein.
Alle drehten sich zu ihm um.
– Schaltet den Schild über dem gesamten Komplex ein. Wir testen ihn gleich unter realen Bedingungen.
Mei spannte sich an.
– Wir sind nicht bereit.
– Ein Feind wird nicht auf dich warten. Einschalten.
Soldatin Jane sagte:
– Dann bleibe ich zusammen mit dem gesamten Personal im Inneren.
– Gut, – antwortete Konstantin. – Gehen Sie und schalten Sie ihn ein.
Soldatin Jane ging zum Steuermodul.
Einige Sekunden später aktivierte sie den GEJA-Generator.
Eine Lichtwelle lief am Rand des Komplexes entlang.
Über dem Wissenschaftszentrum begann sich eine riesige hellgrüne Kuppel zu bilden.
Sie dehnte sich schnell aus und bedeckte den gesamten Komplex.
Mei sah auf die Anzeigen.
– Stabil …
Luzifer grinste:
– Nun ja … das menschliche Spielzeug funktioniert.
Konstantin ging zum Testgelände, nahm ein Maschinengewehr und feuerte eine Salve auf den Schild.
Die Kugeln trafen auf die hellgrüne Oberfläche und verschwanden.
Mei überprüfte sofort die Instrumente.
– Keine Abweichungen.
Sie sah auf die Daten.
– Die Kugeln sind verschwunden. Auf der anderen Seite keinerlei Aktivität.
Luzifer nahm einen „Stinger“.
– Ich versuche es.
Er feuerte direkt auf den Schild.
Die Rakete erreichte den Schild.
Eine gewaltige Explosion ertönte.
Doch die grüne Kuppel veränderte sich nicht.
Mei sah auf die Anzeigen:
– Keine Reaktion des Schildes. Die Explosion wurde vollständig absorbiert.
Konstantin sah sich auf dem Gelände um.
– Nein. Und was steht da?
Mei blickte in die Richtung.
– Eine Laserkanone. Speziell für die Tests gebaut.
Luzifer wurde lebhaft:
– Ausgezeichnet. Ich probiere es.
Er richtete einen blutroten Strahl auf die Kuppel.
Die Oberfläche des Schildes veränderte sich leicht.
Mei betrachtete aufmerksam die Daten.
– Die Kuppel ist etwas dicker geworden.
Sie überprüfte die Anzeigen erneut.
– Und sonst nichts.
Der Schild absorbierte den Laserstrahl weiterhin.
Luzifer nahm den Strahl weg.
– Gut. Letzte Variante.
Er sah auf die grüne Kuppel.
– Mal sehen, was mit göttlicher Energie passiert.
Luzifer nahm die Gestalt eines Engels an.
Hinter seinem Rücken entfalteten sich riesige Flügel, und in seinen Händen erschien ein gewaltiges Energieschwert.
Er hob das Schwert und schlug mit voller Kraft auf den Schild.
Ein mächtiges Dröhnen ertönte.
Die Kuppel flammte hell auf.
Und einen Augenblick später kniete Luzifer bereits wieder in menschlicher Gestalt am Boden.
Er sah auf den Schild.
– Ja … So hat uns Mutter bestraft.
Mei überprüfte schnell die Anzeigen.
– Er hat den Schlag absorbiert!
Luzifer stand auf.
– Dann kann ihm auch göttliche Energie nichts anhaben.
Mei untersuchte weiter die Daten.
– Wir müssen eine vollständige Analyse durchführen. Das ist bereits mehr als nur eine Schutzbarriere.
Konstantin sah auf die grüne Kuppel und sagte zufrieden:
– Ich bin zufrieden. Wenigstens etwas Nützliches.
Alle lachten.
Anna sah die anderen an:
– Na, haben wir genug zu Abend gegessen?
Das Team ging zum Gebäude des Wissenschaftszentrums.
Konstantin sah Soldatin Jane an:
– Soldatin Jane, abschalten. Wir wollen essen. Lass uns in die Kantine.
Alle lachten erneut.
Soldatin Jane schaltete die Kuppel ab.
Die hellgrüne Hülle verschwand.
Alle gingen in das Wissenschaftszentrum.
Anna blieb am Eingang stehen und sah die anderen an.
– Wir sind auf eine neue Stufe übergegangen.
Alle verstummten.
Anna fuhr fort:
– Jetzt werden wir mehr Feinde haben.
Einige Sekunden lang antwortete niemand.
Alle verstanden: Nach dem heutigen Test würde das Projekt nicht mehr dasselbe sein können.
Die neuen Technologien würden früher oder später die Aufmerksamkeit derjenigen auf sich ziehen, die sie für sich haben wollten.
Vlad sah Anna ruhig an.
– Dann werden wir bereit sein.
Anna nickte.
– Genau.
Der erste praktische Test des GEJA-Generators war erfolgreich abgeschlossen.
Doch mit der neuen Schutzstufe eröffnete sich für das Projekt auch eine neue Realität.
Der erste Übergang hatte stattgefunden.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 29
DAS PODOWKI-SPIEL
DER KLEINE RAT
10:00 Uhr. Annas Büro.
Die Mitglieder des Kleinen Rates hatten sich im Büro versammelt.
Konstantin begann seinen Bericht:
– Gora hat eine Analyse durchgeführt. Alle Geheimdienste der großen Staaten haben Dossiers über uns zusammengestellt. Arbeitsgruppen wurden eingerichtet.
Er machte eine Pause.
– Im Moment interessieren sie nur zwei Fragen. Erstens: die Finanzierungsquellen. Zweitens: die Führung und wer an der Spitze steht.
Vlad antwortete ruhig:
– Wir müssen ihnen dreißig Prozent der offiziellen Finanzierung geben. Das sind zahlende Kunden, Spenden von Mäzenen und einige Bankgeschäfte.
– Und die übrigen siebzig Prozent? – fragte Konstantin.
– Sollen sie suchen.
Anna nickte:
– Gut. Aber alles muss absolut glaubwürdig aussehen.
Zur zweiten Frage entschied Anna:
– Ich bin die Hauptleiterin des Projekts. Daniel – Bankwesen. Kassandra – Immobilien. Sonja – Personal. Jeanne – Rechtsabteilung.
Sie fuhr fort:
– Vier Gründerunternehmen sind durchaus überzeugend. Alle verfügen über Kapital, Reputation und Einfluss.
– Eine gute Version, – sagte Vlad.
Konstantin fuhr fort:
– Gora bereitet die Unterlagen vor. Alles kommt auf einen USB-Stick, und Emma spielt ihn ihrem Verbindungsmann zu. So kann sie über ihre Arbeit der vergangenen zwei Wochen Bericht erstatten.
– Ich bestätige alles, – sagte Anna.
Konstantin nickte:
– Der Codename der Operation lautet „Podowki“.
EMMA
– Gora, bereite die Unterlagen vor. Wir müssen Emma einladen, – sagte Konstantin.
– Ja, – antwortete Anna. – TOD, ruf Emma über den geschützten Kanal hierher.
– Gut, – antwortete TOD.
Emma kam ziemlich schnell. Sie hatte gerade ihre Schicht beendet.
Während ihrer Arbeit in der Notaufnahme hatte sie sich mit großem Enthusiasmus eingearbeitet und half dabei, Menschenleben zu retten.
Anna sagte:
– Ich bin mit deiner Arbeit in der Notaufnahme zufrieden.
– Danke.
– Aber deswegen bist du nicht hier.
– Ich höre.
Konstantin reichte ihr einen USB-Stick:
– Das ist dein Bericht über die Arbeit der letzten zwei Wochen. Sieh ihn dir an.
Lilith lächelte:
– Emma, du vernachlässigst deine Spionagetätigkeit völlig. Ich mache mir schon Sorgen …
Alle lachten.
Konstantin kam wieder zur Sache:
– Emma, das musst du weitergeben.
Emma sah auf den USB-Stick.
– Das hier ist doch wahr, oder? Für solche Informationen hätte ich mindestens einen Monat gebraucht. Ich will keinen Schaden anrichten.
Anna antwortete ruhig:
– Du schadest niemandem. Du übermittelst die Informationen, die du sammeln solltest.
– Verstanden.
Anna sah alle an:
– Es ist entschieden. Ich bestätige es. Alle an die Arbeit.
TOM MOORE
Zwei Stunden später traf Emma ihren Verbindungsmann in der nächstgelegenen Kleinstadt.
Er hieß Tom Moore.
32 Jahre alt, 180 Zentimeter groß, sportlich gebaut und mit aristokratischen Allüren.
Emma übergab ihm den USB-Stick.
Tom schloss ihn an sein Tablet an und begann, den Inhalt durchzusehen.
Nach einiger Zeit sagte er:
– Das ist ernst und eine Menge. Die Dienste werden mehrere Monate brauchen, um alles zu überprüfen.
– Keine Ahnung, wahrscheinlich, – antwortete Emma. – Mehr konnte ich bisher nicht bekommen. Ich habe keinen Zugang. Im Sicherheitsdienst stehe ich praktisch ganz unten.
– Das werde ich der Führung ebenfalls melden.
Tom sah sie an:
– Und was machst du dort tatsächlich?
– Ich helfe in der Notaufnahme dabei, Menschenleben zu retten. Schließlich ist es ein Krankenhaus.
Tom dachte nach.
– Menschenleben zu retten ist eine ernsthafte Arbeit.
– Ja.
TOMS AKTE
Emma kehrte ins Medizinische Zentrum zurück und ging zu Konstantin.
Sie erzählte ihm von dem Treffen mit Tom.
– Alles gut, – sagte Konstantin.
Emma schwieg kurz:
– Ich glaube, Tom ist nicht so, wie er wirken möchte.
– Ja, – antwortete Konstantin.
Er holte eine dicke Akte mit Toms Personalunterlagen hervor.
– Nimm sie. Wenn du dich ausgeruht hast, lies sie.
Emma sah auf die Akte.
– Die ist dick.
– Ja. Von seiner Geburt bis zu eurem Treffen hier – alles.
Emma nahm die Akte und ging sich ausruhen.
Vlad kam in Konstantins Büro.
Konstantin grinste:
– Das ist Liebe.
– Aber sie weiß es noch nicht, – lächelte Vlad.
– Das ist gut. Tom hat sich ebenfalls in sie verguckt.
Vlad sagte:
– Sie werden mehr Liebe spielen als Spione.
– Ja.
– Lass sie ein paar Wochen spielen. Danach bringen wir alles in Ordnung.
DIE KLEINSTADT
Unterdessen verwandelte sich die kleine Stadt allmählich in eine regelrechte Spionageenklave.
Jeder wusste über jeden Bescheid.
Doch alle taten so, als wäre alles normal.
Die Cafés waren voller Gäste.
Wohnungen und Häuser wurden rege vermietet.
Restaurants und kleine Geschäfte bekamen neue Kunden.
Die örtliche Gemeinde hatte mit einem derart plötzlichen Wachstum nicht gerechnet.
Die Einwohner waren mit der Nähe zum Medizinischen Zentrum sehr zufrieden, obwohl sie keinen Zugang dazu hatten.
Doch nun begann auch eine zweite Welle.
Neugierige und Technologiejäger kamen in die Stadt.
Medizinkonzerne und Luftfahrtunternehmen stiegen in das Spiel ein.
Die einen wollten Medikamente.
Die anderen wollten die Jet-Technologien.
Und das Interessanteste: Noch wusste niemand von den DEM- und GEJA-Generatoren.
Auch von den Schilden wusste niemand etwas.
DIE SATELLITEN
Bald trat der Kleine Rat erneut zusammen.
Konstantin berichtete:
– Das Spiel wird aktiver. Gora amüsiert sich, so gut sie kann.
Alle lachten.
– Solange alle schweigen, – fuhr Konstantin fort, – werden auch wir nicht aktiv werden. Es gibt wichtigere Fragen.
Mei hatte zwei Satelliten fertiggestellt und war bereit, sie Vlad zu übergeben.
Vlad gab seine Anweisungen:
Der geheime Ort befand sich irgendwo im Gebiet der Sternberge.
Roger brachte den ersten Satelliten dorthin.
Das Fluggerät schwebte über dem Punkt.
Vor ihm öffnete sich ein Durchgang in eine riesige Höhle.
Roger flog hinein.
Hinter ihm schloss sich der Eingang mit einem Energieschild.
– Hallo, Roger, – sagte Vlad über Funk.
– Hallo, Vlad.
– Ich komme gleich.
In der Höhle ging die Beleuchtung an. Aus der Tiefe erschien Vlad.
Doch er war nicht allein.
Mit ihm gingen vier graue, unverständliche Wesen.
– Das sind Flüchtlinge. Nenn sie vorerst so, – sagte Vlad.
– Und hier haben sie Zuflucht?
– Ja. Hier sind viele von ihnen. Und verschiedene.
Roger sah die Wesen an.
– Unverständlich … Na gut. Ich bin nur ein Soldat des Projekts.
– Nicht nur, – antwortete Vlad.
Er wurde ernst:
– Dieses Geheimnis wirst nur du kennen. Und nur du allein wirst Lieferungen hierher bringen. Verstanden, Roger?
– Verstanden.
– Sie haben zugestimmt, uns dabei zu helfen, die Satelliten an die Orte zu bringen, die wir brauchen.
Vlad fuhr fort:
– Hol den zweiten. Ebenfalls unbemerkt.
– Gut.
Roger machte sich auf den Weg, um den zweiten Satelliten zu holen.
TITAN UND GANYMED
Vlad nahm Kontakt mit Mei auf:
– Sag dem Sternengucker, dass er morgen von eurer Sternwarte aus mit meinen Spielzeugen arbeiten kann.
Am nächsten Tag befanden sich Mei und der Sternengucker in der Sternwarte des Wissenschaftszentrums.
Sie konnten nicht verstehen, wie zwei Geräte innerhalb nur eines Tages ihre Ziele erreicht hatten.
Eines befand sich beim Titan.
Das zweite beim Ganymed.
Der Sternengucker überprüfte die Berechnungen mehrmals:
– Solche Raketen hat es in der Natur nie gegeben.
Vlad nahm Kontakt mit ihnen auf.
– Also, vergesst vorerst, woran ihr gerade gedacht habt. Kümmert euch darum, sie auf der Oberfläche zu landen.
Mei sah auf den Bildschirm.
– Die gesamte Steuerung befindet sich bei euch in der Sternwarte, – fuhr Vlad fort. – Die Steuerung erfolgt in Echtzeit und ohne Verzögerung.
Er fügte hinzu:
– Und beschäftigt euch mit der Erforschung der Himmelskörper.
Mei und der Sternengucker machten sich an die Arbeit.
Vlad kehrte ins Medizinische Zentrum zurück.
NOTFALLPATIENT
In Annas Büro ertönte plötzlich TODs Signal.
– Dringender Patient. Kritischer Zustand.
Anna drehte sich zum Bildschirm.
– Mann, 50 Jahre. Aufenthaltsort – Griechenland. Flugzeit des Teams bis zum Patienten – 29 Minuten.
Anna gab sofort Anweisung:
– Operationssaal vorbereiten. Drei Zweier.
Der Patient befand sich auf einem US-Marinestützpunkt in Griechenland.
Er hatte einen Schlaganfall erlitten und lag im Koma.
Novaris-01/2M landete ohne vorherige Genehmigungen oder Freigaben neben dem Gebäude, in dem sich der Patient befand.
Das medizinische Team stieg aus und holte den Patienten.
Der Mann wurde schnell an Bord gerollt.
Als der Sicherheitsdienst sich dem Fluggerät näherte, sagte der Leiter des Teams ruhig:
– Wir werden ihn retten.
Die Luke schloss sich.
Novaris-01/2M hob ab und verschwand ebenso unerwartet, wie er erschienen war.
Vom Stützpunkt stiegen F-35 zur Abfangjagd auf.
Doch das medizinische Fluggerät war bereits auf dem Rückweg zum Medizinischen Zentrum.
DIE NOTAUFNAHME
Novaris-01/2M landete bei der Notaufnahme des Medizinischen Zentrums.
Emma hatte Dienst.
Sie sah den Patienten und erstarrte für einen Augenblick.
Das Gesicht kam ihr bekannt vor.
– Na gut, später, – sagte sie zu sich selbst.
Emma schob den Patienten zur Schleuse.
Dort wartete bereits Lilith auf ihn.
– Danke, Emma, – sagte Lilith.
Sie übernahm den Patienten und brachte ihn weiter.
Emma kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück.
Sie öffnete ihr Tablet und begann, die Nachrichten durchzusehen.
Bald fand sie Informationen über Übungen im Mittelmeer.
Emma hielt inne.
Sie verglich die Angaben.
– Sie haben den Kommandeur eines Flugzeugträgers geklaut … Einen Admiral.
Sie ging schnell zu Konstantin.
ADMIRAL GEORGE HARDY
Emma betrat Konstantins Büro.
– Haben wir Admiral George Hardy geklaut? – fragte sie.
– Ja, – antwortete Konstantin ruhig.
Emma schwieg einige Sekunden.
Konstantin fuhr fort:
– Der Admiral erhielt den Befehl über seine Entlassung und die Ernennung eines neuen Kommandeurs. Das führte zu einem schweren Herzinfarkt und Koma.
Er machte eine Pause.
– Zum Zeitpunkt seiner Einlieferung war er formal bereits im Ruhestand.
– Ja, aber er ist US-Bürger, – sagte Emma.
– Natürlich, – antwortete Konstantin. – Du gehst über deinen Verbindungsmann und informierst das FBI.
DAS ZWEITE TREFFEN MIT TOM
Emma nahm Kontakt mit Tom auf und vereinbarte ein Treffen.
Sie kam in das vereinbarte Café und übergab ihm die Information.
Tom dachte kurz nach.
– Das ist ein Skandal. Aber unsere und eure Leute werden das wahrscheinlich nicht öffentlich machen und alles geheim halten.
– Wahrscheinlich, – sagte Emma. – Einen Admiral als entführt zu melden, wäre schon etwas zu viel.
Beide lachten.
Tom fragte:
– Und wie geht es ihm? Ist er bei Bewusstsein? In Behandlung?
– Noch nicht. Die Ärzte kümmern sich um ihn.
Tom nickte.
– Gut. Meine Aufgabe ist es, die Information weiterzugeben.
Er sah Emma an:
– Geh zurück, bevor jemand deine Abwesenheit bemerkt.
Emma nickte und ging.
Die Operation „Podowki“ lief weiter.
Rund um das Medizinische Zentrum tauchten immer mehr Beobachter, Konzerne und Geheimdienstleute auf.
Und innerhalb des Projekts wurden bereits Titan und Ganymed erforscht, neue Technologien entwickelt und Menschen gerettet, die das gewöhnliche System möglicherweise bereits aufgegeben hätte.
Das Podowki-Spiel ging weiter.
DAS UNIVERSUM DER HEILERIN
BUCH I
Autor: Vlad Korn
KAPITEL 30
DIE ZWEITE RUNDE „PODOWKI“
DAS ZIMMER DES ADMIRALS
Konstantin setzte sich neben das Bett des Admirals.
– Ich stelle mich vor. Konstantin. Ehemaliger Mitarbeiter eines US-Geheimdienstes, inzwischen im Ruhestand. Jetzt bin ich Leiter des Sicherheitsdienstes dieses Medizinischen Zentrums.
Der Admiral sah ihn an.
– Ich weiß, wer Sie sind.
Konstantin lächelte:
– Dann erlauben Sie mir, mich zu entschuldigen. Es gab niemanden, den wir um Erlaubnis hätten fragen können. Sie sahen einfach zu schlecht aus.
Beide lächelten.
– Der Arzt sagte, Sie sollten noch ungefähr drei Tage hierbleiben. Und ein kaltes Bier habe ich schon mitgebracht, – sagte Konstantin.
Der Admiral sah ihn überrascht an:
– Darf ich denn?
– Ja. In der Zeit, in der ich mit ihnen arbeite, habe ich eines verstanden: Magen und Gehirn sind zwei verschiedene Dinge.
Sie lachten wieder.
Der Admiral richtete sich auf, setzte sich im Bett hin und begann, das Bier zu trinken.
– Gutes Bier.
– Bier, – bestätigte Konstantin.
Er sah den Admiral an und fügte ruhig hinzu:
– Wir haben Sie einfach geklaut. Um Sie zu retten.
Der Admiral sah ihn an, dann lachten beide erneut.
DIE FAMILIE
Konstantin holte ein Telefon heraus.
– Ich habe ein Telefon mitgebracht. Wenn Sie jemanden anrufen möchten – bitte.
– Höchstens meinen Sohn.
– Rufen Sie ihn an.
Der Admiral wählte eine Nummer.
– Wo bist du, Papa?
– Im Krankenhaus. Mir geht es gut.
Er schaltete das Telefon aus.
Dann wählte er eine andere Nummer.
Direkt hinter der Tür klingelte ein Telefon.
Es war seine Frau.
Konstantin sagte:
– Wir haben sie hierhergebracht.
Der Admiral sah ihn an:
– Danke, Konstantin.
– Gern. Verbringen Sie Zeit mit Ihrer Frau. Wir haben im Erdgeschoss ein ganz ordentliches Restaurant. Laden Sie Ihre Frau ein.
Das Ehepaar blieb allein.
Nach allem, was geschehen war, fühlte sich der Admiral zum ersten Mal wirklich ruhig.
DIE GEHEIMDIENSTE
Unterdessen stuften die Geheimdienste die Situation als geheim ein.
An den Stützpunkt wurde lediglich die offizielle Version gemeldet:
Aufgrund seines Gesundheitszustands wurde der Admiral in ein Krankenhaus gebracht.
Keine Einzelheiten.
Doch Lilith sorgte für eine kleine Informationsweitergabe an andere Geheimdienste.
Und das Durcheinander begann.
In verschiedenen Strukturen fanden dringende Sitzungen, Überprüfungen und interne Untersuchungen statt.
Die einen versuchten herauszufinden, wohin der Admiral verschwunden war.
Andere wollten wissen, wer ihn evakuieren konnte.
Wieder andere suchten nach der Quelle der Informationsweitergabe.
Lilith beobachtete das Geschehen lediglich von außen.
SICHERHEIT DER MITARBEITER
Konstantin begann gemeinsam mit den Schichtleitern Listen der Mitarbeiter zu erstellen, bei denen Anwerbeversuche unternommen worden waren.
Es waren nicht besonders viele.
Die meisten Mitarbeiter lebten direkt auf dem Gelände des Komplexes, weshalb es nicht einfach war, an sie heranzukommen.
Und diejenigen, bei denen es dennoch versucht wurde, meldeten dies selbst Konstantin.
Einige Mitarbeiter sammelten sogar eigenständig Informationen über die Personen, die versucht hatten, sie anzuwerben.
Konstantin sah sich die Unterlagen an und grinste:
– Offenbar versucht man, uns anzuwerben, während unsere Mitarbeiter selbst Dossiers über die Anwerber sammeln.
Das Sicherheitssystem erhielt neue Informationen.
Schwachstellen wurden erkannt und beseitigt.
Der Schutz der Mitarbeiter wurde verstärkt.
Außerdem wurden Personen identifiziert, die potenziell eine Gefahr für das Projekt darstellen konnten.
DIE KLEINSTADT
Unterdessen lebte die kleine Stadt weiter ihr eigenes Leben.
Auf den Straßen herrschte ständig Betrieb.
Cafés und Restaurants waren voll.
Wohnungen und Häuser wurden weiterhin vermietet.
Die kleinen Geschäfte bekamen neue Kunden.
Die örtliche Gemeinde hatte mit einem derart schnellen Wachstum nicht gerechnet.
Die Einwohner waren mit der Nachbarschaft zum Medizinischen Zentrum zufrieden, obwohl sie keinen Zugang zum Gelände des Komplexes hatten.
Die Spionageaktivitäten brachten der Stadt unerwartet ganz reales Geld.
Doch allmählich näherte sich das Spiel seinem Ende.
Die zweite Runde „Podowki“ ging zu Ende.
DER TAG DER ENTLASSUNG
Der Tag der Entlassung des Admirals war gekommen.
Anna lud ihn gemeinsam mit seiner Frau in ihr Büro ein.
– Nun, das war's, – sagte Anna. – Sie sind wieder in Ordnung. Wir haben unsere Arbeit erledigt.
Der Admiral lächelte:
– Ich danke Ihnen für alles.
In diesem Moment öffnete sich unerwartet die Tür.
Sonja betrat das Büro.
Anna sah sie an:
– Sonja, was ist denn jetzt wieder?
Dann wandte sie sich an den Admiral:
– Sie sind jetzt wirklich im Ruhestand?
– Ja, – antwortete seine Frau.
Anna dachte kurz nach.
– Ich habe einen Kreuzfahrtdampfer. Allerdings wurde er zu einem Produktionsbetrieb umgebaut.
Der Admiral sah sie interessiert an.
– Und dort gibt es keinen Kapitän.
Anna fuhr fort:
– Besprechen Sie es eine Woche lang mit Ihrer Frau. Gutes Gehalt, interessante Arbeit. Und vier Plattformen gibt es noch obendrauf.
Im Büro entstand eine Pause.
Die Frau des Admirals ergriff das Wort:
– Und wenn sein Gesundheitszustand so bleibt wie heute Nacht?
Anna lächelte:
– Genau so wird er bleiben.
Die Frau sah ihren Mann an:
– Was gibt es dann noch zu überlegen? Sag zu.
Der Admiral lachte.
– Gut. Und wann soll ich anfangen?
– Nicht heute, – sagte Anna. – In einer Woche wird Konstantin Kontakt mit Ihnen aufnehmen und alles erklären. Bis dahin erholen Sie sich.
Alle lächelten.
Der Admiral und seine Frau verließen das Büro.
Anna sah Sonja an:
– Sonja, was hast du?
Sonja zögerte ein wenig:
– So wie ich das verstehe, gar nichts mehr.
– Wie meinst du das?
– Ich hatte Kandidaten für den Kapitän mitgebracht, – sagte Sonja.
Anna sah sie an und lächelte.
Offenbar war die Frage nach dem Kapitän bereits geklärt, noch bevor sie offiziell mit der Suche beginnen konnten.
Sonja schüttelte nur den Kopf:
– Na toll. Und ich habe so viele Kandidaten gesammelt.
Anna lachte.
Die zweite Runde „Podowki“ war beendet. Doch die Folgen dieses Spiels begannen sich gerade erst zu zeigen.
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